Mühleninhaber spricht von "unfassbarer Unterstützung"

Simbacher wollen Shuttle-Bus für Bergener Flüchtlinge

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Ein Mitarbeiter der Antersdorfer Mühle in Simbach bedankt sich bei den senegalesischen Flüchtlingen aus Bergen für ihre Hilfe.

Bergen/Simbach - Zwischen Protest und Hilfe im Katastrophengebiet: Simbacher Unternehmer bitten nun schon ihren Bürgermeister, einen Bus für die Bergener Flüchtlinge einzurichten.

Die protestierenden Asylbewerber aus Bergen haben ein kräftezehrendes Wochenende im überfluteten Simbach hinter sich: Sie befreiten seit Freitag den Keller der alteingesessenen Bäckerei Braumiller und die Antersdorfer Mühle vom Schlamm. Die Zusammenarbeit der Senegalesen mit den Simbachern klappte so gut, dass diese sie gar nicht mehr gehen lassen wollen

Thomas Schulz, Vertriebsleiter der Antersdorfer Mühle, bat in einem persönlichen Brief an Simbachs Bürgermeister Klaus Schmid, um einen Shuttle-Bus für die Asylbewerber (vollständiger Wortlaut siehe unten): "Der Firmeninhaber selbst und seine Mitarbeiter sind unsäglich dankbar für diese immense Unterstützung, diese Jungs haben uns einen riesigen Schritt weiter gebracht. Diese jungen und vor allem kräftigen Männer würden gerne auch in den kommenden Tagen weiter ihre Arbeitskraft für die Hochwasser-Opfer einsetzen. Um ihnen dies zu erleichtern bzw. zu ermöglichen wäre es toll, wenn die Stadt Simbach eventuell eine Shuttle-Bus-Möglichkeit von und nach Bergen einrichten könnte."

Fotos: Einsatz der Bergener Flüchtlinge im Katastrophengebiet Simbach

Am Wochenende legten die Bergener Flüchtlinge die über 160 Kilometer nach Simbach und zurück mit Hilfe von anderen Bergenern und ihren Privatfahrzeugen zurück. Der Vertriebsleiter der Antersdorfer Mühle in Simbach spricht von einer "umso erstaunlicheren und eigentlich unfassbaren Unterstützung", weil die Asylbewerber "selbst aktuell um ihre Bleibe in Bergen bangen müssen." 

Wie geht es weiter?

Sowohl die Hilfe in Simbach, als auch der Protest am Bergener Dorfplatz werden fortgesetzt: Jeweils etwa die Hälfte bleibt im Chiemgau bzw. fährt wieder in die hochwassergeschädigte Stadt am Inn. Wie bereits berichtet, wurden den protestierenden Asylbewerbern bereits Bezüge zusammengestrichen. Nun kam unter ihnen die Frage auf, ob man nicht mit diesem Geld einenShuttle-Bus nach Simbach organisieren könnte. Mit diesem Vorschlag wandte man sich inzwischen ans Traunsteiner Landratsamt.

Außerdem möchten sich die Flüchtlinge bei allen Bürgern von Bergen für eventuelle Unannehmlichkeiten der letzten Tage entschuldigen, insbesondere bei Bürgermeister Schneider, der den Asylbewerbern am Dorfplatz am Freitagabend wieder einen Besuch abstattete. 

Im eigentlich Anliegen der Flüchtlinge scheinen die Fronten verhärtet: "In das Objekt bei Petting, abgeschieden im Wald, werden sie ohnehin nicht gehen", heißt es von Seiten des Bergener Helferkreises. Sie fühlen sich in Bergen gut integriert, leben seit knapp drei Jahren in der Ortsmitte. Weil die Staatsregierung die Pachtverträge mit dem alten Gasthof Hochfelln aber nicht verlängerte und eine andere Unterkunft in Kühnhausen nun bereit steht, sollen sie umziehen. Doch das dortige Haus ist etwas abgeschieden, drei Kilometer von Petting entfernt. Man befürchtet "soziale Isolation".

Der Brief vom Vertriebsleiter der Antersdorfer Mühle an Simbachs Bürgermeister Schmid

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Klaus Schmid, 

wie bereits gestern in den Medien berichtet wurde, hat eine Gruppe junger Männer aus dem Senegal, die in Bergen am Chiemsee in einer Asyl-Unterkunft wohnen, entschieden, mit Freunden aus der Gemeinde Bergen nach Simbach zu fahren, um dort den in Not geratenen Menschen zu helfen. Als leitender Angestellter der Antersdorfer Mühle hatte ich von der Inhaber-Familie Priemeier den Auftrag, die Hilfe für die Aufräumarbeiten mit zu organisieren und aufgrund dessen im örtlichen Bauhof um Hilfe gebeten. 

Zwölf der jungen Senegalesen und deren Kumpel erklärten sich sofort bereit, uns zu unterstützen und wichtige Teile der Antersdorfer Mühle von Schlamm und Geröll zu befreien. Die Familie um Herrn Johann Priemeier, der Firmeninhaber selbst und seine Mitarbeiter sind unsäglich dankbar für diese immense Unterstützung, diese Jungs haben uns einen riesigen Schritt weiter gebracht. 

Die Unterstützung durch diese Gruppe junger Männer ist für uns umso erstaunlicher und eigentlich unfassbar, da diese selbst aktuell um ihre Bleibe in Bergen bangen müssen und aktuell umgesiedelt werden sollen. Dennoch oder gerade wegen der großen Not in Simbach haben Sie sich aber entschlossen, Ihren stillen Protest gegen ihre Umsiedlung zu unterbrechen und nach Simbach zu kommen. Nach der am gestrigen Freitag erledigten Arbeit fuhren die Asylbewerber erschöpft und voller Emotionen mit Ihren Freunden wieder in ihre über 80 km entfernte Heimat zurück, um sich bereits am Samstagmorgen wieder auf den Weg nach Simbach zu machen, da sie weiteren großen Handlungsbedarf sahen.

Diese jungen und vor allem kräftigen Männer würden gerne auch in den kommenden Tagen weiter ihre Arbeitskraft für die Hochwasser-Opfer einsetzen. Um ihnen dies zu erleichtern bzw. zu ermöglichen wäre es toll, wenn die Stadt Simbach eventuell eine Shuttle-Bus Möglichkeit von und nach Bergen einrichten könnte. Eventuell können Sie als Bürgermeister hier unterstützend eingreifen. 

Vielen Dank vorab im Namen der Antersdorfer Mühle und Ihres Inhabers Johann Priemeier.

Fotos aus dem Archiv

Fotos aus Bergen: Flüchtlinge verweigern Umzug nach Petting

Fotos: Flüchtlingsheim Kühnhausen von außen und innen

xe

Quelle: chiemgau24.de

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