Priener Leberkäse für Tsunami-Opfer

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Yamamoto - In Prien absolvierte Metzgermeister Takehiro Akita seine Ausbildung. Nach der Katastrophe in Fukushima half er den Opfern in seiner Heimat mit bayerischen Köstlichkeiten.

Lange hat Takehiro Akita überlegt, wie er die Menschen, die durch die Umwelt- und Atomkatastrophe zu Flüchtlingen geworden sind, unterstützen kann. Schließlich kam er auf eine Idee: Leberkäse! Die Lebensbedingungen in den provisorischen Unterkünften in Yamamoto-cho sind schlecht, Nahrungsmittel knapp und die Sorgen der Opfer groß. In seiner eigenen Metzgerei stellte er für die Flüchtlinge reichlich Leberkäse, Creme-Suppe und Wiener her.

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Mit tatkräftiger Unterstützung fuhr der 30-Jährige nach Yamamoto, um den Opfern der Katastrophe zu helfen. Die Stadt Yamamoto ist direkt von den Auswirkungen der Atomkatastrophe betroffen, denn die Stadt ist nur wenige Kilometer vom AKW entfernt. Bei den evakuierten Menschen war die Freude über die Köstlichkeiten groß. Auch der Metzgermeister freute sich: „Wir haben Portionen für über 300 Personen gemacht. Eigentlich waren dort nur 150 Menschen untergebracht, aber wir wollten, dass alle satt werden, deswegen haben wir doppelt so viel vorbereitet. Die Menschen haben sich so gefreut. Fast alles wurde aufgegessen.“

Nach der Verköstigung fuhr die Gruppe nach Natori, um sich dort selber ein Bild der Zerstörung durch die Naturkatastrophe zu machen. “Wir sind auf der Autobahn gefahren, am Meer war alles zerstört – auf der anderen Seite war fast alles normal. Eine seltsame Landschaft. Es war wie Himmel und Hölle“, so der Japaner erschüttert.

Leberkäse für Opfer der Naturkatastrophe in Japan

Take, wie er von allen genannt wird, kommt aus Nagoya - einer Millionenstadt im Herzen Japans. Von dort aus zog er mit Anfang zwanzig an den Chiemsee, genauer nach Prien. Für seinen großen Traum vom Fußballspielen nahm er alle räumlichen Umstellungen sowie sprachlichen Probleme gerne in Kauf. In Prien sollte seine große Karriere starten, doch schnell stellte sich für Take heraus, dass seine Berufung eine andere war. Begeistert von der bayerischen Essens-Kultur entschied er sich, eine Metzger-Ausbildung zu machen. In der Traditions-Metzgerei Kunz, welche 2010 ihr 100. Jubiläum feierte, bekam er die Chance dazu. „Als ich die Metzgerausbildung angefangen habe, haben meine Eltern mich enterbt. Lehrlinge verdienen nicht viel - es war eine sehr harte Zeit für mich“, so der Japaner.

Trotz anfänglicher sprachlicher Barrieren meisterte er seine Ausbildung. Unterstützt von Familie Kunz, den Vermietern seines kleinen Zimmers und seinen Freunden legte er in Landshut seine Meisterprüfung ab. „Alle waren sehr nett. Ich habe diesen Leuten und der Zeit viel zu verdanken - ich habe etwas wichtigeres als Geld bekommen.“

Seit zwei Jahren besitzt Take nun eine bayerische Metzgerei mitten in Nagoya. Stolz ist er, in einer deutschen Metzgerei gelernt zu haben und deswegen achtet er ganz genau darauf, was in seine 50 verschiedenen Waren hineinkommt. „Ich verwende so gut wie keine Zusatzstoffe. Wenn ich etwas verwende, dann nur Natriumnitrit. Sonst gar nichts. Deswegen sind meine Produkte sehr sensibel und verderben schnell. Leberkäse ist trotzdem haltbarer als andere Produkte und außerdem mögen Japaner diesen Geschmack. Japaner lieben 'Leberkaas' einfach.“

Auch zwei Monate nach der großen Katastrophe in Japan sind dort noch lange nicht alle Probleme beseitigt. Take überlegt deswegen jetzt schon wieder, wie er als Metzgermeister den betroffenen Menschen weiterhin helfen kann.

rko/red

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