Gemeinderat Gars hat Entscheidung getroffen

Hängebrücke über Inn: Bekommt das Projekt einen Knick?

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Die Hängebrücke solle möglichst bald realisiert werden, wenn es nach den Befürwortern ginge, doch die Kritiker mahnen die Kosten an.

Gars – Utopisch, ein „Krampf“ oder „tolle Idee“. Das Projekt „Hängebrücke über den Inn“ wird mit vielen Wörtern betitelt, zahlreiche Bürger haben ihre ganz eigene Meinung dazu. Nun hatte der Gemeinderat Gars das Brückenvorhaben auf dem Tisch liegen.

Die Hängebrücke für Fußgänger von Mittergars nach Au am Inn als Alternative zum möglichen Aufleben einer Fähre, die es bis vor einigen Jahrzehnten gab, gilt als Idee für das Gemeindegebiet von Gars, um mit einer im Landkreis Mühldorf einzigartigen Attraktion über den Inn punkten zu können. Der Tourismus solle dadurch angekurbelt, der Inn-Radweg, der durch einige Gemeindeteile führt, noch attraktiver werden.

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Hängebrücke zwischen Au und Mittergars

Ein Arbeitskreis hat sich viele Monate damit beschäftigt, eine Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben. Diese beinhaltet die verschiedenen Punkte, zeigt auf, was in etwa investiert werden müsse, welchen Mehrwert solch eine Fußgänger-Hängebrücke von Mittergars nach Au am Inn über den Fluss habe und mit welchem Arbeitsaufwand gerechnet werden müsse.

Viele Diskussionen gehen seitdem in der Bürgerschaft einher. Nach der Infoveranstaltung im Mittergarser Dorfsaal und der öffentlichen Positiv-Bekundung durch Landrat Georg Huber sowie dem Staatskanzleichef Marcel Huber, der ein klein wenig als Initiator der gewachsenen Idee gilt und für das Projekt immerhin 150.000 Euro zugesagt hat, musste nun der Gemeinderat Gars entscheiden, wie es mit dem „Brückentraum“ weitergehen möge. Bürgermeister Norbert Strahllechner betonte, es sei nach reiflicher Überlegung für die Gemeinde nicht zu stemmen, die Verantwortung und Arbeit der Trägerschaft für dieses Bauprojekt anzugehen.„Wir sind als Gemeinde die falsche Institution und der falsche Partner als Träger“, so Strahllechner in der jüngsten Sitzung. Es solle ein Verein als Projektträger einstehen, schlug der Rathauschef vor.

„Es würde für die Verwaltung einen enormen Aufwand bedeuten, dieses Bauvorhaben zu betreuen, ein bestehender oder neu gegründeter Verein könnte sich dem Projekt Hängebrücke widmen und die Gemeinde kann in bestimmtem Rahmen finanzielle Unterstützung leisten“, so Strahllechner.

Das liebe Geld

Das Interesse der Gemeinde sei grundsätzlich vorhanden, die Hängebrücke könne der Gemeinde durchaus helfen, an Attraktivität zu gewinnen, zeigte sich das Gemeindeoberhaupt überzeugt. Von Seiten der Bürgerschaft habe es jedoch auch zahlreiche kritische Rückmeldungen und Meinungen gegeben, die etliche Bürger an die Gemeinde weitergetragen hätten.

„Es gibt Befürworter, aber auch viele Kritiker“, so Strahllechner. Zahlreiche Gemeinderäte halten das Projekt für nicht finanzierbar. „Ich halte die Rechnung, dass die Brücke nur rund 800 Tausend Euro kostet für eine Schönrechnerei“, so Gaby Grundner. Die Gemeinderätin bekam umgehend Befürwortung von ihrer Ratskollegin, Hildegard Brader. „Von der Finanzierung her ist das einfach nicht realisierbar“, so Brader. Für die Gemeinde wäre es viel zu viel Geld, das investiert werden müsste. „Es gibt da definitiv andere Aufgaben und Projekte, die wir für unsere Bürger zu realisieren haben“, meint Michael Kasenbacher.

Die Infrastruktur im Gemeindegebiet sei schlecht, so Kasenbacher weiter. Man habe bisher noch wenig funktionierenden Ausbau ankurbeln können in Bezug auf Gaststätten und dergleichen. „Es ist nichts da, darum können wir möglichen Besuchern und Touristen neben der Hängebrücke nichts bieten, nicht einmal irgendwo zum Essen hinschicken in unserem Gemeindegebiet“, bemängelt Kasenbacher. Er verdeutlichte, dass man hier Steuergelder investiere und dies wohl überlegt sein müsse.

Anton Lentner und weitere Räte betonten mehrmals, dass es sich bei der Kostenaufstellung ohnehin nur um eine ungefähre Schätzung handeln würde und im Grunde alles meist teurer werde.

Anderer Meinung waren Werner Eder und Rainer Hubl. Beide zeigten Unverständnis darüber, dass sich viele ihrer Ratskollegen vom finanziellen Faktor abschrecken ließen und dem Versuch der Möglichkeiten für eine positive Entwicklung des Tourismus in und um Gars keine Chance geben würden. „Wir haben es vor 15 Jahren versäumt, im Gremium auf einen Nenner zu kommen, was die Förderung und den Ausbau eines attraktiven Radtourismus angeht, diesen Fehler sollten wir jetzt nicht wieder machen“, so Werner Eder. „Jetzt wäre die Möglichkeit da, etwas entstehen zu lassen“, ist sich Eder sicher.

Sein Ratskollege aus Gars-Bahnhof, Rainer Hubl, verwies auf die Machbarkeitsstudie. "Das sieht sehr positiv aus und es ist für einen funktionierenden Tourismus äußerst wichtig“, so Hubl. Man dürfe dieses Projekt nicht einfach vom Tisch wischen, weil es eine große Chance für den Ort bedeuten könne, zeigt sich Hubl überzeugt.

In die rege Diskussion brachte sich immer auch wieder der Bürgermeister selbst ein. „Wir sollten den Faden nicht kappen, sondern ihn weiterspinnen lassen“, so Strahllechner. Er zeigte Vorteile auf, wenn ein vereinsgeführter Projektträger gefunden werden könnte und versuchte, den teils kritisch eingestellten Gemeinderäten das Brückenbauprojekt „schmackhaft“ zu machen. Er verstehe sowohl die Kritiker aber auch die Befürworter, gab der Rathauschef an.

„Wir können über diese Kosten nicht hinwegschauen“, brachte sich Georg Suittenpointner ein. Der Mittergarser Gemeinderat taufte das Hängebrücken-Projekt als „Finanzielles Abenteuer“ und stellte sich zunächst als äußerst kritisch dar. Förderungen und eine Portion Mut werden gesucht

Die zugesagten 150.000 Euro von Marcel Huber sowie mögliche weitere, in Aussicht gestellte Fördergelder, etwa über das Mühldorfer Netz, seien im Höchstmaß gerade einmal die Hälfte der notwendigen Gelder, die der Bau verschlingen würde, zeigten sich etliche Gemeinderäte immer wieder aufs Neue überzeugt. Während man bei anderen, teils klassischen Aufgaben oft wegen der Haushaltsbelastungen herumstreite, könne man hier das Geld nicht einfach so großzügig ausgeben. „Der Magnet Brücke wird nach kurzer Zeit auch für die Menschen verflogen sein, da bin ich mir sicher“, findet Gaby Grundner. Sie sehe es an der schön ausgebauten Fischtreppe, die anfänglich sehr gut genutzt wurde, nun jedoch schon wieder an Attraktivität für die Bürger verloren hätte, so Grundner weiter.

Auch Anton Gruber betonte, die Hängebrücke sei eine reine Träumerei.

Braucht es eine Tourismus-GmbH oder ein Gemeindemarketing?

Mit einem Vorschlag der anderen Art kam Michael Inninger an. Der langjährige Gemeinderat schlug vor, dass es besser wäre, die Idee mit der Hängebrücke durch eine gegründete GmbH weiterverfolgen zu lassen. „Die Gemeinde könnte hier jährlich etwas zuschießen und die GmbH könnte den Tourismusgedanken weiterverfolgen und die Hängebrücke realisieren“, so Inninger. Um Gelder mit der Tourismusattraktion Hängebrücke von Mittergars nach Au am Inn einzunehmen und so die Kosten decken zu können, müsse man unternehmerisch denken, dies könne mit einer GmbH bestimmt am besten funktionieren, ist sich Inninger sicher. „So könnten die Infrastrukturmaßnahmen koordiniert und angekurbelt werden“, so Inninger. Bei der Abstimmung sahen es 12 Gemeinderäte durchaus positiv und befürworteten den Beschlussvorschlag, dass man nach einem Projektträger Ausschau halte, fünf Gemeinderäte waren dagegen.

Quelle: innsalzach24.de

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