Iris F.: "Ich habe davon nichts gewusst"

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Geschädigter James A. mit seinem Anwalt beim Prozess

Traunstein - Die Angeklagten Sieglinde K. und Iris F. haben sich beim entführten James A. entschuldigt. Beide hätten aber von der Entführung im Vorfeld nichts gewusst.

Seit knapp 13 Jahren ist Sieglinde K. mit ihrem Ehemann Roland verheiratet. Doch derzeit haben sie sich nicht viel zu sagen. Beide sitzen getrennt in Untersuchungshaft seit dem 21. Juni 2009. Man merkt der 80-Jährigen gut an, dass sie die Erlebnisse im vergangenen Sommer am liebsten rückgängig machen würde. Ja, sie habe sich über den Herrn A. sehr geärgert, Herr A. habe sie und ihren Mann schließlich um 2,4 Millionen Dollar betrogen. Doch von einer geplanten Entführung habe sie von ihrem Mann nie etwas erfahren.

Sieglinde K. sitzt regungslos auf der Anklagebank, während ihr Anwalt ihre Erklärung dem Vorsitzenden Richter vorträgt. Sie habe nichts von den Vorbereitungen mitbekommen, die ihr Mann getroffen habe. Auch angeblich nicht, dass Wilhelm D. ihren Mann nach Speyer begleiten sollte. Ihr Mann habe aber sehr verzweifelt gewirkt, da die Gespräche mit James A. nicht erfolgreich verlaufen seien.

Bilder aus dem Gerichtssaal

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"Ich war mit der Entführung nicht einverstanden. Ich hatte aber keine Möglichkeit das zu verhindern." Sie habe erst davon mitbekommen, als James A. nach Chieming verschleppt worden war und ihr Mann von einem "Gast in unserem Haus" gesprochen habe. Sie habe James A. versorgt, Frühstück gemacht, ansonsten sich aber aus der Sache herausgehalten. Trotz mehrmaliger Proteste habe sich ihr Mann nicht davon abbringen lassen, James A. mehrere Tage in ihrem Haus gefangen zu halten.

Sieglinde K. hat im Lotto zwei Millionen Mark anfang der 90er Jahre gewonnen. Mit dem Geld hat sie ein Haus in Florida gekauft und es 1997 an ihrem Mann Roland K. überschrieben. Nach den Finanzgeschäften mit James A. hat Familie K. alles verloren. Geblieben sind den beiden Angeklagten eine gemeinsame Rente in Höhe von rund 1000 Euro, das Haus in Chieming und das Anwesen in Florida.

Iris F. entschuldigt sich bei James A.

Iris F. und ihr Mann, ein Arzt aus Schliersee kennen den Geschädigten James A. seit 1994. Auch sie haben in Florida ein Haus gekauft, wie Familie K. Der Geschäftsmann wird ihnen als Steuerberater empfohlen. Sie vertrauen James A. und legen insgesamt 300.000 Dollar an, die A. angeblich in seine Immobiliengeschäfte investieren will. Ende 2007 bleiben die versprochenen Zinszahlungen aus. Von der investierten Summe sieht Familie F. bis heute keinen Cent mehr. James A. verschwindet anfang 2008 aus den USA.

Ende 2008 lernen sie Familie K. aus Chieming kennen. Gemeinsam versuchen sie nun an ihr verlorenes Geld zu gelangen. "Von einer möglichen Entführung habe ich nichts erfahren. Ich habe Herrn A. erst in Chieming am 17. Juni gesehen, als wir alle in der Garage versammelt waren", zitiert ihr Anwalt.

Die Gespräche seien unertäglich gewesen, daher habe sie die Runde verlassen und sei zu Sieglinde K. ins Haus gegangen. Mit dem Tod sei James A. aber nicht bedroht worden, eine Waffe habe sie auch nicht gesehen. Sie habe ihrem Mann vertraut, der eine schnelle Freilassung des Geschäftsmanns versprochen habe.

Als ihr Anwalt seinen Vortrag beendet steht Iris F. auf und dreht sich zu dem Geschäftsmann: "Herr A., ich möchte mich für mein Fehlverhalten entschuldigen. Es tut mir Leid." Der Zeuge James A. bleibt regungs-und kommentarlos sitzen. Die Prozess wird am 9. März fortgesetzt.

Stefan Forster

               

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