Mammutprojekt Barrierefreiheit

Diese Barrieren gibt es im Landkreis

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Bis allen Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen uneingeschränkte Teilhabe ermöglicht wird, müssen noch viele Barrieren beseitigt werden.
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Altötting - Barrierefrei bis 2023? Der Freistaat hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Der Altöttinger Behindertenbeauftragte Sascha Pawolleck sieht noch viele Baustellen.

Der Freistaat Bayern möchte auf dem Gebiet der Barrierefreiheit eine Vorreiterrolle einnehmen. Bis 2023 soll der Bayern barrierefrei sein, den Anfang sollen Züge und Bahnhöfe, Schulen und Kitas machen. "Der Ansatz ist gut", lobt der Altöttinger Behindertenbeauftragte Sascha Pawolleck. Er mahnt aber auch, dass es sich bei der Barrierefreiheit um eine Großbaustelle handle, bei der die Kommunen ausreichend unterstützt werden müssen. "Da muss eine gescheite Förderung her. Straßen, Wege, Plätze müssen die Kommunen bezahlen. Wo sollen die das Geld hernehmen?", fragt Pawolleck. Barrierefreiheit gehe nicht von heute auf morgen, müsse vielmehr ein Prozess sein. "Dass es bis 2023 nicht zu schaffen ist, darüber brauchen wir nicht zu reden", so der Behindertenbeauftragte.

Die Bahnhofsstraße ist schon barrierefrei

Pawolleck weiß, wovon er spricht. Er kennt die entsprechenden DIN-Normen aus den Effeff, gibt Workshops für Architekten und Baubehörden, tauscht sich mit den behinderten Menschen im Landkreis aus - und profitiert letztlich auch selbst den Maßnahmen hin zu mehr Barrierefreiheit. Pawolleck ist blind und lobt ausdrücklich, was sich im Landkreis schon getan hat. "Die Bahnhofsstraße in Altötting ist im Zuge der aktiven Innenstadt umgestaltet worden", erzählt der Altöttinger. Seitdem gibt es dort ein Leitsystem für Blinde und eine Nullabsenkung, wichtig für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl.

"Auch im Kultur- und Kongressforum haben wir schon sehr viel umgesetzt", lobt Pawolleck. Hinzu kommt das jüngst errichtete Dienstleistungs- und Facharztzentrum (DiFaz), wo eine Norm sogar schon umgesetzt wurde, die erst frisch draußen, aber noch nicht in Kraft getreten war. Weitere Projekte, die gerade umgesetzt oder künftig in Angriff genommen werden, sind der Eingangsbereich des Kreishallenbades, der Burgweg in Burghausen und das Burghauser Stadtmuseum.

"Bei manchen Schulen schaut es schlecht aus"

Nichtsdestotrotz gebe es immer noch genug Baustellen, betont der Behindertenbeauftragte. "Bei machen Schulen schaut es schlecht aus. Das sind alte, schöne Gebäude. Da hat es sich nicht ergeben, dass was gemacht wird." Schulen und Kitas stehen neben dem öffentlichen Personennahverkehr, Zügen und Bahnhöfen, für Pawolleck - genau wie für die Staatsregierung - ganz oben auf der Prioritätenliste. "Die nächsten Hürden sind Straßen, Wege, Plätze", so der Altöttinger. Damit Bayern tatsächlich vollständig barrierefrei wird, muss aber noch mehr geschehen. "Wir reden hierbei auch über Kinos, über Einkaufsmöglichkeiten. Das sind auch öffentliche Gebäude", erklärt der Behindertenbeauftragte.

Vorbildlich ist für den Altöttinger die Schweiz. Zürich sei mit dem Versuch gescheitert, sich unter Berufung auf die Selbstverwaltung juristisch gegen die Barrierefreiheit zu wehren. "Das Schweizer Verwaltungsgericht hat gesagt: Ihr müsst das machen, wie es in den Normen drin steht. Die Selbstverwaltung betrifft die Barrierefreiheit überhaupt nicht", erläutert Pawolleck.

"Der Bestand ist das Problem"

Der Altöttinger hofft, dass bei gerade Neubauten konsequent an die Barrierefreiheit gedacht wird. Dann würde es auch weit weniger Geld kosten. Berücksichtige man bei Neubauten von Anfang an die Barrierefreiheit, mache sie nur zwei Prozent der Baukosten aus: "Der Bestand ist das Problem. Das kostet wirklich Geld." Auch deshalb wendet sich der Altöttinger mit seine Workshops gezielt an Architekten. Sechzig Teilnehmer waren alleine in Pawollecks letzter Veranstaltung. Wichtig seien aber auch Anreize, ein kleiner Zuschuss etwa - sowie schlicht mehr Aufmerksamkeit für das Thema Barrierefreiheit. "Wir müssen das Bewusstsein der Leute schärfen für solche Sachen", sagt Pawolleck.

Bis Bayern tatsächlich barrierefrei ist, braucht es also viel Geduld. Auch der Freistaat muss jetzt Durchhaltevermögen beweisen, und der ehrgeizigen Zielsetzung finanzielle Taten folgen lassen. "Da haben wir noch viel, viel Arbeit vor uns. Das kostet auch viel Geld", so Pawolleck. "Wer A sagt, muss auch B sagen. Und B ist gleich Geld."

Quelle: innsalzach24.de

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