PS und CO2

Kirche fährt auf dicke Schlitten ab?

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Papst Franziskus fährt privat einen Renault R4. Der Wagen hat mehr als drei Jahrzehnte auf den Felgen und wird in Italien "La mucca" (Die Kuh) genannt.

Wenn Bischöfe reisen, dann meist in Limousinen mit dunkel getönten Scheiben. Die sind teuer und belasten das Klima. Zu Predigten über Umweltschutz und Bescheidenheit passt das nach der Affäre um den Limburger Bischof eher schlecht.

Don Camillo fuhr immer mit dem Fahrrad. Dem fiktiven Priester und Romanhelden reichte der Drahtesel, um sich mit dem Bürgermeister ein Rennen zu liefern. Der echte Papst Johannes Paul II. war schon etwas motorisierter unterwegs - bestimmt aber nicht schneller. Er ließ sich im weißen Papa-Mobil durch die Menge kutschieren. Der aktuelle Papst Franziskus geht das Ganze sehr bodenständig an. Und so gar nicht päpstlich.

Franziskus hat einen Renault R4, der mehr als drei Jahrzehnte auf den Felgen hat. „La mucca“, wie der Wagen in Italien genannt wird - die Kuh - hat er von einem Dorfpfarrer übernommen, der mit dem Wagen lange Jahre durch seine Gemeinde gefahren war. Charakter hat „la mucca“ also. Prunkvoll ist der Wagen aber nicht.

Dafür fahren seine Kirchenbrüder in Deutschland häufig dicke Schlitten. Die Deutsche Umwelthilfe untersuchte die Fahrzeuge von Bischöfen und anderen leitenden Personen der katholischen und evangelischen Kirche auf ihren Schadstoffausstoß: Da dicke Schlitten häufig auch mehr ausstoßen, sieht das Ergebnis des am Donnerstag veröffentlichten Dienstwagen-Checks nicht sehr rosig aus.

Von den 47 untersuchten Dienstwagen von Bischöfen, Landesbischöfen und Kirchenpräsidenten liegen 33 über dem EU-Grenzwert von 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Darin enthalten sind aber auch die Fahrzeuge derer, die dazu nichts sagen wollten. Nur 14 benutzen einen Dienstwagen, der den Grenzwert nicht überschreitet - meist Hybrid-Modelle.

Limburgs umstrittener Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst fährt einen BMW 535d. CO2-Ausstoß: 156 Gramm pro Kilometer. PS: mehr als 300. Wäre er nicht gewesen - die teuren, großen Dienstwagen der Kirche würden wahrscheinlich nur wenige aufregen. Aber dank des Limburger Skandalbischofs ist die Akzeptanzschwelle für empfundene oder tatsächliche Verschwendung in der Kirche derzeit gering.

Dass beim kirchlichen Dienstwagenkauf häufig nicht nur Umweltverträglichkeit, sondern auch Bescheidenheit hintanstehen, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur im Oktober.

Demnach wird der Münchner Kardinal Reinhard Marx von einem Chauffeur in der Oberklassen-Limousine BMW 730i kutschiert. Bischof Gebhard Fürst aus Rottenburg-Stuttgart und der Osnabrücker Franz-Josef Bode greifen auf einen Audi A6 zurück. Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen ist in einem VW Phaeton unterwegs. Das vergleichsweise große Auto benötige Overbeck wegen seiner langen Beine, sagte ein Sprecher.

Renault 4 - Modell mit "Laissez-faire"

Renault 4 - Modell mit "Laissez-faire"

Der bescheiden auftretende Papst Franziskus hält dagegen: „Ich sage Euch, mir tut es weh, wenn ich einen Priester oder eine Ordensschwester mit dem allerneuesten Modell sehe. Das geht doch nicht“, predigte er laut „tagesschau.de“ vor kurzem. „Ich glaube, dass Autos nötig sind, weil wir viel transportieren müssen, aber nehmt doch ein etwas bescheideneres Auto.“

In seinem kürzlich veröffentlichten apostolischen Schreiben äußerte Franziskus generell den Wunsch nach einer Kirche für die Armen. Dienstwagen-Protz will da nicht richtig zu passen.

Franziskus ist aber nicht das einzige Positivbeispiel, wenn es um Bescheidenheit und Umweltschutz geht. So fährt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt oft Zug, wie die dpa-Umfrage ergab. „Meist kommt der Bischof mit dem Fahrrad oder seinem gebrauchten Opel“, sagte ein Sprecher. Auch der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki lässt den Wagen laut Erzbistum so oft wie möglich stehen und fährt Rad.

Vielleicht schaffen es diese Positivbeispiele, die Zahl der Kirchenaustritte zu bremsen. Zum Höhepunkt des Skandals um Tebartz-van Elst gab es auffallend viele. Die Kirchenvertreter hätten eben eine Vorbildfunktion, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

dpa

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