Mangfall: Retter der Retter erzählen

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Unterheufeld - Olaf Kortmann macht derzeit mit seiner Familie Urlaub in Bad Aibling - einen, den er nie vergessen wird: Beim Mangfall-Drama rettete er mit seiner Frau ein Menschenleben.

“Wir sind am Montagnachmittag in der Nähe der Mangfall spazieren gegangen, als wir ein Mädchen um Hilfe schreien hörten.“ Olaf Kortmann und seine Frau Heike dachten nicht lange nach und eilten zum Fluss. „Ich habe zu meiner Frau noch gesagt, dass sich das nicht nach Spaß anhören würde, dann haben wir auch schon zwei Männer im Wasser treiben sehen.“

Mit einem weiteren Helfer - Olaf Kortmann vermutet, dass es sich um einen Sanitäter handelte - sprang der 45-jährige Familienvater sofort ins kühle Nass der Mangfall. „Ich habe in dieser Situation nicht nachgedacht, man geht da einfach so hinein.“ Zunächst sei dem vierfachen Vater die Strömung gar nicht so stark vorgekommen, „aber als ich dann bis zum Bauch im Wasser stand wurden die Kräfte ganz schön ordentlich.“

Zu zweit gelang es den beiden selbstlosen Helfern dann zumindest einen der beiden bewusstlosen Körper zu greifen – einen 20-jährigen Mann. Kortmann: „Ich dachte, er ist tot.“ Mit vereinten Kräften brachten sie den leblos Körper ans Ufer, wo dann die 45-jährige Heike Kortmann zur Lebensretterin wurde. „Zusammen mit dem Sanitäter hat meine Frau die Reanimation übernommen.“ Kurze Zeit später begann der 20-Jährige wieder eigenständig zu atmen.

Fotos vom Rettungseinsatz

Während seine Frau um das Leben des jungen Mannes kämpfte, versuchte Olaf Kortmann Hilfe zu organisieren. „Dabei habe ich gesehen, dass ein Stück flussabwärts zahlreiche Rettungskräfte den zweiten Mann gefunden hatten und sich um ihn kümmerten.“ Wie sich herausstellte, konnte der Mann zunächst zwar erfolgreich reanimiert werden, er verstarb aber am frühen Dienstagmorgen im Krankenhaus .

Mehr Glück hatte indes der 20-Jährige. Herbeieilende Notärzte übernahmen schließen die Beatmung und flogen ihn mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus. Laut Polizei ist der Zustand des 20-Jährigen nicht mehr kritisch.

Ihren Urlaub wird die sechsköpfige Familie wohl so schnell nicht mehr vergessen. Um Erholung zu finden reisten die Nordrhein-Westfalen nach Bad Aibling, als Lebensretter kehren sie am Ende der Woche in ihre Heimat zurück.

Der „Sanitäter“ war übrigens tatsächlich einer: Anton Faltlhauser, der an diesem Tag mit seinem Rettungshund an der Mangfall spazieren ging, hatte den inzwischen verstorbenen Mann in den Fluten entdeckt. Eigentlich war es sein Hund gewesen. „Er schlug an der Walze an. Da sah ich ein blaues T-Shirt und eine Hand im Wasser .“

Da Faltlhauser wusste, dass der Mann nicht zu retten war, solange er sich noch in der Walze befand, wollte er als erstes einen Notruf absetzen: „Ich hatte aber kein Handy, also bat ich ein junges Pärchen um Hilfe“ - jenen 20-Jährigen, den das Ehepaar Kortmann später rettet, und dessen Freundin.

Der junge Mann, ein Abiturient aus Bad Aibling , sprang ohne zu zögern ins Wasser. Faltlhauser: „Er war sich der Gefahr nicht bewusst, ich konnte ihn nicht mehr aufhalten.“ Hilfslos musste der 50-jährige Angestellte einer Papierfabrik mit ansehen, wie der 20-Jährige unter Wasser gezogen wurde.

Erst nachdem die Walze seinen Körper freigegeben hatte, konnten Faltlhauser und die Kortmanns bis zum Eintreffen des Rettungshubschraubers um sein Leben kämpfen.

ro24-red-vod/ck

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