"Wenn nur ein Leser nach diesem Artikel einen Organspendeausweis ausfüllt, ist es ein guter Tag"

Nach Operation: "Jetzt lebe ich ein neues Leben!"

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Wenn nur ein Leser nach diesem Artikel einen Organspendeausweis ausfüllt, ist es ein guter Tag": Benjamin Bachmeier mit seiner täglichen Tablettenration

Mühldorf - Über sechs Jahre lang war Benjamin Bachmeier auf die Dialyse angewiesen, dann kam der erlösende Anruf. Den Tag, an dem er seine neue Niere bekam, feiert er wie einen zweiten Geburtstag.

"Dass ich krank bin, wusste ich immer. Vielleicht fällt es mir auch deshalb so leicht darüber zu sprechen." Vielleicht aber auch, weil Benjamin Bachmeier immer versucht hat, das Positive zu sehen; selbst an den dunklen Tagen, an denen der Körper einfach nicht so wollte wie er. Und das war in den letzten sechs Jahren oft der Fall.

Die Diagnose stand lange vorher fest: Alport-Syndrom, ein Gendefekt. "Laienhaft ausgedrückt alterte meine Niere viel schneller als der Rest des Körpers", sagt Bachmeier. Die Folgen der Erbkrankheit wurden ihm zum ersten Mal so richtig bewusst, als er zwölf Jahre alt war. "Damals begann meine Schwester mit der Dialyse." Wie sie lebt inzwischen auch Benjamins älterer Bruder mit einer neuen Niere. "Ich bin also der letzte im Bunde."

Im Oktober 2007 machte sich das Alport-Syndrom auch bei ihm bemerkbar: "Ich wurde immer schlapper, alles fühlte sich so kraftlos an." Mit der Dialyse begann das Warten. Das Angebot seiner Mutter auf eine Nierenspende schlug er aus: "Damit wäre ich einfach nicht klar gekommen. Ich könnte das nicht annehmen, egal von wem."

Also ruhte die Hoffnung auf der Transplant-Liste. Rund sieben Jahre müssen Patienten im Durchschnitt auf eine neue Niere warten, "seit dem Organspende-Skandal sind es sogar zehn Jahre", sagt Benjamin Bachmeier. Eine Ewigkeit, wenn man alle zwei bis drei Tage vier Stunden zur Dialyse muss. "Sie bestimmt dein ganzes Leben, deine Launen, deinen Rhythmus. Jeden Ausflug planst du mit Blick auf den Kalender und das nächste Dialysezentrum. Von den Nebenwirkungen ganz zu schweigen." Drei Jahre lang arbeitete der Industriekaufmann noch in seinem Beruf, dann ging es nicht mehr. "Traurig, wenn man mit 26 Frührente beantragen muss. Aber ich konnte nicht mehr."

Und dann kam der Anruf, völlig unerwartet. "Ich habe mich nie bei 'Eurotransplant' nach meinen Chancen erkundigt, wollte mir vor allem die Enttäuschung ersparen, wenn es wieder einmal nicht klappt." Doch als am 24. Juni um 0.30 Uhr das Telefon klingelte, ging der Puls automatisch hoch. "Ich saß vor dem Fernseher, Fußball-WM schauen." Die Nachricht am Telefon war eindeutig: "Klinikum Großhadern, guten Abend Herr Bachmeier. Wir hätten eine Niere für Sie."

Am nächsten Morgen ging es nach München. "Ich hatte immer im Hinterkopf, dass es noch so viele Hürden zu überwinden gibt." Doch die medizinischen Tests und Labor-Untersuchungen verliefen gut. Und als dann um kurz nach 19.30 Uhr die Krankenschwester mit einem Lächeln das Zimmer betrat, brauchte es keine Worte mehr. "Da wusste ich, dass es so weit ist."

Drei Stunden dauerte die Operation, zehn Tage später verließ Benjamin Bachmeier die Klinik. Mit neuer Niere und neuer Kraft. "Es dauert, bis man es wirklich begreift. Nur daran, dass man nicht mehr zur Dialyse muss, gewöhnt man sich überraschend schnell."

Nach drei Wochen Reha erholt sich der Mühldorfer gut; die 21 Tabletten, die täglich noch auf seinem Tisch liegen, schluckt er gerne. "Es werden bald weniger." Außerdem will er in naher Zukunft wieder geregelt arbeiten - "Hey, ich bin erst 29" - und sich so manchen Wunsch erfüllen: "Einfach mal Urlaub machen, eine Woche lang die Seele baumeln lassen, ohne Gedanken an die letzte oder nächste Dialyse."

Von wem die Niere kommt, weiß Benjamin Bachmeier nicht. Nur eines weiß er: "Dass ich unendlich dankbar bin, dass jemand für mich vor seinem Tod die richtige Entscheidung getroffen und seinen Organspende-Ausweis ausgefüllt hat. Mir hat dieser Mensch ein neues Leben geschenkt."

ha/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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