Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen

Noichl: "Gewalt ist ein Thema der Macht"

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Maria Noichl zum internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen

Rosenheim/Brüssel - 12 Prozent aller Mädchen unter 15 Jahren wurden im EU-Durchschnitt bereits Opfer eines sexuellen Übergriffs. Maria Noichl plädiert für europaweite Regeln: 

Am 25. November findet traditionell der internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen statt. "Mit dem Brennpunkt häusliche Gewalt wollen wir versuchen, physische, psychische und auch sexualisierte Gewalt gegen Frauen aus der Anonymität in den heimischen vier Wänden an die Öffentlichkeit zu tragen. Das was da passiert ist eben nicht privat", erklärt die Rosenheimer Europaabgeordnete Maria Noichl im Gespräch mit rosenheim24.de. Dass das Thema auch heute noch von anhaltender Brisanz sei, verdeutlichten die aktuellen Zahlen: Im Europaweiten Durchschnitt geben 12 Prozent der Mädchen unter 15 Jahren an, eine Form des sexuellen Missbrauchs erlebt zu haben. Eine von 20 Frauen sei dabei seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden und mehr als die Hälfte aller Frauen gebe an, bestimmte Orte aus Angst vor sexuellen und körperlichen Angriffen zu meiden. Wie die Politik in Brüssel dem Gewaltproblem zu Leibe rücken will.

Opferschutz und Täterverfolgung: "Hinschauen statt wegschauen"

"Wir sind eine Union des Friedens, trotzdem werden Frauen weiter Opfer von Gewalt", blickt Maria Noichl mit Sorge auf die sogenannte "Istanbul-Konvention", eine Übereinkunft verschiedener, europäischer Mitgliedsstaaten, die vor allem Prävention und Beratung, aber auch Schutz und Rechtmittel für die Betroffenen garantieren soll. "Doch unterschreiben alleine hilft nicht. Die Einrichtungen müssen auch finanziell unterstützt werden", mahnt die Europaabgeordnete und fordert, nach einer Ratifizierung auch Taten folgen zu lassen.

So gestalte sich die Umsetzung der Konvention in vielen Ländern äußerst unterschiedlich: Spanien beispielsweise sei das einzige Land in der Union, dass über eine abgetrennte Gerichtsbarkeit speziell für Fälle häuslicher Gewalt verfüge. "Es gibt eigene Richter, die speziell für den sozialen Nahbereich geschult sind. Dazu noch Kampagnen, die das Thema beispielsweise jeden Tag vor den 20-Uhr-Nachrichten ansprechen. Ganz nach dem Motto: hinschauen statt wegschauen," so Maria Noichl weiter.

In Deutschland zeige sich die Situation dagegen anders: "Es fehlt uns an einheitlichen Zahlen. (...) In Deutschland wird häusliche Gewalt in der Kriminalstatistik nicht explizit ausgewiesen", so Noichl. Es sei grundsätzlich davon auszugehen, dass je konservativer ein Land sei und je mehr Einfluss die Kirche auf das Leben der Menschen habe, desto mehr Fälle von häuslicher Gewalt zu verzeichnen seien, so die Europaabgeordnete. Die berüchtigte Dunkelziffer ganz zu schweigen.

"Der Gewalt von Innen ein Ende setzen": Ursachen und Lösungen

"Wenn ein Mann seine Frau und die Kinder ersticht, dann ist das kein Familiendrama, dann ist das Mord", verdeutlicht Maria Noichl ihre Haltung und fordert, Delikte im häuslichen Umfeld genauso in der Öffentlichkeit zu behandeln. Die Ehe dürfe schlicht kein rechtsfreier Raum sein, die Mittel zur Strafverfolgung müssten analog zu anderen Gewalttaten angewendet werden. Ein erster Schritt müsse dazu jedoch sein, dass sich die betroffene Frauen aus der "Spirale der Gewalt" auch befreiten.

Prävention beginnt für die Europaabgeordnete dabei bei der Bildung, in der Schule und im täglichen Leben, doch: "Gewalt ist kein Problem der Unterschicht. (...) Gewalt ist ein Thema der Macht. Das Kitzeln in den Fingern verspüren Männer dabei ganz unabhängig von Ihrem Bildungsstand", so Noichl weiter. Sie unterscheidet dabei nicht zwischen psychischen und physischen Misshandlungen, der Zweck sei dabei schließlich derselbe: Dominanz gegenüber dem Anderen ausüben.

Sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz und falsche Verdächtigungen 

Ebenso wichtig sei dann noch das Thema "sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz". "Hier erwarte ich eine Sensibilisierung der Vorgesetzten und auch Ansprechpartner, die die Sorgen ernst nehmen", so die EU-Abgeordnete. So seien sexuelle Übergriffe und Belästigung nach wie vor ein Grund, warum Frauen auch heute noch nicht bis ganz nach oben ans Ende der Karriereleiter kletterten. Die sogenannte "gläserne Decke", angefangen bei Berührungen vom Chef bis hin zu massiven Übergriffen, sorge schließlich dafür, dass Frauen im Job nicht be- sondern auch abgewertet würden. 

Toleranz oder Verständnis für falsche Verdächtigungen oder vorsätzliche Anschuldigungen zeigt Maria Noichl dabei keineswegs. "Wenn das ganze vorgetäuscht wird, dann ist das ein Schlag in Gesicht aller Frauen", so die Europaabgeordnete abschließend. Je besser das Personal jedoch geschult sei, desto schneller könnten auch diese Angriffe erkannt werden, auch wenn es manchmal schon reiche, nur mit Dreck zu werfen.      

Eine ganz neue Dimension nehme die Diskussion um Gewalt gegen Frauen derzeit in Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation ein. "Für weibliche, syrische Flüchtlinge ist der Weg aus dem Krieg nochmal um einiges härter", auch ein Grund dafür, dass die Europaabgeordnete auf das Thema auch in Zeiten von "Gewalt von Außen" mit Nachdruck aufmerksam mache.

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