Samstagnacht gab's Mahnfeuer

Feuer und Flamme gegen die B15neu

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Die Funken sprangen förmlich über, die betroffenen Bürger machten ihren Unmut durch Mahnfeuer deutlich 

Bayern - Insgesamt 35 Gemeinden und weit mehr als 200 Mahnfeuer sollten Samstagnacht für Aufsehen sorgen. Gegner der B15neu demonstrierten gegen die Planungen rund um einen Straßenneubau.

„Stop B15neu“, „nein zur Autobahntrasse“ und viele weitere Sprüche auf Plakaten hatten gemeinsam mit den vielen Mahnfeuern in den betroffenen Landkreisen den Unmut der Bürger ausgedrückt. So sind betroffene Bürger dem Aufruf der Bürgerinitiative gefolgt und haben lodernde Zeichen gesetzt. Die Standorte wurden dabei gezielt ausgewählt.

Zum Einen zündeten die Bewohner entlang der bestehenden B15 viele Mahnfeuer, andererseits nahmen sich Betroffene diejenigen Platzerl vor, die im aktuellen Plan für den Ausbau vorgesehen wären.  „Selbst wenn wir jetzt in den nächsten paar Jahren nicht damit rechnen müssten, dass hier die Bagger anrollen, so ist es unsere Pflicht, für die nachfolgenden Generationen zu sprechen“, heißt es von einem aufgebrachten Bürger.

Der Landwirt prangert die Versiegelung von 800 bis 1000 Hektar Land an, die der Trassenbau mit sich brächte. Auch andere Gegner der B15neu zeigen ihren Zorn: „Wir appelieren an die Vernunft der Verantwortlichen und fordern eine Alternative zum autobahnähnlichen Projekt“. Sehr viele bringen das Motto „sanfter Ausbau“ ins Gespräch, die Diskussionen vor Ort in den vielen Gemeindegebieten der betroffenen Landkreise gehen nicht aus.

Während die einen es fast schon zum „Grillfest“ umfunktionieren, verfolgen die anderen zielgenau ihr Anliegen an diesem Abend und bleiben in äußerst prägnanter Art bei ihren Ausführungen.

Mahnfeuer verliefen friedlich

Einem Gedanken gehen sie alle gleichermaßen nach: Sie fordern den Stop der weiteren Planungen für einen Straßenneubau und einer eventuellen mehrspurigen Autobahntrasse. Immer wieder karren Teilnehmer Holz und weitere Plakate und Transparente herbei, in einzelnen Zusammenkünften erklingt Musik. Kurzzeitiger Regen bringt keinen dazu, mit der Aktion aufzuhören.

„Ja brennt eich der Huat?“

Etwas überspitzt gesagt, werden Mahnfeuer auch dort gezündet, wo sich bislang Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Mitten im Grünen, zwischen Wiesen, Bäumen und Feldern lodern teils hohe Flamen. Vielerorts sind Feuerwehrleute mit dabei, um im Ernstfall sofort eingreifen zu können. Auch der ein oder andere Gemeinde- oder Stadtrat hat sich den Mahnfeuer-Gruppierungen angeschlossen. Sei es in Soyen, Wasserburg, Reichertsheim, Haag, Attel, Reitmehring, Sendling oder Ramerberg. Auch am Sportplatz Ramsau knistert es gewaltig.

Die Stimmung ist völlig unterschiedlich. Zu einem Standort, in dem viele Transparente stehen und auch das Holz im Feuer besonders knackt, gesellt sich ein Gegner der „Mahnfeuer-Aktion“. Er eröffnet eine Diskussion, die nun beide Seiten aufruft, sich daran zu beteiligen. „Ja brennt eich denn der Huat. Was geht uns das an, was in 15 Jahren vielleicht einmal gebaut wird.“ Ohne Frage, auch dieser Herr ist aufgebracht. Er benennt die Mahnfeuer und Protestaktionen gegen die B15neu als „kindisch und absolut unnötig“. Zukunftsmusik sei es und keiner Aufregung wert, erklärt der Kritiker der Bürgerinitiative weiter.

Doch die Bürger, die sich aus Überzeugung der Mahnfeuer-Aktion angeschlossen haben, setzen dem einiges entgegen.

So berichtet Lisa, dass es doch schrecklich sei, wenn die so hübsche Natur in der Region einer neuen Straße zum Opfer fiele. „Hier hinten ist es bald vorbei mit dem Idyll, hier wachsen jetzt noch Wasserlilien und tolle Bäume, doch bald wird mir direkt vor meine Haustür die neue B15, womöglich sogar als mehrspurige, autobahnähnliche Fahrbahn gesetzt“. Die Natur, auf die alle hier im Umkreis stolz sein könnten, würde einfach dem Erdboden gleich gemacht, wettert Lisa weiter. Es müsse verhindert werden, dass die Planungen noch konkreter würden, und endlich der Vorschlag eines sanften und verkehrssicheren Ausbaus berücksichtigt werden, waren sich am Samstagabend viele der betroffenen Bürger einig. Auch nahe Sendling im Altlandkreis Wasserburg, wurden Mahnfeuer gezündet.

Verschiedenste Generationen haben sich dem feurigen Abend angeschlossen. Gemeinsam kommen sie ins Gespräch, reden über die Landschaft und den Lebenswert, der ihnen genommen werde, für den Fall, dass die Trasse nach derzeitigem Plan entstehe.

Auch aus Rechtmehring gibt es deutliche Signale. Ein engagierter Bürger, der auch Nachbarorte zum Mitmachen der Protestfeuer ermutigte, teilte auf Anfrage mit, dass es nicht mehr zu früh sei, jetzt auf den Ärger der Menschen aufmerksam zu machen. „Wir müssen Signale setzen, damit die verantwortlichen Behörden endlich merken, welche Kraft hinter den Bürgerprotesten steckt. Wir fordern klar, dass die gegebenen Alternativvorschläge zu einem sanften Ausbau der B15 endlich berücksichtigt werden“.

Von den zuständigen Stellen hieß es, man habe die Forderungen der Betroffenen zur Kenntnis genommen. Es sei angekommen, dass nicht alle mit den momentanen Planungen einverstanden seien.

Einzelne Meinungen

Barbara aus dem Haager Raum verdeutlicht, dass die neue Straße genau durch ihren Garten verlaufen würde. „Meine Tochter, die jetzt gerade mal 14 Jahre alt ist, kann mir später nicht den Vorwurf machen, ich hätte nicht probiert, dieses Vorhaben der B15neu zu verhindern“. Es sei schlichtweg dumm zu sagen, es betreffe ja erst die nächste Generation. „Wir sind es unseren Kindern und Jugendlichen aus der Region schuldig, dass wir uns gegen die Planungen wehren“.

Etwas kleinlaut erklärte ein Anwesender, dass er auch den Sinn sehe, die der Neubau eventuell mit sich brächte. Der Verkehrsfluss sei durchaus zäh, die bestehende B15 unfallträchtig, der Neubau womöglich doch eine gute Sache. Schnell verstummt der Bürger und seine Meinung bleibt ohne Kommentar der anderen.

Bis weit nach Mitternacht loderte die Glut auf so manchem Holzhaufen. Zu großen Einsätzen durch Polizei oder Feuerwehr kam es nicht. Alles verlief friedlich, die Feuer waren stets unter Kontrolle.

Die Verantwortlichen der Mahnfeuer-Aktion zeigten sich zufrieden. „Es ist schön, dass so viele mitgemacht haben. Es war nicht zu übersehen, dass sich viele Tausende gegen den Straßenneubau wehren.“

Die Wut gegen die B15neu und das Verlangen des vernünftigen Ausbaus der bestehenden B15 schweiße näher zusammen, hieß es abschließend von den Organisatoren. Mühldorfer, Rosenheimer und Landshuter hätten plötzlich trotz unterschiedlicher Landkreiszugehörigkeit ein gemeinsames Ziel, erklärten die Verantwortlichen der Bürgerinitiative.

Im Vorfeld hatten sich schon mehrere Kommunen klar gegen einen B15-Neubau ausgesprochen.

Unter anderem in Wasserburg soll eine Bürgerversammlung am Dienstagabend, 13. Mai, ab 19.30 Uhr im Rathaus allen Betroffenen und Interessierten aus dem Wasserburger Land ermöglichen, sich zu dem Projekt zu äußern. Auch ein Vertreter der Autobahndirektion werde vor Ort sein, hieß es.

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