Lauschangriff auf Ex-Manager

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München - Die Geschichte klingt, als wäre einem Krimi-Autor die Fantasie durchgegangen: Ein wegen Bestechungsvorwürfen mit internationalem Haftbefehl gesuchter Manager versteckt sich in einem Haus im Stephanskirchener Ortsteil Schloßberg.

Die Polizei bekommt einen Tipp, worauf ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando das Haus stürmt und den Mann verhaftet. Doch die Geschichte, die sich im Juni 2009 ereignet hat, geht nun weiter: Offenbar wurde der untergetauchte Manager in seinem Versteck heimlich abgehört, um Kasse zu machen. Stephanskirchen/München - Als am 25. Juni letzten Jahres zehn vermummte SEK-Beamte, ausgerüstet mit Helmen, Schutzwesten und Maschinenpistolen, in ein Einfamilienhaus am Kastanienweg in Schloßberg eindrangen und dort den gesuchten Michael Christoforakos verhafteten, ging eine wochenlange Flucht zu Ende. Der frühere Chef von Siemens Griechenland sah sich in Athen im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal des deutschen Technologiekonzerns mit massiven Anschuldigungen konfrontiert. Die griechische Justiz warf ihm Geldwäsche, Korruption und Betrug vor. Der Manager, der sowohl die deutsche als auch die griechische Staatsbürgerschaft hat, kam aber einer Verhaftung zuvor und setzte sich nach Deutschland ab.

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Griechenland erließ daraufhin einen internationalen Haftbefehl, worauf auch die deutsche Polizei nach dem 57-Jährigen fahndete. Auf der Flucht fand Christoforakos in Schloßberg Unterschlupf. Auf Vermittlung seines Rechtsanwalts versteckte er sich in einem Einfamilienhaus im Kastanienweg, das einem Rosenheimer Gastronom gehörte. Schließlich wurden aber die deutschen Strafverfolgungsbehörden auf das Haus aufmerksam. Die Anwälte von Christoforakos hatten damals behauptet, Privatdetektive wären ihnen im Auftrag Griechenlands auf der Fahrt zu ihrem Mandanten gefolgt. Die Generalstaatsanwaltschaft München hatte dagegen erklärt, es habe einen Hinweis aus der Bevölkerung gegeben.

Dass die Sache vielleicht doch anderes gelaufen sein könnte, legt eine Meldung nahe, die das Nachrichtenmagazin Fokus jetzt veröffentlicht hat. Demnach spielt der Besitzer des Hauses im Kastanienweg eine entscheidende Rolle. Der Rosenheimer Gastwirt soll zusammen mit einem vorbestraften Kaufmann zunächst geplant haben, Christoforakos an die Polizei auszuliefern, um eine Belohnung zu kassieren. Doch sie mussten feststellen, dass überhaupt keine Prämie auf den Ex-Manager ausgesetzt war. Daraufhin hatten die beiden offenbar eine neue Idee, um doch noch an Geld zu kommen. Sie beschlossen, den Gesuchten abzuhören, um mit den Erkenntnissen Kasse zu machen. Die dazu nötige technische Ausrüstung soll ihnen ein Detektiv geliehen haben. Der Lauschangriff war erfolgreich: Es gelang ihnen, ein Gespräch des Siemens-Managers mit dessen Anwälten aufzuzeichnen.

Hoffnung auf das große Geld

Nach dem Manöver wähnten sich die Beschuldigten im Besitz geheimer Informationen über das Siemens-Schmiergeldsystem und hofften offenbar auf das große Geld, wenn das Material vermarktet würde, heißt es in dem Bericht weiter. Am Mittwoch muss sich der Gastronom deshalb zusammen mit zwei Komplizen laut Fokus vor dem Münchener Landgericht verantworten.

Die Griechenland-Affäre ist Teil eines weitverzweigten Schmiergeldskandals bei Siemens. Aufträge wurden mit Hilfe von milliardenschweren schwarzen Kassen an Land gezogen. In Griechenland soll Michael Christoforakos Mitarbeiter der griechischen Telefongesellschaft OTE bestochen haben. Die Verhaftung im Juni 2009 in Schloßberg - Christoforakos ließ sich ohne Widerstand festnehmen - war der Beginn eines monatelangen juristischen Tauziehens um die Überstellung nach Griechenland. Nach einem Gerichtsentscheid im November 2009 ist die Auslieferung endgültig vom Tisch. Allerdings musste sich der Ex-Mangaer vor der deutschen Justiz verantworten.

Erst vergangene Woche wurde eines der beiden Strafverfahren gegen ihn vor dem Amtsgericht München gegen Zahlung von 350 000 Euro eingestellt. Ein zweites Verfahren wegen Beihilfe zur Untreue ging mit einem rechtskräftigen Strafbefehl zu Ende. Der 57-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung.

Von Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

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