Herausforderung für grenznahe Regionen

Flüchtlingszustrom sorgt für Hochbetrieb in Passauer Kinderklinik

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Die Kinderklinik Dritter Orden in Passau.

Passau - Flüchtlinge erreichen die deutsche Grenze oft erschöpft und krank. Vor allem Kinder leiden unter den Strapazen wochenlanger Entbehrung - eine Herausforderung für einige Kliniken in grenznahen Regionen Bayerns.

Mal sind es starke Erkältungen, mal Magen-Darm-Erkrankungen - manche der in Bayern eintreffenden Asylsuchenden kämpfen mit gesundheitlichen Problemen. Viele sind von den Strapazen der Flucht geschwächt. Örtliche Krankenhäuser nehmen sich der kranken Flüchtlinge an. In der Kinderklinik Dritter Orden in Passau machen Flüchtlingskinder zeitweise fast ein Viertel der Patienten aus. Bis zu 20 der 85 Betten seien mit Flüchtlingskindern belegt, sagte Ärztlicher Direktor Matthias Keller. „Unser Personal ist extrem gefordert.“

Neben Erkältungen und Durchfallerkrankungen kämen auch schwerwiegende Krankheiten vor, die in den Herkunftsländern nicht behandelt werden konnten. Sprachliche und kulturelle Unterschiede brächten organisatorische Probleme mit sich und erschwerten die medizinische Behandlung der jungen Patienten.

Dolmetscher müssten organisiert und meist Familienangehörige betreut werden, berichtete Keller. Denn oft sei unklar, wohin die Flüchtlinge später verlegt werden. Um Familien nicht zu trennen, würden deswegen immer wieder auch Angehörige aufgenommen. „Zum Beispiel eine Frau mit mehreren Kindern, von denen eines krank ist.“ Auch Dinge des täglichen Lebens sorgen für Probleme: „Viele wissen nicht, wie die sanitären Anlagen zu benutzen sind oder kennen die Kultur der Besuchszeiten nicht.“

Bislang habe die zusätzliche Belastung vom bestehenden Personal aufgefangen werden können. „Falls eine Influenzawelle kommt, müssen wir wohl aufstocken“, sagte Keller. Schon unter Normalbedingungen sei die Klinik im Winter mit bis zu 90 oder gar 100 Prozent ausgelastet. Für Hochphasen hat die Kinderklinik eine eigene Notfallstation für die Flüchtlingskinder eingerichtet. Die wurde Keller zufolge bereits eine Woche lang benutzt und kann bei Bedarf jederzeit wieder in Betrieb genommen werden.

Unklar sei zum Teil noch, wie die Behandlung der Flüchtlingskinder bezahlt werde. „Ich gehe davon aus, dass die Kosten erstattet werden wie bei einheimischen Patienten.“ Die Behandlung sei aber schon aufgrund der Sprachprobleme deutlich zeitaufwändiger. Was Keller zufolge fehlt ist eine Regelung zur Kostenübernahme bei Dolmetscherdiensten. „Wir wissen nicht, an wen wir uns wenden können.“ Bislang habe die Klinik die Kosten getragen. „Wir sind in Vorleistung gegangen.“

Der Mensch und dessen medizinische Versorgung stünden im Mittelpunkt. „Wenn wir erst über Geld reden müssen, habe ich den falschen Beruf gewählt“, sagte Keller. Bisher habe die Zusatzbelastung auch durch Pragmatismus und ehrenamtliche Leistung gestemmt werden können. „Wir brauchen aber langfristige Strukturen.“ Auch damit die Versorgung der einheimischen Bevölkerung nicht zu kurz komme. Bislang habe es hier keine Einschränkungen gegeben. „Das darf auch nicht passieren.“

In anderen Krankenhäusern machen Flüchtlinge zurzeit einen geringeren Anteil an Patienten aus. Vier oder fünf Flüchtlinge pro Tag würden auf der internistischen Station des Klinikums Passau täglich aufgenommen, schätzte Oberärztin Renate Sachs. Auf der chirurgischen und der gynäkologischen Station dürfte die Situation ähnlich sein, sagte sie. Ihr Eindruck: Die Verteilung der Flüchtlinge an den Grenzen funktioniere sehr gut. „Das rettet uns. Bisher verlief alles in einem Rahmen, der machbar ist.“

So sehen es auch Chefarzt Jörg Weiland von der Kreisklinik Bad Reichenhall und ein Sprecher des Klinikums München-Schwabing. Weiland habe sogar mit mehr behandlungsbedürftigen Flüchtlingen in seiner Klinik gerechnet, wie er sagte. In erster Linie müssten Magen-Darm-Krankheiten und fieberhafte Infekte behandelt werden. Für Probleme sorge vor allem die Kommunikation. „Zum Glück haben wir einige arabisch sprechende Ärzte.“

dpa

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