Starkregen und Hagel auch bei uns?

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Landkreis - Das Tiefdruckgebiet Bertha ist derzeit in aller Munde. Der ehemalige Hurrikan könnte in einigen Teilen der Republik für turbulentes Wetter sorgen - auch bei uns!

Kaum erscheint "die wandelbare Bertha" als Tiefdruckgebiet auf den europäischen Wetterkarten, ist sie schon in aller Munde. Der ehemalige Hurrikan BERTHA nähert sich derzeit allmählich vom Atlantik her und sorgt an diesem Wochenende als ausgewachsenes Sturmtief noch für turbulentes Wetter in einigen Teilen Europas. Ein Sturmtief im August? Das ist durchaus ungewöhnlich.

Von einstmaligen tropischen Wirbelstürmen, die als Tiefdruckgebiete in außertropischen Breiten weiterleben, hört und liest man jedoch des Öfteren. Doch was genau passiert während dieses "wandelhaften Leben" der Stürme?

Statistisch gesehen erreichen etwa die Hälfte der Hurrikans (so bezeichnet man Wirbelstürme über dem nördlichen Atlantischen Ozean sowie dem Nordpazifik) auf einem Weg nach Norden subtropische und später mittlere Breiten und wandeln sich dabei in außertropische Tiefdruckgebiete um. Meteorologen bezeichnen diesen Prozess minimalistisch als "ET". Gemeint ist natürlich nicht der sympathische außerirdische aus einem Kultfilm der 80er Jahre. Es handelt sich dabei um ein Akronym des englischen Begriffs "extratropical transition", was übersetzt so viel heißt wie "extratropische Umwandlung" und für einen völlig irdischen, nämlich atmosphärischen Vorgang steht. So kurz die Bezeichnung auch ist, die "ET" ist ein komplizierter und noch nicht vollends verstandener Umwandlungsprozess. Reduzieren lässt er sich auf die Tatsache, dass die Wirbelstürme bei der "ET" fortwährend die Eigenschaften eines tropischen Sturmes verlieren und die eines außertropischen Tiefdruckgebietes annehmen. Doch worin unterscheiden sich diese beiden atmosphärischen Systeme nun?

Tropische Wirbelstürme entstehen meist nur über warmen und großen Wasserflächen etwa zwischen dem südlichen und nördlichen 30. Breitengrad in ausreichendem Abstand zum Äquator. Das warme Wasser ist bei der Entwicklung der Stürme die Hauptenergiequelle. Durch Verdunstung von Wasser wird der Wasseroberfläche Wärmeenergie entzogen, die bei der Kondensation (Wolkenbildung) in der Atmosphäre wieder frei wird. Dabei steigt die Lufttemperatur an und führt zu einem relativ zur Umgebung wärmeren Sturmkern. Der Sturm nutzt diese "fühlbare" Wärmeenergie und wandelt sie in Bewegungsenergie (vertikale und horizontale Luftbewegungen) um. Solange das warme Wasser als Energiequelle zur Verfügung steht, kann der Wirbelsturm "weiterleben".

Außertropische Tiefdruckgebiete dagegen leben nicht unmittelbar von warmem Wasser, auch wenn auch dies nützlich für die weitere Entwicklung sein kann. Die Tiefdrucksysteme der gemäßigten Breiten entstehen meist im Bereich der sogenannten Polarfront, die sich um die gesamte nördliche und südliche Erdhalbkugel zwischen dem 35. und 65. Breitengrad "schlängelt". Meteorologen verstehen darunter die durch hohe horizontale Temperaturgradienten auffallende Übergangszone zwischen sehr kalter Luft polaren Ursprungs und der wärmeren Luft gemäßigter Breiten. Der große Temperaturgegensatz stellt für die Tiefdrucksysteme analog zum warmen Meereswasser bei tropischen Wirbelstürmen ein großes Energiereservoir dar. Durch gleichzeitiges Einbinden warmer und kalter Luftmassen in die Zirkulation um das Tiefzentrum bilden sich Kalt- und Warmfronten aus, die wiederum die Übergangszone zwischen unterschiedlich temperierter Luft repräsentieren. Im Gegensatz zu den tropischen Wirbelstürmen, deren Kern eine durchweg warme und nahezu kreisrunde "Warmluftblase" darstellt und somit keine Fronten ausbilden kann, weisen entwickelte, außertropische Tiefdruckgebiete eine hinsichtlich der Zirkulation um das Tiefdruckzentrum asymmetrische Anordnung kalter und warmer Luftmassen auf.

Kommen wir zurück zu BERTHA. BERTHA entstand aus einem Gewittersystem etwa 400 km ostsüdöstlich von Barbados und trat bereits am 1. August als tropisches Tiefdruckgebiet in Erscheinung. Auf ihrem Weg nordwestwärts überquerte BERTHA das Karibische Meer, am 2. August die Dominikanische Republik und entwickelte sich wenig später zwischenzeitlich zu einem Hurrikan der ersten Kategorie (Windböen bis 150 km/h). Im weiteren Verlauf bog BERTHA ab und verlagerte sich entlang der nordamerikanischen Ostküste nordostwärts. Da die Wassertemperaturen dabei sukzessive abnahmen und auch andere Entwicklungsfaktoren negativ ins Gewicht fielen, schwächte sich BERTHA zunächst rasch ab. Am 6. August wurde BERTHA dann als "außertropisches Tiefdruckgebiet" analysiert und zog nach erneuter Intensivierung auf einer nun immer östlicheren Zugbahn auf den Nordatlantischen Ozean hinaus. 

Was war passiert? Auf ihrem Weg entlang der US-Ostküste näherte sich BERTHA immer mehr der Polarfront und damit eben einem Gebiet größerer Temperaturgegensätze. Zunehmend wurden kältere Luftmassen in die Zirkulation eingebunden. BERTHA wies keinen durchweg warmen Kern mehr auf, sondern bildete Fronten aus - die "ET" war in vollem Gange. Nachdem das warme Meereswasser als Energiequelle nach und nach versiegte, sorgten die hohen Temperaturgegensätze an der Polarfront zudem für einen neuen "Energieimpuls" - BERTHA kam sprichwörtlich "in den zweiten Frühling". Eine solche Intensivierung nach zwischenzeitlicher Abschwächung ist für Tiefdruckgebiete während der "ET" typisch.

Ebenfalls typisch sind die Probleme, die die Wettermodelle mit solchen Systemen haben. Oft leidet die Prognosegüte, wenn sich im Vorhersagegebiet tropische Wirbelstürme in einer "ET" befinden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die weitere Entwicklung von BERTHA und auch die Auswirkungen auf unser Wetter bis zuletzt unklar bleiben. Nach derzeitigem Stand wird sich BERTHA bis Sonntagabend über Südirland und England bis ins Seegebiet östlich von Schottland verlagern und dabei einen minimalen Kerndruck von nahe 980 hPa erreichen - sehr beachtlich für August. Für Deutschland bedeutet das kräftige Schauer und Gewitter, die im Laufe des Sonntags von Westen aufkommen. Im Gegensatz zu den letzten Gewitterlagen ist neben heftigem Starkregen auch verstärkt mit Sturmböen, örtlich auch schweren Sturmböen sowie größerem Hagel zu rechnen. Ex-Hurrikan BERTHA kann es also noch...

Pressemeldung Deutscher Wetterdienst (DWD)

Starkregen und Hagel auch bei uns?

Im Süden ist mit Starkregen, Hagel und Sturmböen zu reichnen“, so Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Der Grund für den plötzlichen Umschwung sind Unwetterzellen, die sich über Frankreich und Spanien gebildet haben. Die ziehen dann nach Deutschland und erreichen Bayern am Samstag. Vielerorts kann es zu Überschwemmungen kommen. Und am Sonntag? Da soll das Thermometer wieder auf 20 bis 23 Grad sinken – bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Für den Deutschen Wetterdienst sind die Sommer-Kapriolen ein Warnsignal: „Für uns ist das ein weiteres Zeichen des Klimawandels“, sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Seit Anfang Juni habe der DWD an 36 von 66 Kalendertagen amtliche Unwetterwarnungen herausgeben. An 19 Tagen habe die Wetterlage „Tief Mitteleuropa“ geherrscht, eine für Zentraleuropa immer wieder gefährliche Lage.

tz/redro24

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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