ARTIKELSERIE: MEINE NEUE HEIMAT - WIE DENKEN ZUGEZOGENE ÜBER BAYERN?

Rheinländerin: "Ich komme mir vor wie eine Aussätzige"

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Landkreis - Wie fühlen sich Zugezogene im schönen Bayern? Was denken sie über Land und Leute? Wir wollten von Nichtbayern wissen, wie sie über Ihre neue Heimat denken.

Einige Leser haben uns auf unseren Aufruf hin von ihren Erfahrungen mit ihrer neuen Heimat, positive wie negative, berichtet. Diese Eindrücke möchten wir wir im Rahmen der Artikelserie "Bayern - meine neue Heimat" veröffentlichen. Vielleicht bekommt der ein oder andere dadurch eine neue Sicht auf unser schönes Oberbayern und seine Menschen.

Jeden Sonntag wird ein Erfahrungsbericht veröffentlicht

Diese Woche: Vom Rheinland nach Bernau

"2006 kam ich mit meinem damaligen Lebenspartner hier an den Chiemsee, weil er schon über 30 Jahre hier eine Wohnung hat. Damals in Gstadt, hab ich schon gedacht, eigentlich alles etwas komisch hier. Keine Kontakte nur mit ein paar wenigen lieben Freunden und die Bayern hier haben auch wenig Kontakt untereinander. Nun ja, das hat mich damals nicht belastet. 

Vor knapp 6 Jahren durfte ich dann ausziehen, weil mein Partner eine neue Beziehung kennen gelernt hat. Ich bin dann nach Bernau gezogen, hab mir Arbeit gesucht und auch gleich etwas gefunden im hiesigen Altenheim. Nicht schwer, wenn man Fachkraft für Altenpflege ist. 

Die erste Zeit ist es mir nicht so aufgefallen, dass ich hier keinen Kontakt hatte. Denn wenn ich müde von der Arbeit nach Hause kam, war ich froh meine Ruhe zu haben. Dann wurde ich jedoch krank und war über zwei Jahre krank geschrieben, was dann folgte: Ich musste schon mit 63 Jahren in Rente gehen. Ich hatte sehr viel gespart, was aber bei zwei Rehabilitationen und zwei Schmerztherapien für die Unterbringung meiner zwei Hunde aufgefressen wurde. 

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Jetzt sitze ich, als eigentlich lustige Rheinländerin, in einem nicht sehr freundlichen Chiemgau und würde gerne wieder in meine Heimat zurück gehen. 24 Stunden alleine zu sein macht mich so langsam IRRE. Mit niemandem ein Wort reden können, ich komme mir vor wie eine Aussätzige und das Schlimmste ist, noch nicht mal die Nachbarn sagen etwas, vielleicht mal eine mühsam herausgepresste Tageszeit. 

Und glauben Sie nicht, ich hätte das nicht versucht mit dem Integrieren und ob ich das habe. Da ich auch am Anfang mit einer Arbeitskollegin sehr befreundet war und wir öfters etwas unternommen haben, hat sie immer zu mir gesagt: "Ich versteh nicht, dass du hier keinen Kontakt bekommst, du bist lustig, kannst auf Menschen zugehen etc." Leider wohnt sie nicht mehr hier, sie ist jetzt weit weg mit ihrem Mann. Und seit 2014 hab ich hier kaum mehr viel gesprochen."

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