Schlecker-Ende: Ausverkauf in Bayern

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In den bundesweit 2800 Schlecker-Filialen ist heute endgültig Schluss. Die Geschäfte schließen um 15.00 Uhr. Danach bleibt den über 13.000 Mitarbeiterinnen nur noch das Aufräumen.

Würzburg - Das Aus ist besiegelt, die Regale sind leer. Schlecker hat am Dienstag die Filialen in Bayern zum letzten Mal geöffnet, die noch Ladenhüter los werden müssen.

Kräutersamen, Pyramidenkerzen, Fliegenklatschen und Grußkarten - mehr gibt es am letzten Tag in der Würzburger Schleckerfiliale nicht mehr zu kaufen. Trotzdem kommen immer wieder Kundinnen in den Laden - angelockt von der Hoffnung auf das Super-Schnäppchen. „Ich hätte vielleicht Zahnpasta oder Ähnliches gekauft. Aber es ist ja nichts mehr da“, sagt eine 75-Jährige. Sie sei schon immer bei Schlecker einkaufen gegangen. Aber auch bei anderen Drogeriemärkten. „Man guckt ja überall. Aber die Konkurrenz war schon irgendwie moderner“, sagt die Würzburgerin.

Am Mittwoch sind die Schleckerfilialen bundesweit endgültig geschlossen worden. 2800 waren es insgesamt, 466 davon in Bayern. Die Filialleiterin des Geschäfts im Würzburger Stadtteil Grombühl ist nach Wochen des Ausverkaufes trotz der Zukunftssorgen erleichtert. „Ich bin einfach froh, dass es nun wirklich zu Ende ist. Die letzten Wochen waren sehr lang“, sagt Tawanda Brehs. 14 Jahre lang hatte sie den Hut auf, bis zum Schluss kämpfte sie als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende für ihre Kollegen. „Ich hatte noch nicht einmal Zeit, Bewerbungen zu schreiben. Nächsten Montag gehe ich zum Arbeitsamt“, sagt die 34-Jährige. Im Freistaat arbeiteten rund 3700 Frauen für Schlecker.

Die Großen mussten die Kleinen durchschleppen

Die Kündigungen haben die Schlecker-Frauen indes noch nicht in den Händen. Klar ist aber, dass sie von Montag an frei gestellt und später gekündigt werden. Das Auf und Ab der Gefühle sei schwer auszuhalten gewesen, sagt die Würzburger Filialleiterin. „Und es ist hart, zu sehen, wie das Geschäft immer leerer wird.“ Vor allem, weil ihr Laden immer gut gelaufen sei. Ihrer Meinung nach hätte Schlecker früher auf die vielen kleinen Filialen ohne Umsatz eher verzichten müssen. „Das war zu viel. Die Großen mussten die Kleinen durchschleppen.“

Die Leute kaufen einfach alles

In der Schlecker-Filiale in der Nürnberger Ludwigstraße hielt am Mittwoch noch Brigitte Wolff die Stellung. Viel hatte die 47 Jahre alte Schlecker-Frau, die zugleich Betriebsrätin ist, allerdings nicht mehr im Angebot. Auf einem Regal direkt hinter dem Kassenpodest hatte sie das Häuflein Waren ausgelegt, das nach den turbulenten Ausverkaufstagen noch übrig geblieben war: Wenige Packungen Babymilch, ein paar Tüten Vogelfutter, eine Handvoll Fliegenklatschen, Karotten- und Bohnensamen und ein bisschen Krimskrams - all das ist am Mittwoch für nur 20 Cent zu haben.

Den Rest des Laden hatte sie mit leeren Verkaufsständen blockiert. „Da hinten ist alles leer“ bescheidet sie Kunden, die im hintersten Winkel noch verborgene Schnäppchen vermuten. Nach zwei Wochen Schnäppchenjagd wundert sich Wolff über nichts mehr: „Hier ging's in den vergangenen Tagen drunter und drüber. Die Leute kaufen einfach alles - ob sie's nun brauchen oder nicht“. So deckt sich Kundin Ak Saffert am Mittwoch gleich mit drei Fliegenklatschen ein. „20 Cent - das ist halt sehr billig“, meint die in Nürnberg lebende Türkin, die oft bei Schlecker eingekauft hat.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Nicht alle Schlecker-Läden sind auf Ladenhütern wie diesen sitzen geblieben. Die meisten sind schon zu Wochenbeginn oder eher ihre Waren losgeworden. Ob Kempten, Regensburg, Augsburg, München oder Würzburg - die Fenster der meisten Schlecker-Filialen in Bayern sind am Mittwoch bereits mit Papier oder Folie zugeklebt.

Aus ihrer Verbitterung über das Aus für die Drogeriemarktkette macht die Nürnbergerin Wolff derweil keinen Hehl. „13 Jahre habe ich für Schlecker gearbeitet. Wie soll es jetzt weitergehen. Ich bin doch keine 20 mehr. Die Arbeitslosenunterstützung reicht weder zum Leben noch zum Sterben“. Unklar sei auch noch, ob sie für Juni noch mit ihrem Lohn rechnen könne. „Das Schlimme ist aber, dass uns keiner eine klare Auskunft gibt - auch nicht der Konkursverwalter“, klagt Wolff. Nach ihrer Stimmung befragt zögert sie keinen Moment: „Wut, ich habe Wut auf Anton Schlecker“.

dpa

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