Historischer Fund in Bayerisch Gmain

Fossilien aus der Kreidezeit in Bayerisch Gmain entdeckt

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Seltener Fossilienfund unter dem Hotel Klosterhof

Bayerisch Gmain - Bei Aushubarbeiten sind zwei Hobby-Paleontologen auf historische Funde gestossen: Der neue Klosterhof steht auf 90 Millionen Jahren alten Fossilien

Es ist noch gar nicht lange her, als der neue Klosterhof in Bayerisch mit einem großen Fest gefeiert wurde. Viele Leute haben sich das Hotel bisher neugierig angeschaut, viele wissen aber nicht, was für seltene Funde und einzigartige Fossilien bei Aushubarbeiten entdeckt worden sind. Genauer gesagt, bei den Aushubarbeiten für Garage und Keller. 

Einzigartige Fossilien aus der Kreidezeit

Wie ist es dazu gekommen? Zwei Hobby-Palaentologen passierten die Baustelle für das Hotel Klosterhof am Ortsrand von Bayerisch Gmain. Dort waren gerade Aushubarbeiten für die Garage und den Keller in Gang

Das Steinsammler-Duo hatte jedoch mehr Augen für das was ausgehoben wurde und dabei fiel ihnen ein großer roter Stein ins Auge, der sich deutlich von allen anderen grauen Steinen abhob. Kurzerhand fragten sie den anwesenden Bauherren, Dr. Andreas Färber, ob sie diesen einen Stein begutachten dürften.

Versteinerte Trumschnecken

Der große rote Stein wechselte in die Werkstatt von Hans Meisl. Nach Putzen und Schneiden zeigte der fossilhaltige Stein seine eingeschlossene Geschichte in Form von versteinerten Turmschnecken, die aus der Kreidezeit stammen und 90 Millionen Jahre alt sind

Gestein aus dieser Zeit ist in der Region bisher noch nicht gesichtet worden. Die Echtheit bestätigte der Erdwissenschaftler Dr. Karl Forcher, der als selbstständiger Geologe arbeitet

"Bei dem Gestein handelt es hierbei um Untersberger Kalk, umgangssprachlich auch bekannt als Untersberger Marmor aus der Kreidezeit. Das Alter liegt bei circa 80 bis 90 Millionen Jahren. Das Fossil selber zeigt eine  Trochactea sp. früher Acteonella sp, also eine Turmschnecke", so der Wissenschaftler. Und fügt ergänzend hinzu: "Die Bezeichnung "Marmor" kommt hier aus dem Steinmetzgewerbe, weil das Gestein gut schleif- und polierbar ist."

So ist es zu der Fossilienbildung gekommen

Aber wie ist es zu der Fossilienbildung gekommen? Auch hierauf hat der Geologe eine Antwort: "Der Untersberg besteht generell aus Kalkgestein (Kalke und Dolomite) aus der Triaszeit am Beginn des Erdmittelalters (rund 220 Mio. Jahre alt). An der Nordflanke des Untersberges befindet sich ein Bereich mit Ablagerungen aus dem sogenannten Gosau-Meer (benannt nach Gosau in Oberösterreich) vom Ende des Erdmittelalters, der Kreidezeit vor ca 80 - 90 Mio Jahren. 

Hier bildeten die Gesteine des heutigen Untersberges die Küsten- und Brandungszone dieses Ozeanes. Das stark bewegte Wasser war der Lebensraum der dickschaligen, robusten Muscheln Trochactea (=Acteonella), die nach ihrem Absterben in kleinen Sammelbecken zusammengeschwemmt wurden. Nach dem verfaulen der Weichteile wurden die Hohlräume mit rotem Kalkschlamm gefüllt, also dem gleichen Material, der das Muttergestein bildete

Die Rotfärbung kommt durch an der Luft - an Land - oxidiertes Eisen ("verrostete Eisenmineralien"), das durch Flüsse in das Meer eingebracht wurde. Anschließend verfestigte sich der Kalkschlamm zu Kalkgestein und wurde durch die weitere Heraushebung der Alpen an den aktuellen Ort gebracht. Zuletzt dürfte der Stein nach dem Abschmelzen des Gletschers der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren vom Abhang des Untersberges zum Fundort herunter gerollt sein", erläutert Forcher.

Ein Teil des Steines – als Platte geschnitten und geschliffen – wird im Hotel einen Ehrenplatz erhalten.

Quelle: BGland24.de

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