"Tag gegen Lärm"

Extrem laut & unglaublich leise: Acht Krach-Extreme in Bayern

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Jetzt sind sie die „Höllenmaschinen“ wieder unterwegs. Kaum etwas nervt im Straßenverkehr mehr als das Aufheulen eines Bike-Motors beim Beschleunigen.

München - Unter dem Motto „So geht leise!“ wollen am „Tag gegen Lärm“ am 27. April Veranstalter bundesweit für mehr Ruhe werben. In Bayern gibt es Orte, an denen man das eigene Herz schlagen hört. Und Stellen, an denen es deutlich verkrachter zugeht.

Mucksmäuschen still oder die volle Dröhnung: An manchen Stellen in Bayern kann man die sprichwörtliche Nadel fallen hören. Andernorts hilft nicht mal Ohrenzuhalten. Ein paar besonders leise und extrem laute Beispiele aus dem Freistaat anlässlich des „Tags gegen Lärm“ an diesem Mittwoch:

SCHALLTOTER RAUM: Ob Händeklatschen oder lautes Rufen - hier herrscht fast gespenstische Stille. Die fünf schalltoten Räume auf dem Gelände des Herzogenauracher Autozulieferers Schaeffler gehören zu den leisesten Orten im Freistaat. Dafür sorgen nach Angaben von Physiker Harald Schäfer dicke Keile aus einem porösen Spezialschaumstoff, mit denen die Wände ausgekleidet sind. „Hier wird der Schall praktisch aufgesaugt wie ein Schwamm.“ Die Entwickler nutzen den „reflektionsarmen Raum“, um etwa feinen Reibungsgeräuschen bei Elektromotor-Lagern auf die Spur zu kommen. Menschen, die eine solchen Raum zum ersten Mal betreten, machten meist eine irritierende Erfahrung: „Sie hören ihre Worte nur aus ihrem Körperinneren. An ihre Ohren dringen die Worte mangels Reflektoren nicht“, erklärt Schäfer.

BUNKERKRANKENHAUS: Eine sieben Zentner schwere Stahltür und eine 60 Zentimeter dicke Stahlbetonhülle samt Bleiumhüllung schotten das alte Bunkerkrankenhaus in Gunzenhausen von der Außenwelt komplett ab. In den alten, nie tatsächlich als Krankenhaus genutzten Räumen herrscht eine ganz eigene Stimmung - drei Meter unter der Erde. Laut wird es höchstens, wenn einer der Führer die alten Schiffsmotoren, Notstromaggregate und Lüftungsanlagen anschaltet, die allesamt noch funktionieren. Einst gab es rund 220 solcher Behelfskrankenhäuser in Deutschland. Der Bau in Franken diente in den 1960er Jahren als Prototyp für alle weiteren. Heute ist es das einzige verbliebene Bunkerkrankenhaus, das noch fast komplett ausgerüstet ist.

HÖHLEN: Wenn man in eine Höhle hineinläuft, kriecht und robbt, sinkt als erstes die Anzahl der Farben. An das Gehör dringt weder der Lärm von Straßen noch von Düsenjets. Sobald alle Lampen ausgeschaltet sind, fallen die Augen als Sinnesorgan aus - und die eigenen Ohren scheinen auf einmal zu wachsen. In manchen Höhlen hört man dann aus der einen Ecke Wasser tropfen, aus der anderen Richtung kommt eine Art Gezwitscher - Fledermäuse, die mit sogenannten Soziallauten untereinander kommunizieren. In vielen Höhlen hört man aber: nichts. Also fast nichts: Der eigene Herzschlag donnert gegen die Rippen, das Blut rauscht in den Ohren. Wer es schafft, den selbstproduzierten „Krach“ auszublenden, kann absolute Stille genießen.

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HNO-Kabine: In den höchsten Tönen wird hier getestet - und in den tiefsten auch. Dazu muss vollkommene Stille herrschen: Einer der geräuschlosesten Orte der Welt ist die „Tonaudiometrie-Kabine“. Patienten absolvieren in diesen Räumen beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt den Hörtest, und dabei soll kein Geräusch von außen stören. Theoretisch könnten in den mit Schaumgummi isolierten Räumen Null Dezibel erreicht werden, wie Clemens Heiser, Leiter des Schlaflabors an der HNO-Klinik im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, erläutert. Doch sobald sich ein Mensch darin aufhält, entstehen wieder Geräusche: durch den Atem, das Herz - und den Darm.

SIRENEN: Sobald es brennt, geht es bei der Feuerwehr schnell - und es wird laut. Die meisten Feuerwehrleute werden immer noch mit Sirenen zu ihren Einsätzen gerufen, der dreimal hintereinander klingende Signalton wird bis zu 123 Dezibel laut - auf 30 Meter Entfernung. Auch wenn es Systeme zur stillen Alarmierung der Einsatzkräfte gibt: Das Sirenennetz in Bayern soll laut Landesfeuerwehrverband auch in Zukunft erhalten bleiben. Nur so lasse sich die Bevölkerung schnell über Gefahren informieren. Auch auf der Straße können sich die Brandbekämpfer akustisch durchsetzen. Mit bis zu 125 Dezibel auf einem Meter Abstand tönen die pressluftbetriebenen Martinshörner der Einsatzwägen, vorgeschrieben sind mindestens 110 Dezibel auf dreieinhalb Meter. Da können Passanten schon einmal zusammenzucken.

SPORT: Wenn in Sport-Stadien gejubelt wird, wird es laut. Manch ein Fan trägt beim Spiel seiner Liebsten schon mal Ohrenstöpsel. Bei den Basketballern des FC Bayern München wird während des Spiels die Lautstärke in der Halle auf einem Bildschirm angezeigt. Im Schnitt sind es Vereinsangaben zufolge 90 Dezibel. Bei den Eishockey-Spielen der Augsburger Panther wird die Lautstärke zwar nicht angezeigt. Weil es zuletzt Probleme mit der Tonanlage gab, wurden im Februar jedoch Messungen vorgenommen. Die höchste Lautstärke gab es laut Sprecher im ausverkauften Stadion beim Torjubel: 115 Dezibel.

MOTORRÄDER: Jetzt sind sie die „Höllenmaschinen“ wieder unterwegs. Kaum etwas nervt im Straßenverkehr mehr als das Aufheulen eines Bike-Motors beim Beschleunigen. Vor allem wenn PS-starke Motorräder mitten im Ort „aufdrehen“, dringt ein kaum auszuhaltender Lärm in die Ohren. Dabei dürfen Motorräder eigentlich einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten. Erlaubt sind nach Auskunft des ADAC lediglich 80 Dezibel. Ruprecht Müller vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg am Lech verweist darauf, dass die Messung, die auf einer 20 Meter langen Beschleunigungsstrecke vorgenommen wird, sehr kompliziert ist. Deshalb seien Änderungen des Gesetzgebers geplant.

BETT: Nicht der lauteste, aber ein sehr lauter Ort kann das Bett sein. Ein Schnarcher kann es im Extremfall auf 80 bis 90 Dezibel bringen, wie Clemens Heiser, Leiter des Schlaflabors an der HNO-Klinik im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, sagt. Die meisten Schnarcher liegen allerdings „nur“ bei 30 oder 40 Dezibel. Ob der Partner davon aufwacht, hängt von dessen aktueller Schlafphase ab - und ist individuell unterschiedlich. „Es gibt Leute, die wachen bei 10 oder 20 Dezibel auf, andere erst bei 50.“ Zum Vergleich: Eines der lautesten Geräusche produzieren mit rund 130 Dezibel die Turbinen eines startenden Flugzeugs. Wer sich dem ungeschützt aussetzt, riskiert Hörschäden.

dpa

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