Erschütternde Bilanz in unserer Region

Volkssport Tierquälerei? Das sind die Motive und Strafen

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Landkreis - Immer wieder erschüttern uns Meldungen über Tierquälerei in unserer Region. Was treibt Menschen zu solchen Taten, und mit welchen Strafen müssen sie rechnen?

Regelmäßig erreichen uns Meldungen von Usern oder der Polizei über misshandelte und getötete Tiere. Eine Userin aus Rott am Inn meldete uns erst diese Woche einen Fall, in dem scheinbar zwei Katzen mit einem Luftgewehr angeschossen wurden. Der Vorfall reiht sich in in einer langen wie traurigen Liste von Tierquälereien in unserer Region ein

Im September schossen zwei Segler auf dem Chiemsee auf Schafe, im August wurde einer Katze in Grabenstätt der Kopf und ein Bein abgetrennt, ein Hund wurde mit einem Stein im Waginger See ertränkt, in Garching an der Alz wurden Hasen einfach in einem Käfig ausgesetzt, wo sie qualvoll verhungerten. In Chieming schlug dieses Jahr mehrmals ein "Ponyripper" zu, der Täter verstümmelte die Tiere im Genitalbereich

Die Liste ist längst nicht vollständig und die Dunkelziffer ist wohl noch viel höher. Besonders auf Katzen wird scheinbar oft mit Luftgewehren geschossen, dieses Jahr beispielsweise auch schon in Traunreut und Haiming. Das alles macht einen sprachlos, wie kann ein Mensch einem wehrlosen Wesen so etwas antun? Was geht in so einem Menschen vor? Und mit welchen Strafen muss ein Tierquäler rechnen?

Prof. Dr. med. Volker Faust hat einen wissenschaftlichen Artikel zu dem Thema auf der Seite Psychosoziale-Gesundheit.net veröffentlicht. Der Artikel ist natürlich relativ umfangreich, aber wir möchten dass wesentliche zum Thema zusammenfassen.

Aktive und passive Tierquälerei

Es wird zwischen passiver und aktiver Tierquälerei unterschieden. Unter aktiver Tierquälerei versteht man dass misshandeln, quälen und absichtliche Töten von Tieren. Unter passiver Tierquälerei fällt dass vernachlässigen oder verwahrlosen lassen von Tieren.

Warum misshandeln Menschen wehrlose Tiere?

Volker Faust nennt mehrere Motive für Tierquälerei, darunter Gruppendruck, Stimmungsverbesserung, Neugierde, eigener Missbrauch, traumatisches Spiel, Imitation, Ausdruck eines emotionalen Missbrauchs, Selbstverletzung, sexuelle Gratifikation, oder Tierphobie (krankhafte Angst vor Tieren) bis hin zum Ausprobieren der späteren zwischenmenschlichen Gewalt.

Heranwachsende, die oft Tiere misshandeln, fallen oft auch im Erwachsenenalter durch Körperverletzungen an Menschen bis hin zum Mord auf. Viele Serienmörder sind bereits in jungen Jahren als Tierquäler aufgefallen.

"Normale" Tierquälerei?!

Weiter unterscheidet Faust zwischen "normaler" und "pathologischer" Tierquälererei. "Normale" Tierquälerei wird meist von sehr jungen oder geistig und/oder sozial unterentwickelten Menschen betrieben. Die Täter sind charakterlich noch nicht gefestigt oder haben beispielsweise nur sehr wenig Erfahrung im Umgang mit Tieren

"Normale" Tierquälerei erfolgt also zumeist nicht aus böser Absicht, sondern ist Ausdruck eines kognitiven oder sozialen Defizits. Dieser Art der Tierquälerei kann etwa durch Eltern und Lehrern entgegengewirkt werden. Aber auch ältere Kinder sind, "wenn es durch Gruppendynamik zur Modifizierung oder Aufhebung der individuellen Werte und Normen kommt", zu dieser "normalen" Tierquälerei fähig. Selbstdarstellung und Mutproben sind dann oft die Auslöser.

Krankhafte und abnormale Tierquälerei

Von "pathologischer" Tierquälerei spricht der Experte, wenn die Misshandlungen Ausdruck eines "seelischen Ungleichgewichts, beispielsweise durch körperlichen oder sexuellen Missbrauch oder häusliche Gewalt" sind. 

Motive sind dann Langeweile, Stimmungsverbesserung, Selbstwert-Erhöhung, gezieltes Abreagieren von Aggressionen, Ausleben sadistischer Phantasien oder die "Wiederinszenierung des eigenen Traumas (also eine gezielte Wiederbelebung früherer seelischer und psychosozialer Verwundungen)".

Welche Strafen erwarten Tierquäler?

Wer ein Tier ohne vernünftigen Grund tötet oder erhebliche Schmerzen zufügt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Scharf kritisiert von Tierschützern wird der Sachverhalt, dass wenn jemand ein fremdes Tier misshandelt oder tötet, der Täter nur wegen Sachbeschädigung belangt werden kann

Die Gesetze gegen Tierquälerei sind also relativ harmlos in Deutschland. Was Sie tun können, wenn Sie Zeuge von Tierquälerei werden, lesen Sie hier.

Finden Sie, dass die Gesetze zur Tierquälerei verschärft werden sollten? Könnten Misshandlungen von Tieren vermieden werden, wenn die Strafen mehr abschrecken würden? Oder hat die Justiz genau das richtige Strafmaß zur Hand?

Stimmen Sie ab und teilen Sie uns Ihre Meinung mit einem Kommentar mit!

Wenn Sie sich für das Thema interessieren, können sie hier den ganzen Artikel von Volker Faust lesen.

bcs

Rubriklistenbild: © dpa

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