Zweigleisiger Bahnausbau

"Wir können nicht ein halbes Jahr sperren"

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Christian Kubasch und Andrea Schmidt vor der Brücke "Hölzlinger Weg" für Radfahrer und Fußgänger

Mühldorf - Der "Flaschenhals" muss weg: Bei einer Baustellenbesichtigung erklärten Vertreter der Südostbayernbahn das weitere Vorgehen beim zweigleisigen Bahnausbau.

Der Ausbau der Bahnstrecke Mühldorf-Tüßling, ein zwölf Kilometer langes, bislang eingleisiges Nadelöhr, ist für die Bahn vor allem wegen des Chemiedreiecks eine Herausforderung. "Es werden immer mehr Züge", sagte Christian Kubasch, technischer Leiter der Südostbayernbahn, bei einer Baustellenbesichtigung am Montag. Ein Anzeichen dafür, wie sehr die Industrie etwa in Burghausen die Schiene nutzt, ist das Kombiterminal, das erst vor einigen Monaten in Betrieb gegangen und doch schon voll ausgelastet ist. "Die Züge müssen hier durch den Flaschenhals durch", so Kubasch.

"Was wir Ostern gemacht haben, war maximal"

Ist die Strecke zweigleisig ausgebaut - im Dezember 2017 ist die Endinbetriebnahme geplant - müssen Züge in entgegengesetzter Richtung nicht mehr aufeinander warten. Beim Ausbau muss die Bahn allerdings Rücksicht auf die Industrie nehmen. "Wir können nicht sagen, wir sperren ein halbes oder ein dreiviertel Jahr", so Kubasch. "Was wir Ostern gemacht haben, war maximal." Ostern ruhte der Zugverkehr am Mühldorfer Bahnhof für ein paar Tage, um die Westseite des Bahnhofs auf die Zweigleisigkeit vorzubereiten.

Dort, wo der Bagger steht, verläuft später das zweite Gleis

Die nächste Sperrpause wird es von 28. Oktober bis 9. November geben, damit die Weichen des Ostkopfs erneuert werden können. Der Zugverkehr für die Industrie ruht zu dieser Zeit nicht, muss aber umgeleitet werden. Für die Unternehmen bedeutet dies eine Umstellung, weil die Züge länger unterwegs sein werden. Auch bei den Arbeiten am Bahnhof Tüßling muss die Bahn Rücksicht nehmen. Wäre der Bahnhof komplett dicht, wäre Burghausen quasi abgeschnitten. Man werde immer an einem Gleis bauen, damit die beiden anderen dem Verkehr zur Verfügung stehen, erklärte Andrea Schmidt, Leiterin der Abteilung Investitionen bei der Südostbayernbahn.

Das erste Gleis wird ertüchtigt

Bislang läuft der Ausbau nach Plan, Zwischenfälle gab es keine. "Toi, toi, toi - wir haben es bis jetzt unfallfrei geschafft", sagte Kubasch. Dass die Arbeiten für die Anwohner eine Belastung sind, ist dem technischen Leiter klar. Ziel sei es, möglichst nicht in der Nacht zu bauen, aber das lasse sich nicht ganz verhindern.

Bereits 2016 werden die Fahrgäste zwei Gleise entlang der Strecke sehen. Zweigleisig läuft der Zugverkehr deshalb aber noch nicht. Sobald die Züge auf dem zweiten Gleis fahren können, wird das erste Gleis ertüchtigt. Künftig sind dadurch auf dem ersten Gleis höhere Geschwindigkeiten möglich. Außerdem kann das erste Gleis dann 22,5 Tonnen pro laufendem Meter tragen, anstatt wie bislang 21 Tonnen.

Baustellenbesichtigung zum Bahnausbau

Was ausgebaut wird, entscheidet der Bund

Wie es insgesamt mit dem Ausbau zwischen München, Mühldorf und Freilassing weitergeht, hängt vom neuen Bundesverkehrswegeplan ab. Wird das Projekt in den "vordringlichen Bedarf Plus" eingestuft, stehen die Chancen auf einen zeitnahen Ausbau der gesamten Strecke gut. Die Bahn rechnet damit, dass der komplette Ausbau samt Elektrifizierung 70 Millionen PKW- und 21 Millionen LKW-Kilometer einsparen wird. Kubasch betonte, dass der Ausbau letztlich vom Bund und nicht von der Bahn abhängt. "Wir können nicht sagen, wir wollen das und das bauen. Das entscheidet der Bund."

Quelle: innsalzach24.de

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