Aufkleberaktion in den Discountern

Nach Aufkleberaktion: Exklusivinterview mit dem 'Bauernstand'

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Aktion "Der Bauernstand"

Berchtesgadener Land - Seit Wochen tauchen im Landkreis Berchtesgadener Land Aufkleber auf, die den Verbraucher aufrütteln sollen, regionale Produkte zu erwerben. Wir haben mit 'Der Bauernstand', dem Initiator der Aktion, gesprochen:

Alles begann mit der Mail einer Leserin, die uns die ersten Bilder zu den Milchaufklebern geschickt hat sowie folgende Nachricht:

Milchpreisaktion: So fing alles an

"Heute Früh waren wir im Aldi einkaufen. Ich habe heute Namenstag und ich wollte mir was schönes Backen. Hierfür habe ich auch Milch und Jogurt benötigt. Auf beiden Artikeln fand ich einen Aufkleber, der so aussah als würde er fest zum Produkt gehören. Daher habe ich mir auch nichts dabei gedacht. Erst beim Einpacken in die Tüte las ich den Inhalt.

Der Verfasser ruft auf, keine billig Milch mehr zu kaufen. Zuerst war ich richtig sauer! Mit ein wenig Abstand dagegen muss ich jetzt zugeben: Der Verfasser hat Recht. Wir leben im schönsten Bundesland der Welt und machen unsere Bauern kaputt, nur weil wir billige Milch haben wollen? Die Milch bringe ich wieder zurück.

Trotzdem wollten wir halt wissen, ob Sie vielleicht Informationen über diese sehr interessante Aktion haben? Danke, lieb von Euch, Steffi."

Unser Gespräch mit dem Bauernstand

Weitere Leserbriefe folgten und ein erster Artikel auf BGLand24.de stieß auf ein enormes Feedback aus unserer Leserschaft, die ebenfalls Aufkleber entdeckt hat. Nach und nach meldeten sich auch die Disountermärkte zu Wort, bei denen die Aufkleber aufgetaucht sind.

Nach längerer Recherche ist es uns nun gelungen, mit einem Sprecher der Gruppierung 'Der Bauernstand' ein erstes exklusives Interview zu führen.

Warum nennt Ihr Euch 'der Bauernstand'?

Bauernstand: Wir nennen uns nicht 'Der Bauernstand'. Es geht uns auch nicht darum, uns irgendeinen Namen zu geben oder uns hinter Schlagwörtern zu verstecken. Die Aktion soll den Bauernstand allgemein, hauptsächlich aber regional stärken.Darum war die Kontaktadresse mit dem Namen 'Bauernstand' passend.

Weshalb diese Geheimniskrämerei ohne Namen, Foto etc.? Warum wollt Ihr unerkannt bleiben?

Bauernstand: Uns geht es nicht darum, uns in der Öffentlichkeit darzustellen, weder mit Namen, noch mit Gesicht. Was nicht heißt, dass wir nicht alle hinter unserer Aktion stehen. Geheimnisse fördern bekanntlich das Interesse. 

In manchen Medien ist der Begriff 'Bauernstand' mit der rechten Szene assoziert. Bestehen Verbindungen zu dieser Szene?

Bauernstand: Den Bauernstand gibt es schon seit Tausenden von Jahren. Die Bezeichnung selbst ist auch schon Jahrhunderte alt. Inwiefern dieser Begriff irgendwas mit einer 'Szene' zu tun haben soll, ist uns schleierhaft. Falls Sie an dieser Stelle irgendwelche Distanzierungen oder Entschuldigen lesen wollen, dann muss ich Sie leider enttäuschen.

Was genau ist nun Euer Anliegen? Was wollt Ihr bezwecken, und habt Ihr konkrete Vorschläge, um die Lage zu verbessern?

Bauernstand: Unser Hauptanliegen ist es, den Bürger auf die Problematik aufmerksam zu machen. Jeder sollte sein Konsumverhalten hinterfragen. Sehr viele Leute im Berchtesgadener Land sind hier geboren, aufgewachsen und groß geworden. Fast jeder hat früher auf einem Bauernhof gespielt, ist auf den Feldern herumgetollt, hat gezeltet oder nur eine Kanne Milch geholt. Wir haben hier das Glück, dass die Molkerei Piding sehr hohe Milchpreise zahlt, was den meisten Bauern noch ein gewisses Maß an Sicherheit gibt. Der Druck wird aber auch auf die Molkerei Piding immer größer und dauerhafte Überbezahlung der Milch kann sich ein Unternehmen nicht auf Dauer leisten. Wir wollen deshalb früh genug damit anfangen darauf hinzuweisen. Nur durch das Konsumverhalten der Bürger kann sich die Lage beruhigen. Billigmilch überschwemmt den Markt und zerstört somit den Bauernstand, so wie wir ihn kennen. Darauf wollen wir mit der Aktion aufmerksam machen. Unser Ziel ist es, dass möglichst viel 'Billigmilch' und 'Billigmilchprodukte' im Regal stehen bleiben und die regionalen Produkte gekauft werden. 

Welche Partei kann dieses Problem Eurer Ansicht nach am Besten lösen?

Bauernstand: Keine Partei kann das Problem lösen, sondern jeder einzelne Konsument für sich selbst! Wenn ich einer Partei meine Stimme gebe, dann gebe ich 'meine Stimme' ab. Man muss aber seine Stimme behalten und sie täglich aufs Neue erheben. In diesem Falle für den Kauf von regionalen Milchprodukten. Wir wollen auch bewusst nicht politisch agieren oder uns politisch irgendwo hindrängen lassen.

Was sind Eure nächsten konkreten Schritte, um dieses Problem zu lösen?

Bauernstand: Das Konsumverhalten der Bürger muss sich ändern! Glücklicherweise legen schon sehr viele Bürger Wert auf regionale Produkte und für viele ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Produkte der heimischen Molkerei gekauft werden. Das ist aber noch nicht genug, es müssen soviel Leute verinnerlichen, dass die Billigmilchprodukte in den Regalen der Supermärkte schlecht werden, weil sie niemand kauft. 

Außerdem sind wir noch im Gespräch mit dem Landwirtschaftsministerium und diversen Parteien, Verbänden vor Ort. Dieses Feedback veröffentlichen wir in den kommenden Tagen.

Quelle: BGland24.de

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