Hunderte Flüchtlinge kamen am Grenzort an

So ist die aktuelle Lage in Freilassing

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Freilassing - Züge mit Verspätungen und Hunderte Flüchtlinge am Bahnsteig des Grenzortes: In Freilassing wurde am Abend noch ein Notlager mit 500 Feldbetten errichtet.

UPDATE, 15. September, 9.30 Uhr:

Da der Großteil der in Freilassing gestrandeten Flüchtlinge am Montagabend sehr rasch mit Bussen und per Zug weitertransportiert wurde, dachten die Einsatzkräfte von Rotem Kreuz (BRK) und Malteser Hilfsdienst (MHD) zunächst, dass ihre in sehr kurzer Zeit eingerichtete Notunterkunft in einer Industriehalle in der Sägewerkstraße doch nicht mehr benötigt wird. Gegen Mitternacht musste die Sanitätseinsatzleitung (SanEL) mit dem Organisatorischen Leiter (OrgL) Florian Halter und dem Leitenden Notarzt Dr. Christian Stöberl dann aber nochmals Alarm für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte auslösen, da einige hundert Flüchtlinge am Freilassinger Bahnhof festsaßen und ein Nachtquartier brauchten. BRK, MHD, THW und Feuerwehr rückten erneut aus.

Die Polizei brachte sie zur Halle, wo während der Nacht durchgehend über die Hälfte der rund 500 Schlafplätze belegt waren. Die Ehrenamtlichen von BRK und MHD verteilten Warmgetränke und Semmeln und kümmerten sich um die medizinische Versorgung, wobei während der Nacht kein Notfallpatient mehr versorgt werden musste. „Ein Arzt hat die Leute in der Halle bis 4 Uhr am Morgen untersucht; einige waren in einem schlechten Allgemeinzustand oder hatten kleinere Wunden und offene Stellen. Es gab keine Zwischenfälle und es ging sehr friedlich zu“, freut sich Halter, der für seine Mannschaft nun einen Schichtdienst für die kommenden Tage eingerichtet hat. „Wir haben keine genauen Informationen, was während der nächsten Stunden wirklich auf uns zukommt. Gestern war ein Zug mit 150 Flüchtlingen aus Österreich angekündigt; angekommen sind dann aber auf einmal rund 700.“ Gegen Mittag werden die freiwilligen Einsatzkräfte durch die BRK-Bereitschaften und den MHD aus dem Landkreis Traunstein abgelöst – eine kurze Verschnaufpause.

Pressemeldung BRK BGL

Allein bis zum Montagmittag waren es laut der Süddeutschen Zeitung insgesamt 500 Flüchtlinge, die am Bahngleis in Freilassing warteten und dann mit Bussen zur polizeilichen Registrierungsstelle im nahen Piding gefahren wurden.

Viele Kinder in den Zügen

Diese Bilder machte die Agentur Aktivnews am Montagmittag. Zu sehen sind darauf auch besonders viele Familien mit Kindern:

Flüchtlinge kommen in Freilassing an

Widersprüchliche Aussagen: Wird Hilfe benötigt?

Und auch am späten Abend scheint sich die Lage nicht beruhigt zu haben. So schrieb ein Helfer gegen 22.30 Uhr, dass laufend neue Züge mit Flüchtlingen ankommen. Widersprüchliche Meldungen gab es dazu, ob diese durch Ehrenamtliche mit Lebensmitteln und Wasser versorgt werden müssten. Das NETZwerk für die Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten Freilassing verneinte das am Abend über Facebook. Es bestehe "kein Handlungsbedarf" von Seiten der Zivilbevölkerung:

Die Flüchtlinge aus Ungarn steigen derzeit in Freilassing aus den Zügen aus und werden in Shuttelbussen zur Zollhä...

Posted by NETZwerk für die Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten Freilassing on Montag, 14. September 2015

Die Facebook-Seite "Traunstein hilft" zeigte dagegen gegen 23 Uhr mit diesem Foto ein anderes Bild der Lage. Die Aufnahme entstand am Freilassinger Bahnhof:

Wir verteilen.Und das was ihr seht ist UNSER Müll.Das sind die Haufen die wir verteilen Unfassbare Zustände hierSeit Stunden steht der Zug und die haben nichts zu essen oder zu trinken

Posted by Traunstein hilft on Montag, 14. September 2015

500 Feldbetten am Abend aufgestellt

Zum Vergrößern HIER klicken: Die Feldbetten in einer Freilassnger Industriehalle.

Rund 70 Einsatzkräfte von Rotem Kreuz (BRK), Malteser Hilfsdienst (MHD), Technischem Hilfswerk (THW) und Freiwilliger Feuerwehr haben am Montagabend innerhalb weniger Stunden und ohne Vorlaufzeit in einer Freilassinger Industriehalle eine Flüchtlingsunterkunft mit rund 500 Feldbetten eingerichtet. „Wir mussten sehr rasch auf die vielen Menschen reagieren, die den ganzen Tag über zu Fuß und per Zug von Salzburg aus über die Grenze nach Deutschland gekommen waren und sind sehr froh, dass wir ein Gebäude nutzen können und nicht mit Zelten improvisieren mussten, die nur wenig Schutz gegen die Witterung bieten“, erklärt Einsatzleiter Florian Halter.

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Bundespolizei aus ganz Deutschland am Montag in der Region

Ärzte haben alle Flüchtlinge vom Bahnhof mit Unterstützung durch Sanitäter des Roten Kreuzes in der nahen Polizeidienststelle an der Zollhäuslstraße gesichtet und untersucht, wobei bis zum Abend acht Menschen mit sehr schlechtem Allgemeinzustand teilweise notärztlich versorgt und in Kliniken transportiert werden mussten, darunter auch drei Kinder.

Meridian fährt wieder nur bis Freilassing

Auch am Dienstag verkehren die Meridian-Züge nur zwischen München und dem Grenzbahnhof Freilassing. Zur Weiterfahrt nach Salzburg bzw. umgekehrt können Reisende generell die S-Bahn oder die Fernverkehrszüge Railjet und EC nutzen. Die Züge fahren allerdings im Zweistundentakt und mit beschränkter Kapazität.

„Derzeit führt die Bundespolizei in den Zügen, die aus Österreich kommen, Passkontrollen durch. In Freilassing haben die Züge daher circa 30 bis 60 Minuten Aufenthalt und können nur mit einer entsprechenden Verspätung weiterfahren“, erklärt Bernd Rosenbusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn GmbH, die Maßnahme. „Wir organisieren unseren Betrieb daher so, dass wir aktuell nicht von Österreich aus fahren, um den Fahrplan zuverlässig einhalten zu können." Morgen werde man auch wieder ganztägig einen Koordinator in Freilassing haben, "der vor Ort eng mit der Bundespolizei zusammenarbeitet und gleichzeitig Ansprechpartner für unsere Fahrgäste ist. Sollten die Passkontrollen bereits im Salzburger Hauptbahnhof und vor Einstieg in die Züge durchgeführt werden, fahren wir sofort wieder nach Salzburg durch.“

mg, Quellen: Aktivnews, Pressemitteilung BRK BGL, Meridian

Quelle: BGland24.de

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