Belegschaft macht in Seeon Druck

Klage und Baustopp: Das Ende für die "Camba"-Brauerei?

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Um die 350 Menschen versammelten sich am Montag im halbfertigen Rohbau im Seeoner Gewerbegebiet.

Seeon - Entweder man wächst oder es droht das Ende: Weil eine Klage den "Camba"-Neubau stoppte protestierten nun 350 Arbeiter und Freunde der Brauerei. Ihnen könnten ungewisse Zeiten bevorstehen.

Es wäre ein harter Schlag für die jungen Mikrobrauereien in Bayern: Die Biere aus der "Camba"-Brauerei wollen sich bewusst abheben, gerade Mal 4000 Hektoliter produziert man momentan am Standort in Truchtlaching jährlich. Die Brauerei muss wachsen, in Seeon wollte man deshalb zusätzlich ausbauen - doch wegen einer Nachbarschaftsklage herrscht seit 29. Februar Stillstand. Am gestrigen Montag deshalb der Protest im halbfertigen Rohbau.

"Manche meinen, hier würde ein Monster entstehen"

So sieht es derzeit aus.

"Da steht doch nicht nur eine Firma oder ein Geschäftsführer hinter so einem Neubau, sondern auch 100 Mitarbeiter und ihre Familien. Aber leider meinen manche, hier würde ein Monster oder sonst irgendwas entstehen", so Geschäftsführer Markus Lohner enttäuscht. Weil von der künftigen Produktion zu viel Lärm ausgehen könnte haben drei Seeoner, darunter zwei Anwohner, gegen den Bau geklagt - obwohl man sich innerhalb aller gesetzlichen Grenzen befinde, wie Lohner meint. Nun ruht der Fall vor dem Verwaltungsgericht in München - wenn es so weiter geht droht der jungen Brauerei das Aus.

Von 100.000 Euro Verlust im Monat spricht Lohner derzeit: "Wirtschaftlich und wegen den Produktionsengpässen ist dieser Baustopp ein Riesenproblem", so Lohner. Die Expansion sieht der Geschäftsführer für seine Brauerei als lebensnotwendig: 12.000 Hektoliter mehr könnte man mit den Kapazitäten am zweiten Standort Seeon dann produzieren. In rund zwei Monaten wollte man eigentlich einziehen - nun herrscht pures Rätselraten.

Noch mindestens ein Monat zittern

"Am 20. April könnte ein Urteil fallen", meint der Geschäftsführer vor den 350 Menschen, die aus Protest in den halbfertigen Rohbau gekommen sind. Doch so sicher ist er sich nicht: "Eine Prognose traue ich mir nicht zu, auch mit dem plötzlichen Baustopp hat niemand gerechnet." Schluss war Ende Februar außerdem auch für über zehn Baufirmen aus der Region.

Fotos vom Protest der "Camba"-Belegschaft in Seeon gegen Klage und Baustopp

Bürgermeister Bernd Ruth positioniert sich dabei klar hinter "Camba": Er hat noch den ein oder anderen Anwohner dazu bewegen können, von der Klage Abstand zu nehmen. "Viele Orte in der Region werden zu reinen Schlaforten verwandelt. Aber die Familien sollen hier bleiben, die Menschen sollen hier eine Arbeit finden", meinte Ruth entschlossen.

Aus Bayern auswandern?

"Es steht jetzt einfach in den Sternen wie es weitergeht", so "Camba"-Geschäftsführer Lohner. Aber eins weiß er sicher: Man könne es sich nicht leisten, die halbfertige Baustelle ein Jahr so stehen zu lassen.
Wegen des Baustopps in Seeon aber auch wegen dem engen Korsett des Reinheitsgebots spielt Markus Lohner bereits mit dem Gedanken, mit der Brauerei aus Bayern auszuwandern - mehr dazu lesen Sie am Mittwoch in einem weiteren Artikel.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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