Privatdetektive verfolgen den Betrüger

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Eichelwang bei Ebbs: Hier vermutet ein Privatdetektiv die verschwundene Beute eines Millionen-Betrügers. Kurt Heinle aus Bruckmühl (kleines Bild) hat 100 000 Euro von dem verurteilten Betrüger zurückerhalten.

Rosenheim/Kufstein - Hinter der Goldgräberstimmung in Ebbs und den verschwundenen Millionen stecken auch persönliche Geschichten: Die der Betrogenen.

Goldgräberstimmung ist bei Ebbs nahe Kufstein ausgebrochen. In einem Wald bei Eichelwang, direkt an der Grenze zu Bayern, könnten bis zu fünf Millionen Euro vergraben sein. Bei dem Geld soll es sich um die verschwundene Beute des Rosenheimer Anlagebetrügers Albert H. (Name geändert) handeln. 2002 musste der Mann deshalb für sechs Jahre hinter Gitter. Seit seiner Haftentlassung vor zwei Jahren haben sich deshalb Privatdetektive an seine Fersen geheftet.

Die Geschichte beginnt im Jahr 2002. Albert H. betreibt mit einem Partner in Rosenheim eine Anlageberatung. Anfang 2002 verschwindet er mit fast zwei Millionen Euro Kundengeldern. Zuvor fälscht er unter anderem mit einem Scanner die Unterschriften seiner Klienten und schickt die fingierten Faxe an die DAB-Bank in München. Die Bank überweist prompt rund zwei Millionen Euro auf zwei Konten, die Albert H. auf den Namen einer ehemaligen Freundin in Reutte und Kufstein eröffnet hat. Doch statt sich mit seiner Millionen-Beute abzusetzen, fährt Albert H. zunächst nach Saalbach zum Skifahren. Dort lernt er eine Frau kennen, mit der er schließlich nach Frankfurt reist. Mittlerweile wird er mit internationalem Haftbefehl gesucht und schließlich in der Mainmetropole festgenommen.

Im Prozess vor dem Landgericht Traunstein gibt der damals 42-Jährige an, die Mafia habe ihm seine Beute abgejagt. In einem Gewerbegebiet bei Mailand habe ihm ein "Paolo" eine Waffe unter die Nase gehalten und ihm 1,6 Millionen Euro Euro abgenommen. Das Gericht glaubt ihm nicht und verurteilt ihn zu sechs Jahren Haft, die er komplett absitzen muss.

Seit seiner Entlassung beschatten Privatdetektive Albert H.. Einer von ihnen ist der Wirtschaftsfahnder Erich S. aus Neumarkt in der Oberpfalz. Seine Auftraggeber sind die DAB-Bank in München, für die Albert H. als Vermögensberater tätig war, und das Ehepaar Kurt und Maria Heinle aus Bruckmühl, beide 76. Letzteres hatte nach Angaben von Erich S. im Laufe der Jahre insgesamt 1,7 Millionen D-Mark verloren - "alles Geld, das wir uns 40 Jahre lang hart erarbeitet und angespart hatten", so Kurt Heinle gegenüber unserer Zeitung.

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Wer schnappt sich die Millionen?

Das gesamte Ausmaß des Anlagebetrugs schätzt Wirtschaftsfahnder Erich S. aber weitaus größer: Zehn bis 20 Millionen Euro könnten in dunklen Kanälen versickert sein, vermutet der Privatdetektiv. "Das Problem ist, dass es sich in den meisten Fällen um Schwarzgeld handelt", so das Ergebnis seiner jahrelangen Ermittlungen. Die meisten Geschädigten hätten deshalb auf eine Anzeige verzichtet.

Heiße Spur führt nach Ebbs

In einem Wald (roter Kreis) unmittelbar hinter der bayerisch-österreichischen Grenze sind die ersten Schatzsucher unterwegs.

Der Privatdetektiv erklärt, er habe verschiedene Anhaltspunkte zum Verbleib der Millionen. Die heißeste Spur führt ins nahe Ebbs: Im April 2009 beobachtete der Detektiv, wie Albert H. spätnachts die Autobahnausfahrt Kufstein Nord nahm, Richtung Ebbs fuhr und sein Auto an einer Gärtnerei abstellte. Wenig später verschwand er im nahe gelegenen Wald und tauchte erst nach gut einer Stunde wieder auf. "Er muss dort etwas ausgegraben haben", ist Erich S. überzeugt. Denn: Wenig später ließ er via Mittelsmann 100000 Euro an das betrogene Göttinger Ehepaar überbringen, offenbar aus Mitleid, da beide erkrankt sind - "in 500 Euro-Scheinen, die noch modrig rochen und bereits angeschimmelt waren", so der Fahnder. "Das kann kein Zufall sein." Die Geldübergabe zwischen Albert H. und seinem "Strohmann" habe in Feldkirchen-Westerham stattgefunden, so der Fahnder. Auch Kurt Heinle bestätigt, das Geld erhalten zu haben. Es habe tatsächlich modrig gerochen

Doch liegt in Tirol noch mehr vergraben? Erste Schatzsucher, die über die Medien Wind davon bekommen haben, machen nun die Gegend zwischen Wildbichler Landstraße und dem Kaisergebirge unsicher - schließlich ist von Seiten der DAB-Bank ein Finderlohn von 40 Prozent ausgelobt.

Privatdetektiv Erich S. vermutet weitere Verstecke, in denen Albert H. seine Beute in Sicherheit gebracht haben könnte: Bereits im März 2002 hatte ein Hobbyarchäologe nahe Innsbruck (Ambras) eine Stahlkiste mit 120.000 Euro und den original Ausweispapieren des Betrügers aufgespürt

Albert H. hatte sich zuvor mit Bankgeldern und falschen Papieren abgesetzt.

Hinzu kommt: Wie der Privatdetektiv weiß, hatte man bei Albert H. im Laufe der Ermittlungen Quittungen über mehrere gekaufte Stahlkisten gefunden: "Ich gehe davon aus, dass er die Kisten verwendet hat und es noch mehr Verstecke gibt." Weitere Spuren führen nach Grainau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und nach St. Moritz in der Schweiz.

Während der Fahnder weiterhin nach den Millionen sucht, will das Bruckmühler Ehepaar jetzt zivilrechtlich um sein Geld kämpfen. Man habe ein Verfahren gegen Albert H., der wieder im westlichen Landkreis leben soll, vor dem Landgericht Traunstein angestrengt. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft war gestern niemand zu erreichen, der dies bestätigen konnte. Erich S. hat eigenen Angaben zufolge auch die Staatsanwaltschaft Rosenheim eingeschaltet: Dorthin habe er seine Ermittlungsergebnisse in Sachen "Geldgeschenk" an das Bruckmühler Ehepaar übergeben. Ob die Staatsanwaltschaft Rosenheim den Sachverhalt aufgreift, bleibt abzuwarten.

Dort zögerte man bislang, die Fährte wieder aufzunehmen. "Strafrechtlich ist der Fall abgeschlossen", sagte gestern ein Staatsanwalt. "Und die Rückführung des Vermögens wäre Aufgabe der DAB-Bank." Diese müsste ein zivilrechtliches Verfahren gegen H. anstrengen. Albert H. selbst wollte sich gestern gegenüber unserer Zeitung nicht äußern.

Und in Ebbs? Dort freut sich die Tourismusverwaltung über kostenlose Werbung. "Unsere Gastronomie ist aufnahmefähig", meint Anton Geißler, Leiter der Gemeindeverwaltung in Ebbs. Noch kann er keine Glücksritter melden. Stattdessen stampfen Kamerateams durch den 15 Hektar großen Wald und suchen die Schatzsucher.

Rosi Gantner und Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

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