Nachwuchs im Einsatz

Bayerns Feuerwehren werben schon um Kindergartenkinder

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Mitglieder einer Kinderfeuerwehr.

Bad Steben - Einsatz für die Jüngsten: Weil immer mehr freiwillige Feuerwehren in Bayern Nachwuchsmangel fürchten, gründen sie Kinderfeuerwehren, um schon Kindergartenkinder für sich zu begeistern.

Wenn die jüngsten Mitglieder der Feuerwehr Bad Steben anrücken, dann brennt es nicht und es hat auch keinen schweren Unfall gegeben. Die jungen Feuerwehrler basteln, spielen, toben gemeinsam - und dürfen manchmal auch eine Runde im großen Feuerwehrauto mitfahren. Vor wenigen Monaten hat die freiwillige Feuerwehr in dem Kurort im Frankenwald eigens eine Kinderfeuerwehr gegründet. Das jüngste Mitglied ist gerade einmal drei Jahre alt.

Samstagnachmittag, Treffen der Kinderfeuerwehr: Eleanor (7) und ihre gleichaltrige Freundin Ronja basteln ein großes Sparschwein. Rot wie die Farbe der Feuerwehr wird es angemalt. „Alles hier macht Spaß“, erzählen sie begeistert. Eleanor hat schon große Ziele bei der Feuerwehr - eines Tages will sie die erste weibliche Kommandantin in Bad Steben werden.

Immer mehr Feuerwehren in Bayern öffnen eigene Kinderabteilungen, wie Melanie Walter, die Kinderfeuerwehr-Beauftragte des Landesfeuerwehrverbandes, sagt. Der Grund ist simpel: Nachwuchssuche. Zur Feuerwehr selbst dürfen offiziell nämlich erst Zwölfjährige als Anwärter. „Und das ist oft zu spät“, sagt Walter. Die Kinder und Jugendlichen seien dann meist längst in anderen Organisationen wie etwa dem Sportverein aktiv und hätten keine Zeit mehr für die Feuerwehr. Mit der Kinderfeuerwehr dagegen könne man den Nachwuchs schon früh an sich binden. Der demografische Wandel zwinge die Wehren dazu, sich frühzeitig um junge Leute zu kümmern. „Wir wollen schließlich, dass auch die kleinen Dorfwehren Bestand haben.“

Der Landesfeuerwehrverband hat derzeit keine genauen Zahlen dazu, wie viele Kinderfeuerwehren es aktuell gibt, eine Erhebung ist erst für das Frühjahr geplant. Walter aber sagt: „Seit etwa 2013 gibt es einen regelrechten Boom.“

22 Kinder treffen sich in Bad Steben regelmäßig bei der Kinderfeuerwehr. Auch hier war die Suche nach Nachwuchs der Grund für die Gründung der Kinderabteilung. Die Zwölfjährigen seien meist schon bei anderen Vereinen engagiert, deshalb müsse man früher ansetzen, sagt Vereinschef Horst Schilling. Bis zu 1500 Euro kostet die Betreuung der Kinder im Jahr, da beispielsweise auch Ausflüge oder kleine Feste organisiert werden. Finanziert werde das über Spenden, sagt Schilling: „Wir sehen das als Investition in den Nachwuchs.“

Während die jüngeren Kinder an ihren Sparschweinen basteln, dürfen die Älteren ein Rauchhaus bauen - das sieht zwar aus wie ein Puppenhaus aus Laubholzplatten, dient aber dazu, zu simulieren, wie rasch sich Rauch in einem Haus verbreitet. Denn ein wichtiges Thema bei der Kinderfeuerwehr ist die Brandschutzerziehung - die Kleinen sollen lernen, wie gefährlich das Hantieren mit Feuer ist und welche Folgen das haben kann. Vor Weihnachten haben die Bad Stebener Nachwuchsfeuerwehrleute zum Beispiel geübt, wie man sicher mit Kerzen umgeht.

Und auch wenn es bei der Kinderfeuerwehr meist spielerisch und locker zugeht - was Dienst in einer Hilfsorganisation bedeutet, soll zumindest angedeutet werden: So gibt es einen Mitgliedsausweis, den die Kinder bei jedem Treffen vorzeigen, und einen Dienstplan für die Aktivitäten des laufenden Jahres. „Die Kinder sollen schon merken, dass es nicht nur Halligalli ist, sondern auch ein gewisser Ernst. Aber natürlich steht Spiel und Spaß im Vordergrund“, sagt Betreuerin Daniela Diezel.

Zwischen drei und elf Jahre alt sind die Mitglieder der Bad Stebener Kinderfeuerwehr - für Diezel eine gute Möglichkeit, um auch den Teamgeist in der Gruppe zu stärken: „Es geht um Kameradschaft - die Größeren helfen den Kleineren.“ Auch die Kinderfeuerwehr-Expertin Melanie Walter findet es wichtig, dass schon bei den Kleinsten für das Ehrenamt geworben wird. „Wir wollen die Kinder dafür begeistern, auch einmal etwas unentgeltlich zu machen, sich zu engagieren. Und wir hoffen, dass sie das dann in der Pubertät und danach so beibehalten.“

Der acht Jahre alte Luca ist in Bad Steben inzwischen fast fertig mit den Arbeiten am Rauchhaus. Eifrig hat er gesägt, gehämmert und geklebt. „Feuerwehr ist cool“, sagt er. Auf jeden Fall will er in ein paar Jahren zur „richtigen“ Feuerwehr wechseln. Und was macht ihm am meisten Spaß bei der Kinderfeuerwehr? Lucas Augen strahlen: „Wenn wir im großen Feuerwehrauto fahren dürfen.“ Das, sagt Betreuerin Daniela Diezel, wird aber bewusst nur selten ermöglicht: „Das soll etwas Besonderes für die Kinder bleiben.“

dpa

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