Ex-Mitarbeiter zeigt Kinderheim Maria an

Kinderheim am Pranger! Zu Unrecht?

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Im Franziskushaus gibt es ein Kinderheim Haus Maria. Ein ehemaliger Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe, hat das Franziskushaus wegen Freiheitsberaubung angezeigt.

Au am Inn – Ein ehemaliger Mitarbeiter wirft dem Kinderheim Maria Freiheitsberaubung bei Kindern vor. Was steckt hinter den Vorwürfen, die seit Freitag in den Medien breitgetreten werden?

Franz K. wohnt in Lengmoos und ist ein ehemaliger Mitarbeiter des Kinderheims Haus Maria, das Teil des Franziskushauses in Au am Inn ist. Von 1. Januar 2012 bis 30. Juni 2012 hat er in der Einrichtung als Heilerziehungspflegehelfer im Heilpädagogischen Kinderheim Maria im Nachtdienst gearbeitet. Das Arbeitsverhältnis wurde zum Ende der Probezeit vom Dienstgeber beendet.

Jetzt erhebt der ehemalige Mitarbeiter zum wiederholten Male schwere Vorwürfe gegen das Franziskushaus, besonders gegen das Kinderheim Haus Maria, und erstattete erneut Anzeige - die Staatsanwaltschaft ermittelt erneut und das Kinderheim steht seit Freitag in den Medien am Pranger: Es soll in zahlreichen Fällen Freiheitsberaubung stattgefunden haben. Dazu Franz K. gegenüber wasserburg24.de: "Im Heimbereich werden behinderte Kinder regelmäßig in ihren Zimmern eingeschlossen und auch fixiert!"

Die sorgeberechtigten Personen müssen mit solch drastischen Maßnahmen, die dem Selbstschutz der behinderten Kindern dienen soll, einverstanden sein. Nach Meinung von Franz K. reiche das aber nicht aus, es hätte zusätzlich auch eine richterliche Anordnung eingeholt werden müssen. „Das ist aber mehrfach nicht passiert“, heißt es von Franz K. weiter, "oder erst im Nachhinein." Beim BGH ist seit einigen Jahren hinterlegt, dass diese Erlaubnis auch rückwirkend eingeholt werden kann. Dazu K.: „Im sogenannten Erregungszustand kann teilweise entschieden werden, ob wegen Gefahr in Verzug Zimmereinschlüsse zügig entschieden werden können, aber das ist meiner Meinung nach eine Streitfrage.“

Das Leitbild steht in Frage

Der Geschäftsführer des Franziskushauses Au am Inn, Alois Haslberger, ist erschüttert über die immer wieder kehrenden Vorwürfe und ermahnt zum klaren Denken. In einer Stellungnahme geht er an die Öffentlichkeit, erklärt die Einrichtung und das Leitbild:

„Unser Heilpädagogisches Kinderheim Haus Maria hat einen Intensiv-Pädagogischen Bereich, in dem drei geschlossene Wohngruppen betrieben werden. In diesen Wohngruppen werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreut, die zusätzlich zu der geistigen und/oder mehrfachen Behinderung eine tief greifende Entwicklungs-, Verhaltens-, und Emotionale Störung aufweisen.

Mit unserem Intensiv-Pädagogischen-Betreuungsangebot bieten wir eine spezifische Wohnform für Kinder und Jugendliche an, die auf Grund von geistiger Behinderung und schwerer psychiatrischer Erkrankung nicht länger in ihren bisherigen Familien und Bezugssystemen bzw. in stationären Wohnheimgruppen leben können“.

Seit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses komme es zu Anzeigen seitens Franz K., heißt es vom Geschäftsführer. Den Vorwurf der Freiheitsberaubung weist Alois Haslberger klar zurück.

„Die Kinder und Jugendlichen haben zur primär geistigen Behinderung beispielsweise Störungsbilder wie autistische Symptome, erhebliche emotional-affektive und soziale Fehlentwicklungen, fremdaggressives Verhalten, schizophrene Symptome, ... autoaggressives Verhalten, zwanghafte, stereotype Verhaltensformen und dergleichen. Alle Kinder in den Intensiv-Pädagagogischen-Wohngruppen finden nach § 1631b BGB Aufnahme. Sie ist immer verbunden mit einer Genehmigung des Familiengerichtes. Eine geschlossene Unterbringung stützt sich immer auf ein medizinisches–psychiatrisches Gutachten einer Fachklinik.

Bei jeder Aufnahme eines Kindes haben wir den richterlichen Beschuss dem Kostenträger vorzulegen. Dessen Fachdienst überprüft nochmals, ob unsere Einrichtung die geeigneten Rahmenbedingungen und das richtige Leistungsangebote hat. Die Kostenübernahmezusage ist davon abhängig“, so Haslberger in seiner Stellungnahme.

"Wir weisen die von Herrn K. erhobenen Vorwürfe als bereits erwiesen unwahr zurück. Nachdem alle Vorwürfe von der Justiz und der Heimaufsicht inzwischen bereits mehrmals eingehend und detailliert geprüft worden sind, gehen wir von einer bewussten Diffamierung aus. Es macht uns deshalb schon betroffen, dass Herr K. auch nach drei Jahren immer wieder ein Forum für seine Anschuldigungen findet", so Haslberger abschließend in seiner Stellungnahme.

Der Alltag mit Vorwürfen

Schwester Roswitha, die die Geschicke des Heimalltags leitet und sich sehr positiv zum Leitbild und dem Tun ihrer Mitarbeiter äußert, erklärt, dass man sich stets gegenüber des Bezirks und weiterer Stellen rechtfertigen müsse und geregelte Abläufe klar ersichtlich wären. „Wir kümmern uns sehr gut um die Kinder und finden es traurig, dass dies jetzt scheinbar in Frage gestellt wird“, so Schwester Roswitha gegenüber wasserburg24.de.

Strahllechner: „Das ist ein seriöses Haus!“

Norbert Strahllechner ist entsetzt über die Diffamierung des Kinderheims Maria in Au am Inn. Er hat sich nun sogar hilfesuchend an Dr. Marcel Huber gewandt.

Der Garser Bürgermeister, Norbert Strahllechner, zeigt sich wütend und traurig zugleich, dass von Franz K., der ebenfalls im Gemeindegebiet wohnt, derartige Vorwürfe kommen. „Das Leitbild des Kinderheims ist den Bedürfnissen der Kinder angepasst und sehr menschlich. Ich finde es schlimm, dass ein ehemaliger Mitarbeiter hier unangebrachte Äußerungen trifft und so den Ruf des Hauses der Franziskanerinnen schädigt“, so Strahllechner.

Der besagte Bürger sei leider bereits mehrfach aufgefallen, weil er gerne vor Gericht ziehe, heißt es aus dem Rathaus. Auch die Gemeinde Gars sei bereits von Franz K. vors Verwaltungsgericht gezogen worden. „Damals ging es um Streitigkeiten wegen einer Gemeindestraße“, erklärt das Gemeindeoberhaupt.

Dass Franz K. erneut das Franziskushaus derart ins schlechte Licht rücke, sei nicht nachvollziehbar. Strahllechner schätze die Einrichtung in Au am Inn sehr und habe nun sogar Staatsminister Dr. Marcel Huber darum gebeten, sich dafür einzusetzen, dies politisch geradezurücken.

Staatsanwaltschaft ermittelte mehrfach

Laut Franz K. habe die Staatsanwaltschaft bereits mehrfach nach seinen Anzeigen ermittelt, die Ermittlungen aber immer wieder eingestellt. Aktuell laufen laut K. aber noch einige wenige Ermittlungen weiter. (Anmerkung der Redaktion: Die Staatsanwaltschaft Traunstein war diesbezüglich am Freitagnachmittag leider nicht mehr zu erreichen. Wir werden uns aber um eine Stellungnahme bemühen und diese nachreichen)

„Ich habe auch schon vor einiger Zeit eine Petition bei der Staatsregierung eingereicht, die sich gegen die Einstellungen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gerichtet hat“, erklärt Franz K. weiter. Es könne seiner Meinung nach nicht sein, dass diese Ermittlungen „einfach so“ eingestellt würden. Möglicherweise möchte er sich nun auch an die Opposition wenden und sein Anliegen dort näher bringen.

Quelle: innsalzach24.de

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