Tatverdächtiger scheinbar schuldunfähig

Messerstecher von Grafing kommt in die Psychiatrie

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Grafing - Beim Messerdrama am S-Bahnhof wurde ein Mensch getötet, drei weitere verletzt. Nun wurde der Tatverdächtige 27-jährige Mann in eine Psychiatrie eingewiesen.

UPDATE, 15.30 Uhr: Messerstecher kommt in

Wie bereits mit den vorangegangenen Medieninformationen berichtet, kam es am gestrigen Dienstag, den 10.Mai, gegen 5 Uhr, zu einem Messerangriff eines 27- jährigen Deutschen mit einer getöteten, einer schwerverletzten und zwei weiteren mittelschwer verletzten Personen am S-Bahnhof Grafing. Die verletzten Personen befinden sich derzeit in verschiedenen Krankenhäusern in und um München. 

Nach derzeitigem Stand befinden sich diese Personen in einem stabilen Zustand. Bezugnehmend auf derzeit im Internet und in den sozialen Netzwerken kursierende Gerüchte bezüglich eines evtl. vorliegenden Migrationshintergrunds des Täters, wird mitgeteilt, dass der Festgenommene über keinen Migrationshintergrund verfügt.

Bisherige Ermittlungen sowie eine Vorabsichtung der Videoüberwachungen am Bahnhof ergaben, dass sich der Tatverdächtige seit dem 10. Mai, 1.38 Uhr, am Bahngleis des S-Bahnhofes Grafing und im Bereich um den Bahnhof aufgehalten hat. Eine weitere Auswertung des Videomaterials wird derzeit vorgenommen. Der exakte Reisezeitpunkt- und weg von seinem Wohnort nach München und darüber hinaus nach Grafing ist noch Gegenstand der weiteren Ermittlungen.

Im Gleisbereich wurde ein Rucksack aufgefunden, welcher dem Tatverdächtigen zugeordnet werden kann. Dieser wird derzeit untersucht. Darüber hinaus wurde ein  Mobiltelefon sichergestellt, welche derzeit ausgewertet werden. Ob dieses Mobiltelefone dem Tatverdächtigen zugeordnet werden kann, wird geprüft, ist aber noch nicht gesichert. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen in Gießen / Hessen konnten Mobiltelefone und mehrere Speichermedien sichergestellt werden, die nun ausgewertet werden müssen.

Beweismittel, die auf einen religiös motivierten Hintergrund der Tat oder andere Straftaten hindeuten, wurden nicht gefunden. Der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts München hat gegen den Beschuldigten heute die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Nach der vorläufigen Bewertung eines medizinischen Sachverständigen leidet der Täter an einer psychischen Erkrankung und es liegen dringende Gründe für die Annahme vor, dass er im Zustand der Schuldunfähigkeit oder zumindest verminderten Schuldfähigkeit die Taten begangen hat.

Pressemitteilung Bayerisches Landeskriminalamt

Viele Fragen noch offen

Am S-Bahnhof in Grafing haben sich am Dienstagmorgen gegen 4.45 Uhr dramatische Szenen abgespielt. Ein 27-Jähriger hatte dort offenbar wahllos mit einem Messer auf Passanten eingestochen. Dabei wurde ein 56-Jähriger aus Wasserburg getötet, drei weitere Männer (58, 55, 43) wurden zum Teil schwer verletzt.

Auch einen Tag nach dem schrecklichen Drama bleiben noch viele Fragen offen. Zum Gesundheitszustand der Verletzten konnte die Pressestelle des Landeskrimimalamtes am Mittwochmittagimmer noch keine neuen Erkenntnisse bekanntgeben. Der Zustand sei unverändert, hieß es auf Anfrage von rosenheim24.de. Zudem seien die Beamten weiterhin damit beschäftigt, weitere Informationen zu dem Fall zu sammeln.

Am Mittag wurde auch der mutmaßliche Täter, ein 27-jähriger Mann, der aus Gießen in Hessen stammt, dem Haftrichter vorgeführt. Es muss entschieden werden, ob der Mann in Untersuchungshaft genommen oder stattdessen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Er soll die Tat bereits in einer polizeilichen Befragung eingeräumt haben.

Spurensicherung nach tödlicher Messer-Attacke in Grafing

Paul H. oder Rafik Y.?

Bereits am Tattag hatte es zum Teil wilde Spekulationen über den Täter und über einen möglichen islamistischen Hintergrund gegeben. Ein nicht sehr seriös wirkender Blog im Internet behauptete, dass der Täter nicht Paul H. sondern in Wahrheit Rafik Y. heißen würde und entgegen Polizeiangaben sehr wohl einen muslimischen Migrationshintergrund haben solle. Zudem bezeichnete der Blog die Berichterstattung der sogenannten „Qualitätsmedien“ als „Skandal“! Eine andere Internet-Seite aus Österreich wiederum wirkte dem entgegen und schrieb, Rafik Y. sei bereits seit September 2015 tot.

Messer-Attacke am Grafinger Bahnhof

Zwecks einer möglichen Klarstellung hat rosenheim24.de beim Landeskriminalamt nachgefragt. Aus Datenschutzgründen bestätigte die Behörde keinerlei Namen, sondern lediglich, dass der mutmaßliche Täter 27 Jahre alt sei und es nach derzeitigem Ermittlungsstand keinerlei Zweifel an dessen Identität gebe. Einen islamistischen Hintergrund dementierten die Beamten aber erneut vehement, auch wenn die Behörde bereits in einer Pressemitteilung vom Montag bestätigt hatte, dass der Täter die Ausrufe „Allahu Akbar“ und „Ihr seid Ungläubige, ihr müsst alle sterben“ getätigt haben soll. 

Außerdem verwahrten sich die Verantwortlichen in einem Facebook-Post gegen den Vorwurf, dass es angeblich eine Nachrichtensperre gegeben habe. Dies sei zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen.

mw/anh

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