Landtag entscheidet

Historiker erforschen Nazi-Erbe in der Staatsverwaltung

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Der Bayerische Landtag hat beschlossen, eine Forschungslücke in der Bayerischen Geschichte zu schließen.

München - Im Auftrag des Landtags soll eine Forschungslücke in der bayerischen Geschichte geschlossen werden: Historiker sollen die NS-Belastung von Staatsregierung und -verwaltung in der Nachkriegszeit aufarbeiten.

Der Wissenschaftsausschuss des Landtags gab am Mittwoch in einem parteiübergreifenden Beschluss grünes Licht. Für die Arbeit stehen in den nächsten sechs Jahren voraussichtlich 1,8 Millionen Euro bereit, wie der Initiator Sepp Dürr (Grüne) anschließend berichtete. „Jetzt haben wir einen Forschungsplan.“

Ausgangspunkt ist die bekannte Tatsache, dass in Polizei, Justiz, an den Schulen und in der Staatsverwaltung in der Nachkriegszeit viele Beamten weiterarbeiteten, die bereits während der NS-Zeit tätig gewesen waren - darunter auch überzeugte Nazis. Bekanntester Fall der Nachkriegspolitik war der Staatsrechtler und CSU-Politiker Theodor Maunz, der 1964 wegen seiner Propagandaschriften für das NS-Regime seinen Posten als Kultusminister verlor.

Es geht jedoch keineswegs nur um längst gestorbene Beamte und Politiker: Der Freistaat Bayern übernahm das NS-Vermögen - darunter Tausende von Immobilien, die NSDAP, SS und andere NS-Organisationen ihren Eigentümern abgepresst hatten, und zwar keineswegs nur jüdischen Besitzern. Bei der Rückgabe der Immobilien zeigte sich das Finanzministerium oft sehr zögerlich, wie aus den im Münchner Staatsarchiv lagernden Akten hervorgeht. Bis heute ist unklar, in welchem Ausmaß der Freistaat finanziell profitierte. „Das ist alles noch nicht aufgearbeitet“, sagte Dürr.

dpa

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