Bruckmühler war vor Traunsteiner Landgericht angeklagt

Stieftochter 176 Mal sexuell missbraucht: Das Urteil

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Traunstein/Bruckmühl - Das Urteil vor dem Traunsteiner Landgericht ist gefallen: Wegen 176-maligen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter muss ein Bruckmühler für Jahre hinter Gitter.

Richter Klaus Weidmann kam nicht umhin, all die Details der sexuellen Übergriffe in der Urteilsbegründung nochmals genau zu schildern - der Angeklagte, ein 49-jähriger Bruckmühler, saß ihm dabei völlig ruhig gegenüber und hörte zu. Auch beim Urteil keine Regung: Fünf Jahre muss der Mann ins Gefängnis. In 176 Fällen hat er seine Stieftochter - rechtlich eine Schutzbefohlene - sexuell missbraucht.

Zwischen September 2011 und Oktober 2013 spielten sich die Taten in der Bruckmühler Wohnung ab. Das Opfer war damals zwischen zehn und zwölf Jahre alt. In zehn der 176 Fälle war es sogar schwerer sexueller Missbrauch. Die Intensität der Übergriffe steigerte sich im Laufe der Zeit, meist geschahen die Taten im Kinderzimmer des Mädchens. 

Die Folgen der Übergriffe

"In dem Kind steckt jetzt Angst", so der vorsitzende Richter Weidmann. Auch die Familie brach in Folge der Taten auseinander. "Würde man alle Strafen der Einzeltaten addieren käme man auf eine astronomische Summe", so Weidmann. Wie er erklärte, sieht die Praxis des deutschen Rechtssystems vor, sich am Strafrahmen der schwersten Tat zu orientieren und diese zu erhöhen. 

Zu Gunsten des Angeklagten spricht ein Teilgeständnis, seine Kooperation in der Hauptverhandlung und dass er nicht vorbestraft ist. "Außerdem übte er keine zusätzliche körperliche Gewalt aus und bedrohte das Kind nicht", so der vorsitzende Richter. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, Verteidigung und Staatsanwaltschaft können innerhalb einer Woche Revision einlegen.

Unser Vorbericht

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-jährigen Angeklagten vor, seine damals zehnjährige Stieftochter ab September 2011 über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren sexuell schwer missbraucht zu haben. Er soll mehrmals die Woche sexuelle Handlungen an dem Kind vorgenommen oder an sich vornehmen haben lassen. Am 6. September wurde der Prozess eröffnet, am heutigen Donnerstag fällt um 9 Uhr das Urteil vor dem Traunsteiner Landgericht.

Staatsanwältin Kerstin Spiess forderte in ihrem Plädoyer sechs Jahre Haft ohne Bewährung. Sie geht von 176 Fällen aus, in dem der 49-Jährige seine Stieftochter sexuell missbraucht haben soll. Zudem habe der Bruckmühler im Laufe des Verfahrens nur geringe Einsicht gezeigt und sei von Zeugen als jähzorniger und aggressiver Mensch beschrieben worden, der kein "Nein" akzeptiere.

Verteidiger Andreas Grabmann aus Rosenheim räumte zu Beginn seines Plädoyers ein, dass es nicht zu bestreiten sei, dass der Angeklagte sich schuldig gemacht habe, die Geschädigte mehrfach sexuell missbraucht zu haben. "Der Angeklagte hat in der richterlichen Vernehmung gesagt, dass er Mist gebaut hat. Er hat Teilgeständnisse getätigt", so der Verteidiger. Anwalt Grabmann bezweifelt aber die Häufigkeit von 176 Fällen. 

"Ich kann mich nur bei allen Beteiligten entschuldigen, insbesondere bei den Kindern. Es tut mir furchtbar leid", so die letzten Worte des Angeklagten im Verfahren. 

Um 9 Uhr wird das Landgericht sein Urteil fällen. Wir berichten direkt nach der Urteilsverkündung.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa - picture alliance/Symbolbild

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