Polizei dementiert entschieden

Brutale Vergewaltigung? "Definitiv nicht!"

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Altötting - In der Region kursiert seit Wochen ein Gerücht über eine angebliche Gruppenvergewaltigung durch Asylbewerber. Es ist offenbar falsch, verbreitet sich aber rasant.

In der Region verbreitet sich - vermutlich seit mehreren Wochen - ein Gerücht über eine angebliche Gruppenvergewaltigung. Fünf Asylbewerber - je nachdem, wer die Geschichte erzählt, können es auch noch mehr sein - sollen sich so brutal an einer jungen Frau vergangen haben, dass diese mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die Tat soll sich in Altötting abgespielt haben. Oder in Neumarkt-St. Veit. Oder in Waldkraiburg. Ober aber in Passau. Ja, sogar in Mainz. Diese Horrorgeschichte wird seit Wochen erzählt. Nur kleinere Details variieren - und der angebliche Tatort.

Polizei: "Da war definitiv nichts"

Das Gerücht ist offensichtlich falsch. Das bestätigen Recherchen unserer Redaktion. Auch von der Polizei kommt ein klares Dementi. "Da war definitiv nichts, überhaupt nichts", erklärt Andreas Guske, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Weder im Landkreis Mühldorf noch im Landkreis Altötting habe es eine Gruppenvergewaltigung gegeben. Vergleichbare Gerüchte aus dem Landkreis Passau hatte die Polizei zuvor gegenüber der Passauer Neuen Presse ebenfalls dementiert. Im Landkreis Altötting hat die Polizei Guske zufolge auch sonst kein Sexualdelikt mit Asylbewerberbezug vorliegen. Die Vergewaltigung durch einen Einzeltäter in Mühldorf vor über zwei Wochen hat die Polizei noch am darauffolgenden Tag publik gemacht - und kurze Zeit später bereits einen tatverdächtigen Asylbewerber festgenommen.

Dass es im Raum Altötting definitiv keine Gruppenvergewaltigung gegeben hat, bestätigt auch Michael Prostmeier, Vorstand der Kreiskliniken Altötting-Burghausen. Er habe sich in der zuständigen Abteilung und beim Pflegedirektor erkundigt. "Den Fall hat es bei uns definitiv nicht gegeben", so Prostmeier.

Beschuldigter in Neuötting kein Asylbewerber

Polizeisprecher Guske betont, dass man offen mit Sexualdelikten umgehe und nicht zwischen Deutschen und Asylbewerbern unterscheide. "Bei Sexualdelikten im öffentlichen Raum berichten wir aktiv. Da gehen wir in der Pressestelle aktiv raus an die Öffentlichkeit. Das machen wir grundsätzlich so." Man gehe offensiv mit der Thematik um, auch um Gerüchtebildung zuvorzukommen, erklärt Guske.

Aktuell behandelt die Polizei zwar ein mutmaßliches Sexualdelikt aus dem Landkreis Altötting. Der Beschuldigte ist aber kein Asylbewerber, sondern kommt aus dem Schaustellergewerbe. Der angezeigte Vorfall soll sich rund um die Neuöttinger Dult abgespielt haben. Was genau vorgefallen ist, müssen nun die Ermittlungen zeigen.

Soziale Medien befeuern Gerüchteküche

Obwohl an dem Gerücht über die Gruppenvergewaltigung offensichtlich nichts dran ist, hält es sich seit Wochen - und hat sich offenbar nach und nach in immer mehr Städten verbreitet. Wer das Gerücht erzählt, verweist oft scheinbar glaubhaft auf "eine Bekannte, die im Krankenhaus arbeitet" oder "einen Bekannten bei der Polizei" - allerdings ohne einen Namen zu nennen. Das Gerücht breitet sich nicht nur über Mundpropaganda aus. Besonders die sozialen Medien beschleunigen die Verbreitung dank ihrer großen Reichweite massiv.

Es ist nicht das erste Mal, dass in den sozialen Medien eine unwahre Schreckensnachricht kursiert. Seit Jahren taucht dort immer wieder eine Meldung auf, wonach Unbekannte mit einem Kleinbus vor Schulen parken, um Kinder zu entführen. Im Berliner Raum etwa entwickelte das falsche Gerücht im Herbst 2011 eine so starke Eigendynamik, dass Schulkonferenzen einberufen wurden und viele Eltern ihren Kindern verboten, alleine auf die Straße zu gehen. Das Gerücht entlarvte sich dann aber selbst: Der ominöse Kleinbus wurde angeblich am selben Tag an zwei Orten gesehen, die hunderte Kilometer voneinander entfernt sind.

Im Juli dieses Jahres kursierte das Gerücht mit dem Kleinbus in Offenbach. Wie op-online berichtet, teilten schnell Eltern Fotos des Kennzeichens und der Insassen. Die Polizei konnte allerdings rasch Entwarnung geben: Die Männer samt Kastenwagen gehörten zu einem Ingenieurbüro und hatten in der Nähe zu tun.

bla

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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