Das Wildbienenhotel ist eine Erfindung aus Burghausen

"Bee Wild": Für Artenschutz und Ernteerfolg

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Aufeinander gestapelt und in einem Kasten montiert und aufgehängt: Fertig ist das Wildbienenhotel

Burghausen - Es klingt so einfach aber man muss erst mal drauf kommen: Mit "Bee wild" trotzt Imker Christian Müller Einsteins berühmter Aussage, dass der Mensch nach dem Aussterben der Bienen nur noch vier Jahre zu leben habe.

Es war kein gutes Jahr für die Imker, nicht nur in unserer Region. Ein Minus von 20% im Schnitt bei der Honigernte. Auch Imker Christian Müller aus Burghausen hat es schwer getroffen. Im September fasste er beispielhaft für viele Imker das Bienenjahr zusammen:

Es war ganz einfach zu kalt und zu nass. Oft waren vor den Fluglöchern richtige Ansammlungen von Bienen zu sehen, die dort aber vergeblich auf ihren Start warteten“. Sie konnten nicht fliegen, somit gibt’s weniger Honig. Als wäre das nicht schon schlimm genug, geht das Bienensterben weiter.

Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“. Albert Einstein hat das gesagt. Das Bienensterben hat bereits begonnen. Intensivierte Landwirtschaft, riesige Plantagen Monokultur und Pflanzenschutzmittel machen insbesondere dem Ökosystem Honigbienenvolk immer mehr zu schaffen.

Das liegt an den hoch komplexen Zusammenhängen. Einfach gesprochen heißt das:So ein Honigbienenvolk ist groß und damit sehr anfällig für Krankheiten. Dazu kommen Schädlinge wie die Varroamilbe. Während sich die Fachwelt noch streitet, was nun wirklich der Grund ist, sterben die Honigbienenvölker.

„Zumindest bei der Bestäubung kann ich helfen“ (Christian Müller)

Zusammen mit Christine Neumann entwickelte Christan Müller das „Bee Wild“, eine Art Wildbienenhotel. „Wildbienen sind keine entflogenen Honigbienen“, erklärt der Hobbyimker. Dafür seien Wildbienen die besseren Bestäuber. Tatsächlich rechnet die Fachwelt mit einem Verhältnis von bis zu 300:1 im Vergleich zur Honigbiene.

Der große Vorteil der Wildbienen ist auch, dass sie weniger anfällig für Krankheiten sind. Klar: Sie leben allein – der Fachmann sagt solitär – und sind deshalb „stärker“, „halten was aus“ so quasi. Problem: Wie bekommt man möglichst viele dieser „Superbestäuber“ an beispielsweise seine Obstbäume im Garten.

Ein kurzer Ausflug in die Wildbienenbiologie:

Nach der Begattung suchen sich die Wildbienenweibchen geeignete Nistplätze, um dort zwischen 20 und 40 Eier zu legen. Eine Honigbienenkönigin legt dagegen bis zu 2000 pro Tag. Die Wildbiene baut in Hohlräumen eine Art Nestkanal. Die ersten Eier sind die späteren Weibchen. Jedes Ei bekommt das sogenannte Futterbrot, bestehend aus gesammelten Pollen, mit in den Bau. Zwischen einem und dem nächsten Ei zieht die Honigbiene eine Wand aus Lehm ein. Zuletzt kommen die Eier der späteren Männchen bis der gesamte Kanal mit einer finalen Lehmschicht verschlossen wird.

Dieses Prinzip haben Christine Neumann und Christian Müller in ihrem Wildbienenhotel umgesetzt mit dem Ziel, wertvollen Artenschutz zu betreiben und gleichzeitig für höheren Ernteertrag zu sorgen. Sie fräsen Kanäle in Holzplatten, die sie aufeinander stapeln und in einem kleinen Kasten den Wildbienen als Nistplätze anbieten.

Mauerbienen steigen gern im Hotel ab

Einfach gesagt: Ist genug Futter da, warum lange nach Hohlräumen suchen?“, erklärt Christine Neumann. Tatsächlich stellten die Entwickler von „Bee Wild“ fest, dass diese Tiere bei ausreichend Nahrungsangebot gerne die bereit gestellten Nistplätze annehmen, nebeneinander obwohl ja eigentlich alleine lebend. Das ist sehr ähnlich wie in einem Hotel. Da sind auch viele Menschen drin aber hinter jeder Tür versteckt sich eben ein Solitär.

Neumann und Müller arbeiten mit der Roten Mauerbiene und der Gehörnten Mauerbiene. „Ist die Temperatur erreicht, schlüpfen zuerst die Männchen und mit den Weibchen beginnt die Bestäubung eigentlich von ganz alleine“.

Der große Vorteil neben dem Artenschutz:

Mauerbienen steigern den Ernteertrag bei allen gängigen Fruchtbäumen und Sträuchern in unserer Region, von A wie Apfel über J wie Johannisbeere bis S wie Schlehe. Daneben sind sie auch hervorragende Bestäuber bei Heil- und Gewürzkräutern, von Kamille über Salbei bis zur Zitronenmelisse.

Das Wildbienenhotel ist bei entsprechendem Nahrungsangebot für jeden heimischen Garten geeignet. „Im Gegensatz zu Honigbienen, ist die Mauerbiene äußerst friedlich“, erklärt Hobbyimker Christian Müller. „Sie greifen den Menschen nicht an, weil sie keinen Bienenstaat zu verteidigen haben“. Darüber hinaus gehen Wildbienen nicht auf Süßwaren oder versuchen, von der Limonade zu trinken.

Wir wollen etwas zum Artenschutz beitragen“, erklären beide. Daneben sei das Wildbienenhotel hervorragend geeignet für eine spannende Entdeckungsreise in die Biologie der solitär lebenden Hautflügler in unserer Region, gerade auch für Kinder. „Man kann ihnen zusehen“, sagt Christine Neumann begeistert.

Mit „Bee wild“ zum Hotelier werden

Besonders interessant wird es im Herbst bzw. Winter. Dann müssen die Hotelbetreiber die Brut versorgen. Sind die Eier gelegt und das Pollenbrot aufgebraucht verpuppen sich die Jungbienen und warten in einem Kokon auf ihre Flugzeit im nächsten Jahr.

Für Christine Neumann und Christian Müller bedeutet das viel Arbeit. Vorsichtig pulen sie die Kokons aus den Brutkanälen und reinigen sie von Lehm und Parasiten. Schließlich landen die jungen Wildbienen in einer wohlig ausgepolsterten Schachtel im Kühlschrank bis zu ihrem Einsatz im Frühjahr.

Tatsächlich schützt der Kokon die Tiere auch in freier Natur vor winterlichen Temperaturen. „Mit ein wenig Pflege können wir jedem Interessierten den Start in den Job als Wildbienenhotelier erleichtern“, sagt Christian Müller. So kann sich jeder den Kasten mitsamt 40 bis 50 Kokons ab nächstes Frühjahr bei den beiden Entwicklern gegen Gebühr leihen oder kaufen, Hilfe und fachkundige Ratschläge inklusive.

Reich werden wir damit ganz sicher nicht, monetär gesehen“, erklären beide. Tatsächlich sind die Preise von € 50 für ein Jahr als Leihgebühr oder € 75 für den gekauften Kasten und den Startkokons nur Selbstkostenpreis. Der Ernteerfolg ist darin auch noch nicht eingerechnet.

Quelle: innsalzach24.de

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