User-Fragen zum Thema Asyl:

Was kostet Integration, Herr Neumeyer?

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Rosenheim - Aufnahme, Unterbringung, Ausbildung: Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, über Kosten, die die Integration von Flüchtlingen mit sich bringt:

"Man muss unterscheiden. Die Leistungen die derzeit in großem Maß geleistet werden, sind Maßnahmen, den Migranten ein Dach über dem Kopf zu geben, zu versorgen. Das sind einige Milliarden", erklärt der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, im dritten Teil unserer Serie zum Thema Asyl und Integration. Welche Kosten dennoch im Laufe der nächsten Jahre auf Deutschland und damit auch den Freistaat zukommen werden:   

"Wir reden von ungefähr zwei Milliarden Euro noch in diesem Jahr und rund sechs Milliarden im kommenden Jahr", überschlägt Martin Neumeyer, wenn es an die Kosten für die Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge geht. "Dann erst kommen die Gelder für Integrationsleistungen noch dazu". Sprachkurse, Arbeitsprojekte, Erweiterungen für Schulen dürften laut Schätzungen des Integrationsbeauftragten nochmals einige Hundert Millionen Euro kosten: "Der Bund hat festgelegt, dass er 670 Euro pro Person zahlt. (...) Dann kommen natürlich nochmal die Sonderleistungen dazu. In den Landratsämtern mehr Personal, mehr Polizei, mehr Richter, mehr Kindergärtnerinnen, mehr Lehrer", rechnet Neumeyer.

Ist dafür mit Einsparungen zu rechnen?

"Noch nicht," so Neumeyer knapp, da die deutsche Wirtschaft derzeit auf soliden Füßen stehe. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble könne derzeit auf hohe Einnahmen zurückgreifen, woraus auch der Haushalt 2016 komplett finanzierbar sei, so Neumeyer. Gleiche Situation im Freistaat: Dank finanzieller Rücklagen müsse man keine Steuern erhöhen oder neue Schulden aufbauen. "Wir können uns das momentan so leisten", zieht Neumeyer Bilanz.

"Man muss aber auch an die einheimische Bevölkerung denken," ergänzt der Integrationsbeauftragte. Spätestens wenn es soweit komme, dass die Bevölkerung auf diverse Dinge verzichten müsse, stehe die Politik vor großen Herausforderungen. Auch deshalb müsse sich der politische Blick nach vorne richten. "Wie lange ist das möglich in dieser Größenordnung?", fordert Neumeyer seine Kollegen in der Politik dabei zum Nachdenken auf.

"Es gibt jetzt schon verstärkt eine gesellschaftliche Debatte, wie es in der Zukunft aussehen wird", so Martin Neumeyer. Egal ob Schlagwörter wie Überbevölkerung oder auch Islamisierung, alle Themen müssten offen angegangen und auch diskutiert werden. "Wir müssen alles ernst und wahrnehmen. Da gibt es viele Dinge, die man nicht erkennt, wenn man auf der Sonnenseite steht. Wir müssen auf diese Ängste reagieren und in die Zukunft denken", schlägt Neumeyer den Bogen zu den Bedenken in Teilen der Bevölkerung.    

Vierter Teil der Serie am Donnerstag

Am Donnerstag folgt der vierte und letzte Teil unserer Reihe zum Thema Integration. Zum Abschluss der Reihe widmen wir uns dann dem Thema "Konflikte". Angst vor Terror im eigenen Land, Gewalt und mögliche Gefahren, wenn verschiedene Kulturen aufeinanderprallen. Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, gibt Antworten auf die meist gestellten Fragen unserer Leser, am Donnerstag, im letzten Teil unserer Serie zum Thema Integration.

Rubriklistenbild: © pa/dpa

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