Für eine "Entschleunigung" des Lebens sorgen

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Auch im Paradies wurde gegärtnert: Erzbischof Rainhard Marx hielt gestern einen Gottesdienst auf der Landesgartenschau.

Rosenheim - Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, eröffnete am Sonntag mit einem Pontifikalgottesdienst die Reihe der katholischen Sonntagsgottesdienste auf dem Gelände der Landesgartenschau.

Hunderte von Gläubigen hatten sich dazu eingefunden. In der Predigt ging es um die Bewahrung von Schöpfung und Natur.

"Wir wissen, dass Gebete die Welt nicht verändern. Aber Menschen, die beten, verändern sich und somit verändern sie auch die Welt", meinte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zu Beginn der Messe und ging dann auf den Sinn der Landesgartenschau für Rosenheim ein. "Auf nachhaltige Weise soll so Natur und Landschaft den Menschen wieder zugänglich gemacht werden", sagte sie. Brücken würden dafür sorgen, dass man die Flüsse nicht mehr als Hindernis wahrnehme: "Sie schaffen eine Verbindung und sorgen dafür, dass Menschen sich treffen können." Gestaltet wurde der Gottesdienst von der Pfarrei St. Nikolaus. Erzbischof Reinhard Marx zelebrierte ihn zusammen mit Pfarrer Andreas Maria Zach, Dekan Georg Rieger und Domkapitular Klaus Franzl.

Die Landesgartenschau bezeichnete Marx als großes Ereignis für die Stadt und ging darauf ein, warum es der Kirche wichtig sei, sich bei so einem Projekt mit einzubringen. "Das Leitmotiv am Anfang der Bibel ist ein Garten", sagte er. Damit versinnbildliche auch eine Landesgartenschau vieles, was zum Auftrag der Christen gehöre.

Schon im Paradies sei der Mensch gärtnerisch tätig gewesen. "Wo steht geschrieben, dass im Paradies nicht gearbeitet wurde? Wer hat das erfunden?", fragte der Geistliche in seiner Predigt.

Die Welt und das Leben seien aber nicht Eigentum des Menschen, sondern vielmehr ein Geschenk, das es zu bewahren gelte, auch wenn man es verändere. Wichtig sei es, stets an Prinzipien wie Gerechtigkeit oder Recht zu denken. Dies gelte für ökologische Fragen ebenso wie für politische. Neues zu schaffen, habe nichts mit Zerstörung zu tun.

Ein Grundproblem unserer Zeit sei die Geschwindigkeit und die Beschleunigung. Die menschliche Entwicklung halte mit dieser Zeiterscheinung aber nicht Schritt, so der Erzbischof. Letztendlich sei auch die wirtschaftliche Krise durch kurzfristiges Denken entstanden und darum gelte es öfter einmal, "in die Speichen zu greifen" und so für "Entschleunigung" zu sorgen. Dazu könne auch eine Landesgartenschau beitragen: "Wenn die Menschen sich dort wieder als Teil der Natur begreifen und Ehrfurcht vor dem Leben bekommen, ist schon viel Positives passiert."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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