Shitstorm nach Diskriminierung

Hersteller "verbietet" Homosexuellen seine Limo

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Die Facebook-Seite der Limo mit der Entschuldigung.

Stuttgart - Waldmeister-Brause für Schwule? Das könnte der Marke schaden, dachte sich ein Getränkehersteller. Er hatte einer Stuttgarter Schwulenbar ein Angebot gemacht - das er zurückzog. Doch der Schachzug ging ordentlich nach hinten los.

Hinweis: Bei dem Getränkeunternehmen handelt es sich NICHT um die Gourvita GmbH mit Geschäftsführer Markus Kern aus Roedermark!

"Phantasia": So heißt sie, die Waldmeister-Limonade des Füssener Getränkeunternehmens TMW Kern GbR, die laut Geschäftsführer Kern eigentlich nur für Heterosexuelle gedacht ist. Einem Bericht des Stern zufolge teilte er das in einer E-Mail dem Inhaber der Stuttgarter Schwulenbar "Boots Westernbar", Thomas Drewitz, mit. Kern: "Homosexuelle gehören leider nicht in unsere Zielgruppe." Die Getränkefirma hatte der Bar ein Angebot gemacht, um die Limonade bewerben zu lassen. Drewitz war interessiert, wollte das Produkt testen und forderte eine Lieferung an.

"Man rutscht ganz schnell in eine Schiene"

Statt dem Testkarton erhielt der Barbetreiber allerdings eine unschöne Nachricht von Kern. Dieser erkundigte sich, ob es richtig sei, dass es sich bei der "Boots Westernbar" um eine Schwulenkneipe handle. "In dem Fall wäre es für uns nicht sehr sinnvoll dort erhältlich zu sein, da wir eben ganz neu auf dem Markt sind und dabei sind, eine Marke aufzubauen", heißt es in der E-Mail. Darin schreibt Kern, dass die Auswahl von Zielgruppen gerade für ein neues Produkt besonders wichtig sei. Zum Beispiel Studenten, Kinder oder auch ältere Menschen, die sich an den Waldmeister-Geschmack von früher erinnern sollten. Homosexuelle gehörten jedoch nicht zur Zielgruppe der "Phantasia"-Brause. Der Aufbau einer Marke ist Kern zufolge ein heikles Thema: "Man rutscht ganz schnell in eine Schiene und wird damit verbunden."

Ein Fall von Homophobie also? Kern relativiert in der Mail seine Ausführungen: "Das soll auf keinen Fall abwertend klingen." Allerdings legt er noch nach, dass er einen Getränkekarton gerne vorbeischicken würde - wäre die Bar eben keine Schwulenkneipe.

Drewitz zeigte sich auf seiner Facebook-Seite entsetzt und stellte Kerns Nachricht online. Außerdem schrieb Drewitz im sozialen Netzwerk: "Was es alles gibt! Wusstet Ihr, dass es Erfrischungsgetränke nur für Heterosexuelle Verbraucher gibt? Nein? Wir bis heute auch nicht, jeder kann theoretisch trinken was er will, oder haben wir da was falsch verstanden?" Zahlreiche Facebook-Nutzer äußerten in Kommentaren ihre Entrüstung.

Shitstorm: Seite nicht erreichbar - öffentliche Entschuldigung

Die Folge war, dass die Homepage des Getränkeherstellers und auch die „Phantasia“-Facebook-Seite  zwischenzeitlich nicht mehr erreichbar waren. Auf letzterer hat sich die Firma, gebeutelt von einem Sturm der Entrüstung, mittlerweile entschuldigt. Der Wortlaut: "Hallo zusammen, hiermit entschuldigt sich die TMW Kern GbR öffentlich für ihre Aussagen. Diese sollten selbstverständlich niemanden verletzen oder beleidigen. Hier waren wir wohl zunächst zu blind zu erkennen, dass jede Markenbildung natürlich unwichtiger ist als Menschlichkeit und Würde. Das tut uns sehr leid. Unsere Philosophie beruht voll und ganz auf dem menschlichen Miteinander, dass sich alle Menschen gleich welcher Gesinnung in Frieden miteinander verstehen und gemeinsam Spaß am Leben haben. Dafür sollte natürlich auch unser Getränk, die Waldmeister-Limo Phantasia, stehen. Deshalb sehen wir unseren Fehler ein und würden gerne vornehmlich der Boots Westernbar, sofern sie noch Interesse hat, natürlich kostenlos einen Tray zukommen lassen als Wiedergutmachung. Wir wünschen euch allen einen guten Durst und eine leckere Erfrischung mit unserer Waldmeister-Limo!"

Persönliche Anfeindungen: Selbst Schwester des Firmenchefs wird attackiert

Gebracht hat es dem Brause-Hersteller nicht wirklich etwas. Denn der Shitstorm geht in den Kommentaren unter dem Post weiter. Der Unternehmer wandte sich offenbar auch nochmal mit einer Art Hilferuf an die "Boots Westernbar", da die Anfeindungen inzwischen bis in den privaten Bereich von Kern und seiner Familie reichen. Auf der Facebook-Seite der "Boots Westernbar" steht dazu Folgendes: "Der Geschäftsführer, Herr Kern, schrieb mir heute eine eMail, wo er mich über die veröffentlichte Entschuldigung informierte und mir zeitgleich mitteilte, dass er und seine Schwester üble Nachrichten auf ihre Handys bekommen. Ich kann zwar nicht nachvollziehen, woher manche die Handynummer der Schwester haben, ich wusste nicht einmal, dass er eine Schwester hat, aber sei's drum. Das gehört sich nicht, Unbeteiligte in die Sache mit hinein zu ziehen, und daher bitte ich alle, die ihren Protest los werden wollen: Nutzt dieses Forum oder die Homepage von der Firma. Persönliche Anfeindungen in Form von Drohanrufen und Nachrichten als SMS oder Whatsapp sind nicht unser Niveau und dienen der Sache nicht wirklich. Also seid bitte so gut und haltet Euch daran!"

Hinweis: Bei dem Getränkeunternehmen handelt es sich NICHT um die Gourvita GmbH mit Geschäftsführer Markus Kern aus Roedermark!

mas

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