45 Menschen demonstrieren für Bleiberecht

Regensburger Dom: Kirche bietet Flüchtlingen neues Quartier an

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Flüchtlinge stehen mit Plakaten vor dem Dom in Regensburg.

Regensburg - Aus Protest gegen drohende Abschiebung besetzen 45 Flüchtlinge den Dom in Regensburg - unter katastrophalen Bedingungen. Die Kirche bot ihnen jetzt ein Alternativ-Quartier an.

Die Flüchtlinge, die aus Protest gegen ihre drohende Abschiebung den Regensburger Dom besetzen, trafen sich mit Generalvikar Michael Fuchs vom Bistum Regensburg zu einer Aussprache, berichtet der Bayerische Rundfunk. Dieser bot den Demonstranten an, dass sie in das nahe gelegene Pfarrheim umziehen könnten. Während es im Dom zwar Toiletten und Waschbecken, aber keine Küche und keine Duschen gibt, seien die humanitären und sanitären Einrichtungen dort deutlich besser als im Dom. Mit der Polizei und den Behörden sei besprochen, dass auch im Pfarrheim weiterhin das Kirchenasyl gelte. 

Unklar ist, ob die protestierenden Flüchtlinge dieses Angebot annehmen. Sie wollen ein Aufenthaltsrecht und einen Schutz auch außerhalb des Pfarrheims erreichen. So könnten sie zum Beispiel zum Arzt gehen  - denn unter ihnen sind auch schwerkranke Menschen, unter anderem Kinder, die im Dom nur schwer medizinisch versorgt werden können.

45 Flüchtlinge nächtigen auf 32 eng gestellten Liegen

Nach Angaben des Bistums ist eine Übernachtung im Hauptschiff des Doms nicht möglich. Daher verbringen die 45 Flüchtlinge derzeit die Nächte im Durchgangsbereich vor der Sakristei auf 32 eng aneinander gestellten Liegen mit einem einzigen schmalen Fluchtweg ins Freie. Mit die Sicherung des Außenbereichs des Domes hat das Bistum inzwischen einen Sicherheitsdienst beauftragen.

Sollte die Gruppe nicht umziehen, muss der für Samstagabend im Dom geplante Nightfever-Gottesdienst mit etwa 300 Jugendlichen in die nahegelegene Niedermünsterkirche verlegt werden.

Bistumssprecher: „Es handelt sich um eine geduldete Präsenz"

Die Flüchtlinge demonstrieren seit Dienstag im Regensburger Dom St. Peter für ein Bleiberecht und gegen die Einstufung einiger Balkan-Staaten als sichere Herkunftsländer.

Vom Malteser Hilfsdienst und der Caritas bekommen die Flüchtlinge Essen und Getränke. Die Demonstranten baten zudem um Kirchenasyl. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht gewährt worden, betonte Bistumssprecher Jakob Schötz. „Es handelt sich um eine geduldete Präsenz.“ Ein polizeiliches Eingreifen hat das Bistum abgelehnt. „Wir entscheiden von Tag zu Tag, wie es weitergeht“, erläuterte Schötz.

Protest-Aktion in Regensburg begann am Dienstag

Wie BR24.de weiter berichtet, demonstrieren die Flüchtlinge still mit Transparenten und Kinderwägen und wollen dort ausharren, bis ihre Forderungen erfüllt sind.

Auf Twitter wurde im Namen der Regensburger Gruppierung der Antifa folgendes Schreiben veröffentlicht, in dem die Beweggründe der Protestierenden dargelegt werden und zur Unterstützung der Besetzung aufgerufen wird:

Vor dem Dom versammelte sich laut Polizei am Dienstag etwa ein Dutzend Menschen zu einer Solidaritätskundgebung. Unter anderem versuchten sie, Spenden für die Flüchtlinge zu sammeln sowie Isomatten und Schlafsäcke für Übernachtungen zu besorgen.

Die Roma fühlen sich in ihren Herkunftsländern diskriminiert

Bei einem großen Teil der Menschen handelt es sich laut dem Sprecher um Roma, sie fühlten sich in den Balkanländern diskriminiert.

Wie lange die Besetzung dauern soll, ist nach den Worten des Sprechers der Gruppe nicht klar. Die Betroffenen hätten ihren Abschiebebescheid bereits erhalten.

Sie lebten zuletzt in verschiedenen bayerischen Städten, darunter Regensburg und Ingolstadt, wo sie in Sammelunterkünften für abgelehnte Flüchtlinge wohnten.

Hier finden Sie das vollständige Statement des Bistums Regensburg im Wortlaut.

Mit Material von dpa und AFP

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