Aus der Alz und dem Grundwasser

UVA sieht  Infra-Serv-Antrag auf Wasserentnahme kritisch

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UVA-Vorsitzende Gisa Pauli und Stellvertreter Reinhold Schopf setzten sich beim Erörterungstermin in Altötting für den Schutz des Grund- und Trinkwassers ein.

Burgkirchen - Als äußerst problematisch stuft der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung e.V. (UVA) einen Antrag der InfraServ aus Burgkirchen ein, jährlich 55 Millionen Kubikmeter Alz-und Grundwasser auf weitere dreißig Jahre zu entnehmen.

"Damit wird die Ressourcen- und Qualitätssicherung von Grund- und Trinkwasser verletzt", so die UVA-Vorsitzende Gisa Pauli zum Erörterungstermin. Zur Sprache kamen auch der enorme Wasserverbrauch, die PFOA belasteten Brunnen und die mangelnden Anreize zu umweltschonenden Produktionsprozessen. Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen.

Zur Sache: Die Firma InfraServ betreibt am Standort Industriepark Werk Gendorf eine Anlage mit Brauch- und Kühlwasser zur Sicherstellung der Versorgung des Industrieparks und des Müllheizkraftwerkes. Über das Entnahmebauwerk am Nordufer wird Wasser aus der Alz entnommen. Ferner wird Grundwasser aus fünfzehn, sich im Uferbereich der Alz befindlichen Brunnen zu Tage gefördert und entnommen.

Für einen Zeitraum von dreißig Jahren hat die InfraServ erneut eine wasserrechtliche Bewilligung beantragt: Die Entnahme von Alzwasser beträgt jährlich 30 Millionen Kubimeter, die Entnahme von Grundwasser 25 Mio. Bei starker Verschmutzung der Alz, wie etwa bei Hochwasser, will der Betrieb die gesamte Menge aus dem Grundwasser entnehmen. Dies entspreche den bisher bewilligten Entnahmemengen. Das entnommene Brauchwasser wird im Industriepark als vollentsalztes Wasser und Dampf für die Produktion sowie als Werkswasser, insbesondere als Kühlwasser und zu Löschwassserzwecken verwendet. Ein geringer Teil wird zur Reinigung der Siebbandanlage des Entnahmebauwerks genutzt. Dieses Abspritzwasser wird der Alz unmittelbar wieder zugeführt.

"Keine endlose Ressource!”

Dem bisherigen Verfahrensablauf konnte der Umweltschutzverband Alztal kein zeit- und umweltgerechtes Konzept abringen. Wachstum möge zwar ein wichtiger Grund für ein Unternehmen sein, meinte Pauli. Jedoch sei dies nicht maßgeblich für das Landratsamt und dürfe nicht das Trinkwasser gefährden. 

Grundwasser werde – wie manch anderes Gut der Erde – noch als “endlose Ressource” gesehen. Mittlerweile sei unbelastetes Grundwasser in Bayern nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar. Betrachtet man Gebiete intensiver landwirtschaftlicher Nutzung und Gebiete mit industrieller Bodenverunreinigung, dann ist auch im weiteren Umgriff, das Gebiet des Werks Gendorf im Boden und Grundwasser schadstoffbelastet. (Quelle: AÖ/LA Deichsanierung Emmerting)

Auffallend hohe PFOA-Werte!

2006 hatten Aktivisten von Greenpeace mit einer spektakulären Aktion am Werk Gendorf auf die aufallend hohe Belastung mit Perfluoroctansäure (PFOA) aufmerksam gemacht. Den Gutachtern zufolge werde sich die jetzige Belastung wohl noch verdoppeln. Ein Rückgang sei nicht vor 2050 zu erwarten. Der Stoff stehe im Verdacht, leberschädigend und krebserregend zu sein. Gesetzliche Grenzwerte für PFOA gebe es nicht.(Quelle:TT/28.9.16). 

In Medienberichten war die Rede von fünf bis neun Tonnen PFOA im Boden: Die Belastung des Trinkwassers im 190 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet zwischen Werk Gendorf, Salzach und Inn dürfte bald über dem Leitwert von 0,3 Mikrogramm pro Liter liegen. Der Neuöttinger Anzeiger vom 19.10.16 berichtete, dass die Neuöttinger sauer seien, weil zwei Brunnen in ihrer Stadt abgeschaltet werden mussten. Auf die PFOA Belastung angesprochen verdeutlichte InfraServ, dass sie sich ihrer Verantwortung bewußt sei. PFOA käme nicht mehr zum Einsatz und für die belasteten Brunnen sei der Einbau einer Aktivkohle-Filteranlage vorgesehen, so die Firmenvertreter.

Weniger Wasser für mehr Leistung!

Mit der Entnahme aus der Alz könne der UVA leben, so Pauli, nicht jedoch mit der enormen Entnahmemenge aus dem Grundwasser. Über die Mitbenützung des Chemieparks seien nun fünfzehn Brunnen verunreinigt. Der Schutz von Wasser, Luft und Boden müsse jedoch vor den Interessen der Konzerne liegen, so die Vorsitzende. Den Vertretern der InfraServ wäre eine ausschließliche Wasserentnahme aus der Alz auch lieber, nur etwa die Hälfte könne aus der Alz gedeckt werden. Daher seien 25 Mio. aus dem Grundwasser zuzuführen. Die hohe Entnahme wurde damit gerechtfertigt, dass sich der Industriebetrieb entwickeln und wachsen können müsse. So hätte man den Verbrauch verringern können und fahre den Kurs “Weniger Wasser für mehr Leistung”, hieß es. InfraServ benötige lediglich zehn bis fünfzehn Millionen, der Rest der Wassermenge leite sie an das Müllheizkraftwerk und an die Firmen des Chemieparks weiter. Wie InfraServ auf Nachfrage weiter erklärte, sei die jährliche Wasserentnahme von 55 Mio. gebührenfrei. 

UVA-Stellvertreter Reinhold Schopf, regte an, die Wasserentnahme suksessiv zu beschränken. Sinnvoll erschien ihm und dem Verband die Förderung von umwelt- und ressourcenschonender Produktion und Produktionsprozessen der örtlichen Industrie in die Genehmigung miteinfließen zu lassen und durch Auflagen des Landratsamtes der Firma Anreize zu Alternativen zu bieten. Als Vorschläge nannte Schopf: Die Verwendung der Abwärme (Fernwärme, Energierückgewinnung etc.), Erschließung neuer ökologischer Quellen für eigene Prozesse, Gewinnung von Prozesswässer, Nutzung von Niederschlagswässer sowie die Implementierung geschlossener Wasserkreisläufe mit integrierter Aufbereitung.

Pressemitteilung Umweltschutzverband Alztal

Quelle: innsalzach24.de

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