Weiterer Protest gegen Capleton-Konzert

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Auftritt von Capleton sorgt wieder für viele Diskussionen.

Übersee - In einem offenen Brief fordert die Grüne Jugend Bayern von den Veranstaltern des "Chiemsee Reggae Summers 2011" jetzt die Absage des Capleton-Konzerts.

Bereits im Mai hatte das Rabatz-Bündnis schon zu Protesten gegen Homophobie aufgerufen. In ihrer Presseerklärung prangert das Bündnis an, dass "mit Capleton, der schon 2007 Gast des CRS war, erneut ein homophober 'Künstler', der für seine antihomosexuelle Propaganda bekannt ist, beim Chiemsee Reggae Summer 2011 auftreten soll." Jetzt folgte ein offener Brief der Grünen Jugend Bayern:

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Altmann,

mit großem Unverständnis und Entsetzen haben wir erfahren, dass der homosexuellenfeindliche Sänger Capleton in diesem Jahr erneut auf dem Chiemsee Reggae Summer auftreten soll. Haben Sie denn aus der Absage des Sizzla-Konzerts im letzten Jahr nichts gelernt?

Wie Sizzla ruft auch Capleton in einigen Texten (z.B. „Hang Dem Up", "Give Har" oder "Bun Out Di Chi Chi") zum Mord an Schwulen und Lesben auf. Mit dem Aufruf „Fire bun batty bwoy“ („Das Feuer soll den Schwulen verbrennen“) zeigt Capleton in aggressiver und brutaler Weise seine homophobe Einstellung. Wir wollen auf dem Chiemsee Reggae Summer keinen Künstler auf der Bühne sehen, der in menschenverachtender Art und Weise gegen die LGBT-Community hetzt.

Auch andere Reggae-Sängerinnen und Reggae-Sänger haben das erkannt. Gentleman äußert sich im laut.de-Interview von April 2010: „Ich finde auch, dass man homophoben Sängern und denen, die solche Hasstiraden verbreiten, keine Plattform geben sollte. […] Ich unterstütze eben keine Homophobie. Auch nicht im Reggae.“ Hans Söllner bezeichnete Capletons Kollegen Sizzla im Freilassinger Anzeiger (Ausgabe vom 31. Mai 2010) als „dummen Rassisten“ und rief dazu auf, dass „die Leute beim Auftritt des Jamaikaners der Bühne den Rücken zukehren und ihm damit zeigen, dass man sich so einfach nicht verhalten kann“. Die Band Irie Revoltés, die ebenfalls auf dem Chiemsee Reggae Summer 2011 auftreten sollen, engagieren sich aktiv gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie.

Volksverhetzung und Aufrufe zu Straftaten können Sie nicht als Meinungsfreiheit schönreden. Wir fordern Sie auf, das Konzert von Capleton umgehend abzusagen und in Zukunft keine weiteren schwulenfeindlichen KünstlerInnen und Gruppen auf Ihr Festival einzuladen. Es ist unfassbar, dass fast in jedem Jahr homophobe Hassmusik auf dem Chiemsee Reggae Summer gespielt werden soll.

Wir stellen uns que(e)r – wir wollen keine Bühne für Homophobie!

PRESSEMITTEILUNG GRÜNE JUGEND Bayern

Das sagt der Veranstalter zu den Vorwürfen:

In der bereits seit einigen Jahren geführten Diskussion um sogenannte „homophobe lyrics“ einiger Dancehall Artists haben wir uns stets dafür eingesetzt, dass die Auftritte der entsprechenden Künstler stattfinden können, sofern diese sich an die in Deutschland bestehenden Rechtsnormen, insbesondere strafrechtliche Vorschriften, halten.

Aufgrund der für jedermann geltenden und unveräußerlichen Grundrechte, unter anderem das Recht auf Meinungs-, Kunst- und Religionsfreiheit sowie das Recht auf Freizügigkeit, lehnen wir Zensurmaßnahmen, Auftritts- und Einreiseverbote etc. grundsätzlich ab.

Auch Capleton hat sich diesbezüglich auf der Internetseite des Chiemsee Reggae Summers schon zu Wort gemeldet:

"Obwohl die überwältigende Mehrheit meiner Zuhörer weiterhin eine zutiefst positive Erfahrung sowohl aus meiner Musik als auch meinen Bühnenaufführungen zieht, sind kürzlich einige Missverständnisse im Hinblick auf die Absichten meiner Musik aufgekommen. Da ich ein zutiefst gläubiger Mensch bin, reflektiert meine Musik oft die Lebenseinstellung eines Rastafaris, was manchmal nicht bei allen Zuhörern Anklang findet. Eines möchte ich allerdings absolut klarzustellen: Ich bin strikt und überzeugt gegen Gewalt und jeglichen Hass. Ich glaube an eine universelle Liebe, welche die Kraft hat, die Menschheit zu einen und ich hoffte, dass meine Texte in einem metaphorischen Sinn verstanden werden, so wie ich es beabsichtigte. In Zukunft übernehme ich die Verantwortung, dass solche textlichen Missverständnisse vermieden werden."

Hier sehen Sie das komplette Statement des Veranstalters zu Capleton

ps

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser