Beschämende Anschlagsserie

Anschlag auf Asylbewerberheim: Rassistisches Motiv?

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Saim aus Aserbaidschan steht vor der Asylbewerber-Unterkunft, auf die in der Nacht zum Freitag ein Brandanschlag verübt wurde.

Neustadt a. d. Waldnaab - Schon wieder hat es in einer bayerischen Flüchtlingsunterkunft gebrannt. Auch wenn die Brandursache noch nicht feststeht - ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist nicht unwahrscheinlich.

Wieder Feuer in einer bayerischen Asylbewerber-Unterkunft: In der Nacht zum Freitag ist in einem Flüchtlingsheim im oberpfälzischen Neustadt an der Waldnaab ein Brand ausgebrochen. Bislang stehe noch nicht fest, ob es sich um einen Brandanschlag handelt, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Ein fremdenfeindlicher Hintergrund kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.“

Von den 19 Flüchtlingen, darunter auch Kinder, die in der ehemaligen Gaststätte leben, wurde niemand verletzt. Im Erdgeschoss habe ein Teil des Mobiliars geglimmt, berichtete die Polizei. Ein Asylbewerber hatte diesen Angaben zufolge in der Nacht beobachtet, wie zwei Männer aus dem Fenster im Erdgeschoss geflüchtet waren. Eine dritte Person soll vor dem Gebäude gewartet haben. Diese Beobachtung könnte für das Vorliegen eines gezielten Anschlags sprechen. „Fest steht: Wir werden alles unternehmen, um den Brand aufzuklären“, sagte Herrmann.

Der Bürgermeister von Neustadt, Rupert Troppmann (CSU), zeigte sich nach dem Feuer schockiert. „Ich bin erschrocken, auch weil wir seit Jahren Asylbewerber beherbergen. Es hat immer ein gutes Miteinander gegeben.“

Der Brand in Neustadt ist das vierte Feuer in einer bayerischen Asylbewerber-Unterkunft innerhalb von acht Monaten. In allen anderen Fällen fehlt von den Tätern noch jede Spur. Erst vor rund einem Monat hatten Unbekannte im oberbayerischen Reichertshofen Feuer in einem ehemaligen Gasthof gelegt, in den Flüchtlinge einziehen sollten. Bei der Suche nach dem Täter tappt die Polizei noch immer im Dunkeln, wie eine Sprecherin am Freitag sagte.

Nur zwei Tage nach diesem Anschlag stand im fränkischen Waldaschaff der Papiercontainer einer Flüchtlingsunterkunft in Flammen. Auch in diesem Fall ermittelt eine Sonderkommission. Zeugen wollen kurz vor Ausbruch des Feuers einen Mann im Hof des Anwesens gesehen haben.

Im Dezember 2014 wurde im fränkischen Vorra ein Brandanschlag auf zwei geplante Asylunterkünfte verübt. Auch in anderen Teilen Deutschlands gab es in jüngster Zeit immer wieder rechtsradikale Anfeindungen und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte.

„Die Anschlagsserie auf bayerische Flüchtlingsheime ist beschämend und ein Alarmsignal für den inneren Zusammenhalt in Bayern“, sagte der Fraktionsvorsitzende der SPD im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher. „Wir müssen das sehr ernst nehmen. Bayerns Demokraten stehen zusammen und stellen sich Verbrechern entgegen, die eine menschenverachtende Gesinnung haben.“

Die Landesvorsitzende der Grünen in Bayern, Sigi Hagl, mahnte Zurückhaltung in der aktuellen Flüchtlingsdebatte an: „Asylmissbrauchsrhetorik und das Schüren von Sozialneid ist der Nährboden für fremdenfeindliche Übergriffe.“

dpa

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