Tinnitus durch Salutschüsse: Beamter klagt

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München - Als die Gebirgsschützen das Oktoberfest in Berlin mit Salutschüssen eröffneten, war für einen Ministerialbeamten die Party schon vorbei. Er habe einen Gehörschaden erlitten, sagt er – und klagt auf Dienstunfall.

Eigentlich sollte er Fotos machen. Davon, wie Ministerpräsident Horst Seehofer mit einem Schnapserl begrüßt wird. Wie Ministerin Emilia Müller das erste Fass anzapft. Und wie das Hippodrom-Zelt den Platz vor dem Roten Rathaus in Berlin dominiert. Doch dort, bei der Eröffnung des Oktoberfestes der Bayerischen Vertretung in Berlin am 9. September 2009, war es so laut, dass der Protokollbeamte des Freistaats gar nicht bemerkte, dass eine Kompanie der bayerischen Gebirgsschützen aufmarschierte. Und die schossen dann plötzlich Salut. Von diesen Schüssen habe er ein Knalltrauma erlitten, sagt der 59-jährige Ministerialbeamte der Staatskanzlei.

Deshalb hat er nun vor dem Verwaltungsgericht München gegen den Freistaat geklagt – er will, dass sein Gehörschaden als Dienstunfall anerkannt wird. Außerdem geht es um fast 3700 Euro, die ihm der Freistaat für die ärztliche Behandlung vorgestreckt hatte.

Nach den Salutschüssen der Gebirgsschützen verspürte der Ministerialrat ein taubes Gefühl sowie Benommenheit. Später sei noch ein Druckgefühl im rechten Ohr hinzu gekommen. Ebenso wie ein „hochfrequentes Piepsen“.

Weil sein Hörschaden beim dienstlichen Besuch der Berliner Wiesn entstanden sei, handele es sich um einen Dienstunfall, sagt der Ministerialrat. Doch ein Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München kommt zu einem anderen Schluss. Klaus Mees schließt aus, dass die Knallerei vom 9. September 2009 die Ursache für den drei Wochen später festgestellten Schaden ist – Schwerhörigkeit und Tinnitus.

Ein erster Hörtest am 14. September 2009 habe ergeben, dass das Gehör „beidseits beeinträchtigt“ war, „rechts etwas stärker als links“, erklärt der Experte. Bei einem zweiten Hörtest zwei Wochen später, am 28. September, hatte sich das Gehör verschlechtert. Das passe nicht zu einem Knalltrauma. Denn danach sei ein Hörschaden „immer sofort und in voller Ausprägung vorhanden“, sagt der Mediziner. Der Beamte habe eine Veranlagung sowie bereits eine Vorschädigung gehabt. So habe er bereits nach einem Unfall 2001 und einer Behandlung der Halswirbelsäule 2007 unter Hörproblemen gelitten.

Dem Gericht leuchtete das Gutachten ein – damit werden die Salven wohl nicht als Dienstunfall anerkannt.

Auch Landeshauptmann Karl Steininger vom Bund der bayerischen Gebirgsschützen kann sich nicht vorstellen, dass der Ministerialrat vom dreifachen Salut einen Schaden davongetragen haben soll: Schließlich sei ein Sicherheitsabstand vorgeschrieben. „Wenn er schon so empfindlich ist, dann hätte er halt Ohropax verwenden oder sich die Ohrwaschln zuhalten sollen.“

Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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