Falsche Frühlingsgefühle für Tiere  gefährlich

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Für viele Tiere ist es problematisch, dass der Winter später beginne.

München - Der November zeigt sich heuer von einer sehr warmen Seite. Temperaturen von über 20 Grad waren keine Seltenheit. Falsche Frühlingsgefühle können für Tiere allerdings gefährlich werden.

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Palmkätzchen sprießen. Frühlingshafte Stimmung also, die derzeit in Bayern herrscht. Das einzige, was an diesem Bild nicht stimmt, ist der Monat. Die Temperaturen sind für einen November sehr hoch. „Es ist auf jeden Fall deutlich wärmer als in den letzten Jahren“, sagt Gerhard Lux, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes. In Bayern liegt der Wert knapp drei Grad über dem Mittelwert, deutschlandweit sind es sogar vier Grad. Die Höchstwerte wurden um den 17. November gemessen. An diesem Dienstag stieg die Temperatur mancherorts in Bayern auf über 20 Grad.

Ungewöhnliches Klima bereitet Tieren Probleme

Während die Menschen sich über die Wärme freuen und draußen vor den Cafés sitzen, bereitet das ungewöhnliche Klima manchen Tieren echte Probleme. So befürchtet Igel-Expertin Ulrike Kolar aus Moosburg (Landkreis Freising), dass Tiere, die sich im kalten Oktober für den Winterschlaf bereit gemacht haben, nun wieder aufwachen könnten. Sie würden durch die Gärten trippeln und Futter suchen. „Aber die Bodeninsekten sind jetzt weg“ – in tiefere Erdschichten verkrochen. Dabei bräuchte der Igel dringend Nahrung, denn das Aufwachen kostet ihn Kraft. Kraft, die sich der stachelige Gesell für die kalte Jahreszeit aufsparen müsste. Problematisch ist laut Kolar nicht, dass der Winter später beginne. Vielmehr mache das Hin und Her des Wetters den Tieren zu schaffen.

Tiere im Winterschlaf orientieren sich an der Tageslänge

Kai Frobel vom Bund Naturschutz Bayern sieht die Situation gelassener. „Die Tiere, die im Winterschlaf sind, orientieren sich nicht nur an der Temperatur, sondern auch an der Tageslänge. Und die ist ja glücklicherweise unverändert.“ Doch was etwa passiert mit den Lebewesen in Winterstarre? „Es könnte sein, dass sie aufwachen oder länger aktiv sind“, so Frobel. Ob sich das zu einem Problem entwickle, müsse sich zeigen. Viele Arten seien durchaus anpassungsfähig.

Um die Auswirkung der wärmeren Temperaturen auf Pflanzen und Tiere ausreichend zu erfassen, dafür fehlt laut Frobel eine landesweite Beobachtung. „Wir wissen mehr über Säuger in der Serengeti als über die heimischen Tiere“, bedauert er. Um Beobachtungen über singende Vögel oder blühende Palmkätzchen im November qualifiziert zu bewerten, müsste es mehr Experten geben, die auf dem Gebiet forschen.

Für die Landwirtschaft sieht Thomas Ebertseder, Professor für Land- und Ernährungswirtschaft an der Hochschule Weihenstephan, derzeit keine Probleme. „Die Bedingungen sind nicht so dramatisch für die Pflanzen“, sagt er. Die Wärme könne sich höchstens auf die Vermehrung von Schädlingen auswirken. „Es kann sein, dass sie jetzt im Herbst aktiver werden“, sagt Ebertseder.

Bei längerer Wärmeperiode kommen die ersten Blüten

Bei einer längeren Wärmeperiode könnte es aber im Obstbau zu Schwierigkeiten kommen, sagt Hubert Siegler von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Dann beginnen die Bäume zu treiben und die ersten Blüten kommen hervor. Und wenn es darauf friere, fehlen die Triebe im Frühjahr.

Das Telefon von Gärtner Josef Holzer aus Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) steht derzeit nicht still. „Die Leute sind beunruhigt wegen der Frühlingstemperaturen.“ Grundlos, wie er sagt. „Die Pflanzen sprießen ein bisschen, aber das macht nichts.“ Schlimmer wäre es, wenn sie Blätter bekommen würden. Dann könnten sie vom Frost geschädigt werden. „Dass die Palmkätzchen blühen oder die Rosen noch treiben – das ist nicht ungewöhnlich.“ Holzer kann der Wärme sogar etwas Positives abgewinnen. „So muss ich weniger heizen.“

Melina Staar

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