Zeugin: Wieder wach bei Tempo 140

Tag der Abrechnung im Bamberger Chefarzt-Prozess

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Bamberg - Eine Medizinstudentin hat gegen den Mediziner ausgesagt, der seit April steht, weil er im Krankenhaus Frauen betäubt und sich an ihnen vergangen haben soll.

Es war der Tag der Abrechnung im Vergewaltigungsprozess gegen den ehemaligen Bamberger Chefarzt Dr. Heinz W. (49): Unter Tränen betrat am Montag Hauptbelastungszeugin Romana S. (28) den Sitzungssaal im Landgericht. Heinz W. gab sich dabei gelassen und grinste sogar.

Am 28. Juli vergangenen Jahres rief der Gefäßchi­rurg die Medizinstudentin zu sich in die Ambulanz: „Er fragte mich, ob ich an einer Studie teilnehmen wolle, eine Venen-Untersuchung an großen und schlanken Patientinnen.“ Die ehrgeizige Praktikantin erklärte sich bereit, „obwohl ich selbst keine gute Patientin bin“. Sie zog Kittel und Arzthose aus, bemerkte noch, welche Probleme der Chefarzt beim Spritzen des Kontrastmittels gehabt habe. „Er hat nervös gewirkt“, sagte die Frau.

Danach setzte ihre Erinnerung aus. „Ich sehe mich erst im Smart wieder über die Autobahn fahren, mit Tempo 140.“ Weil sie die Befürchtung hatte, mit K.o.-Tropfen „abgeschossen“ worden zu sein, wollte sie sich im Krankenhaus Forchheim Blut abnehmen lassen. Doch die Ärztin dort weigerte sich. „Mein Vater wollte mir dann Blut abnehmen“, erinnerte sich die Arzttochter.

Als in der Blutprobe das Betäubungsmittel Midazolam gefunden wurde, ging sie zur Polizei und zeigte Dr. W. an. Drei Wochen später wurde der Chefarzt festgenommen. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil nicht vor Januar erwartet.

Rubriklistenbild: © dpa

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