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Neumeyer: "Ohne Ehrenamt, keine Chance"

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Rosenheim - Welche Rolle spielt das Ehrenamt? Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, über Deutschkurse, die Helfer und kommende Herausforderungen:

Rund 800 Sprachkurse werden derzeit alleine von ehrenamtlichen Helfern, größtenteils in Eigenregie, auf die Beine gestellt. Gleichzeitig geht die Bundesregierung von einem Zustrom an Flüchtlingen im siebenstelligen Bereich aus. Reichen diese Kurse zum Angebot des Freistaats dann überhaupt noch aus? Wann ist die Belastungsgrenze für das Ehrenamt erreicht? Auch im dritten Teil unserer Reihe gibt der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, wieder Antworten auf die Fragen unserer Leser:

"Ich möchte dem Land etwas zurückgeben, also gebe ich einen niederschwelligen Deutschkurs", so Martin Neumeyer über die Motivation vieler Menschen in seinem eigenen Bekanntenkreis, sich für Flüchtlinge einzusetzen. 82 offiziellen Kursen der Staatsregierung stehen so rund 800 Deutsch-Kurse von freiwilligen Helfern gegenüber. "Das alleine ist jedoch nicht ausreichend, wenn man die Dimension hochrechnet, die jetzt auf uns zukommt", erklärt der Integrationsbeauftragte weiter. So geht Martin Neumeyer fest davon aus, dass bis zum Ende des Jahres insgesamt mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sein werden. "Wir werden auch nicht alles perfekt machen können. (...) Da werden wir manche Abstriche machen müssen", ergänzt Neumeyer. Alleine die Versorgung der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, die "selbstverständlich richtig und wichtig ist", sei mit enormem Aufwand für die beteiligten Behörden verbunden.      

"Momentan funktioniert es noch. Das Ehrenamt ist ganz, ganz wichtig."

"Ohne die Ehrenamtler, keine Chance", zieht Martin Neumeyer knapp Bilanz. "Glücklicherweise gibt es derzeit noch eine unwahrscheinliche Begeisterung für das ehrenamtliche Engagement", fügt der Integrationsbeauftragte hinzu. Mit Angeboten wie der Asyl-Sozialberatung und sogenannten "Kümmerern" greift der Freistaat dabei dem Ehrenamt unter die Arme. Zusätzlich sollen künftig weitere 10.000 BUFDIs zum Einsatz kommen. Trotzdem mahnt Neumeyer zur Vorsicht: "Der Staat alleine kann das nicht zahlen, er kann das nicht machen", gibt er abschließend zu bedenken. Zudem stelle die Hilfe des Ehrenamts, aus der Mitte der Gesellschaft, eine Chance dar, die Zuwanderung auch in der Bevölkerung zu tragen, so Martin Neumeyer: "Vielleicht kann man so auch jemanden überzeugen, der Vorurteile hat und Grenzen sieht, das es notwendig ist."

Neben den Sprachkursen spielt aber auch die psychologische Betreuung von mit Kriegs-Traumata belasteten. "Wenn jemand wirklich belastet ist, wird es schwierig sein, in einer fremden Sprache alles zu erklären. Deshalb ist es auch da ein Ansatz, muttersprachliche Psychologen einzusetzen", so Neumeyer. Zwar ist der Integrationsbeauftragte persönlich der Meinung, dass hier Angebote nicht in ausreichendem Maß vorhanden seien, er gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass eine professionelle Behandlung von Traumata nicht nur viel Geld sondern auch Zeit in Anspruch nehmen würden.

Dritter Teil der Serie am Mittwoch

Am Mittwoch folgt der dritte Teil unserer Reihe zum Thema Integration. Martin Neumeyer geht dann auf den finanziellen Rahmen der Integrationsmaßnahmen näher ein. Was kostet die Integration den Steuerzahler? Sind die Schätzungen realistisch? Und müssen die deutschen Bürger dafür mit Einschnitten in anderen Bereichen rechnen? Die Antworten im dritten Teil der Serie mit dem Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer.

Rubriklistenbild: © pa/dpa

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