Flüchtlingen werden Fahrpläne verkauft

Skrupellos: Neue Maschen beim Fahrkarten-Betrug

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München - Die Betrüger, die Migranten Fahrplanauskünfte als Zugtickets verkaufen wenden immer neue Maschen an. Einem 18-Jährigen Syrer haben sie ein "Ticket" nach Hamburg für über 400 Euro verkauft.

Polizeilich ist es nicht ungewöhnlich, dass Menschen, die die Polizei scheuen, auch wenn sie selbst Opfer werden, keine Anzeige tätigen. In Fällen des Fahrkartenbetrugs an Migranten werden die Anzeigen, die bei der Münchner Bundespolizei eingehen, zwar etwas weniger, die Dunkelziffer dürfte aber erheblich sein.

Der Bundespolizei werden immer wieder Betrugsfälle bekannt, in denen "vermeintliche Landsleute" Migranten skrupellos "falsche" Fahrkarten verkaufen. Statt Fahrscheinen gibt es nur Fahrscheinauskünfte.

Betrüger weichen örtlich aus

Die Fälle, in denen sich Migranten bei der Bundespolizei melden, weil sie betrogen wurden, gehen zurück. Dies hängt aber nicht mit geringeren Fallzahlen. Die Betrüger werden immer findiger und weichen zum Beispiel örtlich aus. Dabei verlassen sie nach der Anbahnung des Geschäftes den Bahnhof. Geld und Fahrplanauskunft wechseln dann außerhalb der Videoüberwachung den Besitzer.

Anderseits suchen sie sich immer mehr Migranten aus, die zu Familienangehörigen oder Bekannten wollen und sich deshalb auch erst an von ihnen selbst bestimmten Orten registrieren lassen wollen. Und im letzteren Fall haben die Migranten keine Veranlassung etwas anzuzeigen, selbst wenn sie um mehrere hundert Euro betrogen wurden. Sie scheuen den Kontakt zur Polizei, weil sie dann einer Registrierung unterzogen werden. Und weil am Münchner Hauptbahnhof immer weniger Flüchtlinge ankommen, weichen sie an Orte aus, wo sie mehr Opfer finden können.

Syrer erhält "Ticket" nach Hamburg für 426 Euro

So auch im jüngsten Fall, den eine Streife der Bundespolizei am Abend des 22. Oktobers am Münchner Hauptbahnhof erlebte.

Dabei war ein 18-jähriger Syrer Opfer eines Betruges geworden. Ein zunächst Unbekannter verkaufte ihm eine "Fahrplanauskunft" als Fahrschein München - Hamburg. Kostenpunkt: 426 Euro. Der Anbahnung dazu fand in einem Zug von Passau nach München statt.

Ausgangspunkt war eine mit dem 18-jährigen reisende syrische Familie. Sie baten einen "Somalier" um Hilfe. Mit dessen Handy wollten sie ihren in Deutschland aufhältigen Sohn anrufen; wollten ihm mitteilen, dass sie sich in Sicherheit befinden und unterwegs zu ihm seien. Das war gegen 21.30 Uhr in Passau.

Im fahrenden Zug kam dann besagter "Somalier" mit zahlreichen Migranten ins Gespräch, die nach Schweden wollten, auch mit der Familie, die jedoch nur 15 Euro dabei hatte. Und auch der 18-Jährige wollte nach Skandinavien. Die syrische Familie bat ihn, Ihnen Geld für die Fahrkarte zu leihen, das ihm ihr Sohn, zusammen mit einem Ausgleich für die Hilfe, zurückzahlen würde.

In München kam der "Somalier" kurz vor 23 Uhr wieder auf die Syrer zu. Die Frage des 18-Jährigen, ob er wisse, wo und wie er ein Ticket nach Hamburg bekäme, beantwortete er mit einem Ja.

Vermeintlicher Freund kauft die Karte

Zusammen gingen sie an einen Fahrscheinautomaten. Dort gab der Syrer dem "Somalier" einen 100 Euro-Schein. Der "Somalier" meinte, der Fahrscheinautomat würde nur 50 Euro-Scheine nehmen. Deswegen müsste man zu einem Freund von ihm, der den Fahrschein mit einer Karte bezahlen würde.

In einem Schnellrestaurant auf der Empore des Münchner Hauptbahnhofes wartete ein tatsächlich der vermeintliche Freund, ebenfalls ein "Somalier", der, wie sein Freund arabisch sprach. Zusammen ging es dann zum nächsten Fahrscheinautomaten. Dort druckte einer der "Somalier" eine "Fahrplanauskunft" für den 18-jährigen Syrer und die ihn begleitende, zweiköpfige Familie aus. Er nahm das Geld, 426 Euro, entgegen und übergab die vermeintlichen Fahrscheine. Danach verwies der Verkäufer auf Gleis 23, wo am nächsten morgen um 10:55 Uhr der Zug nach Hamburg abfahren würde.

Videoaufzeichnungen werden ausgewertet

Im weiteren Verlauf der Nacht erfuhr der 18-Jährige dann im Gespräch mit anderen Landsleuten, dass er keinen Fahrschein, sondern lediglich eine Fahrplanauskunft "gekauft" hätte. Daraufhin wandte er sich an die Bundespolizei. Hier werden nun Videoaufzeichnungen auswertet.

Bei der Bundespolizei in München werden derzeit mehr als 40 Betrugsfälle behandelt. Die Schadenssumme beträgt rund 14.000 Euro. In 15 Fällen konnten bisher Tatverdächtige ermittelt werden.

Pressemitteilung Bundespolizeiinspektion München

Rubriklistenbild: © Bundespolizei

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