Nach Messer-Attacke auf Mitbewohner

Tödlicher Streit: Angeklagter Flüchtling muss lebenslang in Haft

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Der Angeklagte Salad M. mit seinem Verteidiger Thomas Krimmel. Zu Beginn des Prozesses legte der Somalier ein Geständnis ab.

Landshut - Der Streit unter Flüchtlingen um das Verschließen einer Zimmertür endete tödlich. Mehr als 20 mal sticht ein Mann auf seinen Mitbewohner ein. Nun wurde das Urteil gesprochen.

Er hatte Alpträume und Angst, deshalb sollte die Zimmertüre geschlossen bleiben. So erzählt es Salad M. am Dienstag vor Gericht. Seinem Mitbewohner habe das aber nicht gepasst, deshalb hätten sie mehrmals gestritten. Dann spricht der 38-jährige Somalier vom 21. Februar. Es ist die Nacht, in der er seinen Mitbewohner Biaye N., 20, tötet.

Der Fall erhitzte damals die Gemüter in der ohnehin scharfen Flüchtlings-Debatte. Seit Dienstag steht Salad M. in Landshut vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord vor. Er soll in der Flüchtlings-Unterkunft in Dorfen (Kreis Erding) 21 Mal auf den Senegalesen eingestochen haben, und zwar in Brust, Kopf und Rücken. Ein Stich in den Herzbeutel war dann tödlich.

Gleich zu Beginn des Prozesses lässt der Angeklagte seinen Verteidiger Thomas Krimmel eine Erklärung verlesen. Darin räumt der Somalier ein, seinen jungen Zimmergenossen getötet zu haben. Heute bereue er die Tat und wisse, dass sie durch nichts zu entschuldigen sei.

Prozess um Toten in Dorfener Asyl-Unterkunft: Es gab immer wieder Streit wegen der Zimmertüre

Er und der Getötete hätten sich immer wieder wegen der Zimmertüre gestritten, sagt der Angeklagte dann – eine Dolmetscherin übersetzt für das Gericht. Noch am Morgen vor der Tat hätten er und sein Mitbewohner sich mit je einem Messer gegenübergestanden. Andere Bewohner konnten die beiden aber auseinanderhalten und eine Eskalation verhindern.

Nach Mitternacht, sagt er Angeklagte, habe Biaye N. dann wieder geklopft. Dann schildert er, wie er zur Tür ging, bewaffnet mit einem Klappmesser, um sich zu verteidigen. Der 20-Jährige habe etwas in der Hand gehabt, sagt Salad M. „Da habe ich mein Messer rausgeholt, mit beiden Händen vor seinen Augen aufgeklappt und wollte, dass er weggeht.“ Was dann passiert sei, wisse er nicht mehr. Allerdings habe er nicht gedacht, mit der 7,5 Zentimeter langen Klinge einen Menschen töten zu können. „Höchstens, dass ich ihn verletze. Wenn er weggegangen wäre, hätte ich ihn nicht umgebracht.“

Bei seinen früheren Vernehmungen äußerte sich der Angeklagte offenbar sehr viel detaillierter. Richter Markus Kring hielt ihm genau das vor. So habe Salad M. etwa ausgesagt, der 20-Jährige habe nach den ersten Stichen an ihm gehangen und darum gebettelt, nicht weiter zuzustechen. Trotzdem habe er noch mal zugestochen. Dann sei der Senegalese umgefallen.

Schon vor dem Ermittlungsrichter hatte sich Salad M. über die Mitbewohner in der Unterkunft beschwert. Sie hätten ihm das Leben zur Hölle gemacht, ihn geschlagen und getreten. Auch das spätere Opfer habe mitgemacht. Deshalb sei er „sehr, sehr wütend“ gewesen. Salad M. selbst floh nach eigenen Angaben 2002 aus seiner Heimat, hielt sich zehn Jahre lang in verschiedenen Ländern Europas auf und kam neun Monate vor der Tat nach Dorfen.

Lebenslange Haft nach tödlichem Streit unter Flüchtlingen

Am Mittwoch wurde nun das Urteil gesprochen. Die tödlichen Messerstiche muss der 38-Jährige aus Somalia mit einer lebenslangen Haft büßen. Das Landgericht Landshut verurteilte den Mann wegen Mordes. Der Tötungsvorsatz und das Mordmerkmal der Heimtücke stünden ohne Zweifel fest, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Der Angeklagte habe das Klappmesser vor der Attacke zunächst in der Hand verborgen gehalten, dann schnell aufgeklappt und unmittelbar zugestochen. ötl/dpa

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