Fragwürdige Fangmethoden

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Zangberg – Auch die Suche mit einer hochsensiblen Wärmebildkamera blieb gestern erfolglos. Die Aiderbichler Tierschützer wollen aber nicht aufgeben, die „Kuh mit IQ“ zu finden.

Auch der Hubschraubereinsatz und die Suche nach der entflohenen Kuh Yvonne mit einer hochsensiblen Wärmebildkamera blieben gestern erfolglos. Die Aiderbichler Tierschützer wollen aber nicht aufgeben, die „Kuh mit IQ“ zu finden, die seit 87 Tagen frei herum läuft. Immerhin: Die Wahl-Zangbergerin Yvonne soll jetzt erst einmal in Ruhe gelassen werden. Selbst der bekannte Wildtierexperte Heino Krannich, seit letztem Freitag vor Ort, um Yvonne zu betäuben, gibt mittlerweile zu: „Normalerweise spürt man einen Kontakt zum Tier, aber das ist bei Yvonne ganz und gar nicht so.“ Nachdem die Ortung der Kuh mit dem Hubschrauber dann auch noch gefloppt war, ließen gestern die Tierschützer von Aiderbichl zunächst noch offen, wie sie weiter verfahren würden.

Große Hubschrauber-Suche nach Yvonne

Erst einmal Ruhe einkehren lassen, lautet angeblich die erste Marschrichtung nach den missglückten Fangversuchen der letzten Tage. „Die nächsten Schritte wollen genau überlegt sein“, teilte Britta Freitag, Pressesprecherin von Gut Aiderbichl, gestern mit. Locktiere, Schnüffelhunde, Fallen: Die Fangbemühungen der Aiderbichler bezeichnet Dr. Erich Loserth, Jagdpächter in Zangberg und Vorsitzender des Kreisverbandes der Jäger, indes als enttäuschend. „Ende Juli bekam Gut Aiderbichl von mir exakte, fast auf zehn Meter genaue, Hinweise, wo die Kuh Yvonne lebt, wie scheu sie sich verhält und wo sie regelmäßig auf die zugehörige Wiese austritt.“

Dr. Loserth: Kritik an den Fangmethoden

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Aiderbichl zog jedoch andere Fangmethoden vor: „Einer verwilderten Kuh einen kastrierten, alten Ochsen als Partner anzubieten, wenn in Zangberg 300 Meter neben der Kuh ein junger unkastrierter Bulle weidet, ist garantiert nur medienwirksam, aber nicht anregend für die Kuh.“ Und: Für einen Jäger sei es selbstverständlich, dass bei scheuen Tieren nur absolute Ruhe und Geduld zum Erfolg führten. „Mit einem um die Schulter gewickelten Strick im Unterholz nach einer Kuh zu suchen, mit Quad, Pferd und Lasso eine Tier in einer Dickung fangen zu wollen, das sind einfach untaugliche Methoden“, kritisiert der passionierte Jäger. Schließlich sei tagelang mit Hubschrauber und Wärmebildkamera im halben Landkreis nach Yvonne gesucht worden, die Kuh sei offensichtlich von Einstand zu Einstand gehetzt – und damit auch das Wild in Mitleidenschaft gezogen worden, findet Loserth. „Statt Rehen sehe ich vom Hochsitz aus Aiderbichler auf Geländewagen durch den Wald flitzen.“

Quads auf Feldwegen sind nicht verboten

Quads und Jeeps im Wald: Bewegt sich Gut Aiderbichl damit noch im Bereich des Erlaubten? Das Landratsamt in Mühldorf erklärt dazu, dass grundsätzlich der unbeschränkte Zugang zur Natur gelte. Höchstens bei einem konkreten Anlass, etwa einer Gefährdung der Fauna oder der öffentlichen Sicherheit – darunter fällt auch der Verkehr oder die Jagdausübung – wäre ein Einschreiten möglich. Bisher aber, so Julia Hausmann von der Pressestelle, lägen keine Meldungen diesbezüglich vor. „Lasst die Kuh in Ruhe, bis sie wieder einen festen Platz gefunden hat“, schlägt Loserth vor und rät in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kreisverbandes der Jäger allen Jägern „keinesfalls die Kuh zu erlegen“, auch wenn sie vom Landratsamt wieder zum Abschuss freigegeben werde. „Es ist nicht die Aufgabe der Jäger Probleme zu entscheiden, die emotional nicht ausgegoren sind. Gegen Emotionen hat man mit Argumenten keine Chance.“ Er gibt schließlich zu bedenken: „Die Kuh Yvonne ist nicht das einzige Tier auf der Welt. Tagelang kreisende Hubschrauber lösen das Problem nicht.“ Das haben auch die Aiderbichler erkannt. Ruhe soll nun einkehren, damit sich Wildtierexperte Krannich auf mit dem Betäubungsgewehr die Pirsch begeben und somit dem Bauerntheater rund um Zangberg endlich ein Ende setzen kann. Eine Woche hat er dafür Zeit, bis zum 26. August ist die Abschussgenehmigung ausgesetzt.

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