Ausbildungsplätze für Asylbewerber in Mühldorf

"Wir sehen deutlich mehr Chancen als Risiken"

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Gemeinsam für Ausbildungsplätze für Asylbewerber: (v.l.) Claudia Holzner, Bianca Reiss, Matthias Burger, Felicx Kleinert, Christoph Kraller, Klaus Ortner und Wolfgang Gaigl

Mühldorf am Inn - Zusammen mit Vertretern großer Firmen aus der Region, diskutierte Landrat Georg Huber am Montag die Auswirkungen der Asylbewerber-Zahlen auf den Ausbildungsmarkt:

"Diese Aufgabe ist nicht lästig, sie ist uns aufgetragen. Es gibt keine andere Möglichkeit, als sie mit Menschenwürde zu meistern", stellte Mühldorfs Landrat Georg Huber gleich zu Beginn des Treffens mit Vertretern großer Betriebe aus der Region, des Berufsbildungswerks, der Berufsschule I und der Asylsozialberatung fest. Bei der Bewältigung der Aufgabe sei ein funktionierendes Netzwerk deshalb umso wichtiger, "ohne die Hilfe der Wirtschaft funktioniert es nicht", so der Landrat weiter. Vorurteilen und Bedenken müsse dabei energisch entgegen getreten werden. Ein erster Schritt, den die anwesenden Unternehmer schon weit hinter sich hätten.

Ausbildungsplätze speziell für Asylsuchende

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde im Mühldorfer Landratsamt am Montag. Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bildung am runden Tisch

"Wir haben bisher gute, aber auch schlechte Erfahrungen gemacht. Man darf sich von einem Rückschlag nur nicht entmutigen lassen", erklärte Felix Kleinert, der Geschäftsführer der NETZSCH Pumpen & Systeme GmbH in Waldkraiburg. Er gehe weiter davon aus, dass sich die deutsche Gesellschaft derzeit auf eine Situation zu bewege, in der dringen neue Arbeitskräfte benötigt würden. Um dabei "japanische Verhältnisse", eine stark überalterte Bevölkerung, die sicherlich auch Auswirkungen auf die Generierung von Vermögen mit sich bringen würde, zu vermeiden, müsse die derzeitige Struktur drastisch verändert werden. Ein Grundsatz, der bereits in der Vergangenheit schon erfolgreich, am Beispiel der Stadt Waldkraiburg, funktioniert habe, so Kleinert.

"Wir prüfen derzeit verschiedene Möglichkeiten, Flüchtlinge unbürokratisch und nachhaltig in unser Arbeitsleben zu integrieren", so der Geschäftsführer weiter. Ab dem September des kommenden Jahres will die Firma daher neue Ausbildungsplätze, zusätzlich zum bisherigen Angebot von 50 Plätzen, durch den Aufbau von Gebäuden, Maschinen, Anlagen und auch Personal zur Verfügung stellen.

Ein Weg, den auch die Südostbayernbahn, vertreten durch deren Leiter, Christoph Kraller, gehen will: "Wir sehen hier deutlich mehr Chancen als Risiken", ist sich Kraller sicher. Erste Erfahrungen aus verschiedenen Praktikums-Versuchen hätten ihn dahin gehend nur bestätigt. In enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt wolle man daher ebenfalls zwei zusätzliche Ausbildungsplätze, wieder speziell für Asylbewerber, ins Leben rufen. Neben der Ausbildung zum Gleisbauer soll es auch eine Stelle für einen Industriemechaniker geben. 

Integration in den Schulen und bei der Ausbildung

Aufgrund der großen Bandbreite in Bezug auf die Vor-Bildung der Asylbewerber, sollen in Zukunft auch verstärkt Alphabetisierungskurse angeboten werden, so Landrat Georg Huber weiter. Eine Maßnahme, bei der sich auch die Schulen verstärkt wiederfinden würden. Wolfgang Gaigl von der Staatlichen Berufsschule I erläuterte kurz verschiedene Modelle, wie die jungen Asylsuchenden künftig besser in die Gesellschaft integriert und fit für den Beruf gemacht werden sollen.

Wieder in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft, werden die Jugendlichen auf der einen Seite durch Exkursionen an die Werte und Abläufe im täglichen Leben herangeführt und auf der anderen Seite in betrieblichen Praktika weiter fortgebildet. "Es läuft in Mühldorf", so Wolfgang Gaigl weiter.

Um derzeit 75 junge Flüchtlinge kümmern sich die Mitarbeiter von Klaus Ortner vom Berufsbildungswerk Waldwinkel. Zusätzlich betreut die Einrichtung noch 120 junge Flüchtlinge zusammen mit der Staatlichen Berufsschule. "Die neue Aufmerksamkeit in der Wirtschaft tut uns sehr gut. (...)Ich bin zudem stolz darauf, dass es bei uns bisher zu keinen nennenswerten Vorkommnissen gekommen ist, die rassistische motiviert waren", so Klaus Ortner über den aktuellen, laufenden Prozess.

Doch auch die ersten Erfolgsgeschichten könne man bereits vermelden, so Ortner abschließend. So habe man bereits im vergangenen Sommer die ersten fünf jungen Menschen nach dreijähriger Ausbildung mit abgeschlossener Ausbildung in eine eigene Wohnung und ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis entlassen können. Ein Aspekt, der allen Anwesenden am Montag gleichermaßen wichtig war, wie Landrat Georg Huber zusammenfasst: "Wir wollen, dass die jungen Menschen so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen. Und dabei müssen wir alle mit anpacken."     

Quelle: innsalzach24.de

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