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Münchner Flughafen-Mitarbeiter beenden Warnstreik früher als geplant

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Am Dienstag protestierten die Streikenden am Stachus.

München/Nürnberg - Die städtischen Kindergärten und Kitas sind heute vor allem vom Streik betroffen: Denn im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes erhöhen die Gewerkschaften in dieser Woche noch einmal den Druck.

+++ Am Donnerstag und Freitag steht die dritte Verhandlungsrunde für bundesweit rund zwei Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst an. Die Gewerkschaft Verdi fordert für die Beschäftigten des Bundes und der Kommunen unter anderem sechs Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber haben inzwischen drei Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwei Jahre geboten, was die Gewerkschaften aber ablehnten.

+++ In München lief der 

Betrieb für die Flüge, die starten konnten, relativ reibungslos. Fluggäste, die noch am gleichen Tag einen Ersatzflug bekommen haben, konnten sich glücklich schätzen. So zum Beispiel Alexandra von Wulffert, die nach Zypern wollte. Lufthansa hatte sie am Dienstag auf eine andere Airline umgebucht - und vier Stunden später kam sie doch noch an. Für die Streikenden habe sie Verständnis, auch wenn die Auswirkungen für sie persönlich natürlich ärgerlich seien, sagte sie.

So viel Verständnis brachten nicht alle Reisenden auf. „Ich finde, das ist eine Geiselnahme der Passagiere. Und Geiselnahme ist kriminell“, sagte Gerhard Gleißner, obwohl sein Flug zustande kam. Verdi habe viele hoch bezahlte Funktionäre. Die sollten erst einmal versuchen, am Verhandlungstisch Fortschritte zu erzielen.

Warnstreik am Münchner Flughafen deutlich früher beendet als geplant

+++ I n einer ersten Bilanz zeigte sich Verdi sehr zufrieden mit den Streiks am Münchner Flughafen. 550 Angestellte aus allen betroffenen Abteilungen hätten ihre Arbeit niedergelegt. Die Nordbahn sei zwischenzeitlich sogar komplett gesperrt gewesen.

+++ Verdi hat ihren Warnstreik am Münchner Flughafen am Mittwoch deutlich früher als geplant beendet. Mit dem Ende der ersten Schicht um 13.00 Uhr seien die meisten bis dahin beteiligten Mitarbeiter nach Hause gegangen, die zweite Schicht habe die Arbeit entgegen der Planung angetreten, sagte ein Verdi-Sprecher. Ursprünglich hatte Verdi den Warnstreik am größten Airport in Bayern bis Mitternacht angesetzt.

Einzig die Mitarbeiter der Sicherheitsgesellschaft wollten erst in der Nacht ihre Arbeit wieder aufnehmen, teilten sowohl Verdi als auch die Flughafengesellschaft mit. Die Angestellten protestieren nicht nur wegen den Gehaltsverhandlungen sondern auch gegen die neuen Sprengstoffdetektoren, die die Gesundheit gefährden sollen.

Wie ein Flughafensprecher sagte, bleibe es wohl bei 740 von 1140 abgesagten Flügen für Mittwoch. Am Donnerstag stehe einem geregelten Flugbetrieb von Seiten des Flughafens nichts im Weg. 

740 Starts und Landungen vorab in München annulliert

+++ Warnstreiks gab es laut Verdi unter anderem auch in Schwandorf bei der Müllabfuhr und im Landratsamt, in Wackersdorf (Kreis Schwandorf) bei der Gemeindeverwaltung sowie in Landshut bei der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und beim Klinikum. Außerdem hätten sich Mitarbeiter mehrerer Kliniken in der Region Augsburg beteiligt.

+++ Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben am Mittwoch den Betrieb am Flughafen München weitgehend lahmgelegt. Zwei Drittel der Flüge fielen aus, allerdings waren viele Reisende offensichtlich darauf vorbereitet und hatten Alternativen gesucht. „Sehr viele Passagiere sind gar nicht erst zum Flughafen gekommen“, sagte ein Sprecher. Von 1140 planmäßigen Starts und Landungen seien vorab 740 annulliert worden. Ob sich das auch auf den Flugplan am Donnerstag auswirkt, stand zunächst nicht fest.

+++ Über 2500 Beschäftigte im öffentlichen Dienst hatten ihrem Frust am Dienstag auf dem Karlsplatz lautstark Luft gemacht. Die Arbeitgeber haben ihnen drei Prozent mehr Lohn und Gehalt geboten, Verdi hat abgelehnt.

+++ Die Warnstreiks am Münchner Flughafen werden am Mittwoch voraussichtlich noch mehr Passagiere treffen als bislang erwartet. Die Airlines hätten bereits 700 Flüge gestrichen, teilte die Flughafen-Gesellschaft am Dienstagabend mit. Damit fallen fast zwei Drittel der insgesamt mehr als 1100 geplanten Starts und Landungen aus.

+++ Am Mittwoch werden die Warnstreiks in Augsburg, Landshut und der Oberpfalz sowie am Flughafen München fortgesetzt, kündigte Verdi an. Betroffen sein werden auch dann Krankenhäuser, Stadtverwaltungen, Stadtreinigungen, Müllabfuhren und weitere öffentliche Einrichtungen. Besonderes Augenmerk werde auf den Warnstreiks am Flughafen liegen.

+++ Am späten Nachmittag hat Verdi erste Teilnehmerzahlen bekannt gegeben: Annähernd 8000 Teilnehmer, davon mehr als 750 Auszubildende, haben laut der Gewerkschaft an den Kundgebungen in Augsburg, Ingolstadt, München, Regensburg, Passau, Straubing, Würzburg und Kempten teilgenommen. Dies stelle den bisherigen Höhepunkt der Arbeitsniederlegungen in Bayern dar, heißt es. "Mit diesen starken Signalen gehen wir gestärkt in die Verhandlungen ab Donnerstag in Potsdam und erwarten, dass die Arbeitgeber sich jetzt nachhaltig bewegen“, erklärte Norbert Flach, stellvertretender Landesbezirksleiter von ver.di Bayern.  

+++ Zu den bevorstehenden Ausständen am Flughafen München am Mittwoch gibt es jetzt genauere Zahlen: In München können nach dem Sonderflugplan der Lufthansa nur 90 Flüge stattfinden, 545 Verbindungen sind gestrichen. Air Berlin teilte mit, dass alle innerdeutschen Flüge bis 12.00 Uhr sowie der Flug nach Neapel ausfallen müssten. Langstreckenflüge werden demnach über Nürnberg abgewickelt, Interkontinentalflüge mit Ziel München dorthin umgeleitet. Auch andere Fluggesellschaften seien betroffen sein, hieß es.

+++ In München ist auch die KFZ-Zulassungsstelle an der Eichstätter Straße vom Streik betroffen und deshalb heute geschlossen. 

+++ Der Abfallwirtschaftsbetrieb München  (AWM) informiert auch via Facebook über die Streik-Auswirkungen. Demnach bleiben am Dienstag fast alle Einrichtungen des AWM geschlossen. 90 Prozent der Mülltonnen bleiben heute stehen, die Mülltonnen werden aber schnellstmöglich nachgeleert. Auch alle Wertstoffhöfe sind geschlossen. Das Erdenwerk und ESP sind geschlossen, daher findet kein Erdenverkauf statt und es ist keine Anlieferung von Asbest/Mineralwolle möglich. Die Halle 2 bleibt geschlossen. Am Heizkraftwerk sind keine Anlieferungen möglich. Das Wertstoffmobil fährt heute keine Sammelstellen an. Alle heutigen Termine zur Sperrmüllabholung werden abgesagt und auch der Containerdienst fällt bis auf einen Notdienst für Krankenhäuser komplett aus.

+++ Warum streiken Sie ? Kinderpfleger Daniel L. hat der tz verklärt, was seine Gründe sind, mitzumachen.

+++ Auch die Landkreise rund um München sind vom Streik betroffen. Hier finden Sie eine Übersicht zu den Streik-Folgen im Landkreis Freising.

+++ Am Flughafen werden Werkstätten, Luftsicherheitskontrollen sowie Bodenverkehrsdienste wie Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung bestreikt. Noch einschneidender sind Arbeitsniederlegungen bei den Flughafenfeuerwehren, die in München, Frankfurt und Köln/Bonn angekündigt sind. Ohne Feuerwehr ist ein Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Der Flughafenverband ADV hatte die Warnstreiks als „völlig unangemessen“ kritisiert. Die Lufthansa veröffentlichte am Montagabend einen Sonderflugplan.

+++ Am Mittwoch müssen sich Reisenden auf Verzögerungen und Ausfälle am Flughafeneinstellen. Auch hier hat Verdi zu Warnstreiks aufgerufen. Alle Interkontinentalflüge von und nach München gestrichen. Aber auch innerdeutsche und europäische Strecken seien betroffen, teilte die Lufthansa am Montagabend mit. Daher werde es am Mittwoch nur rund 90 Flüge von und nach München geben. Außer dem Münchner Flughafen sind die Airports Frankfurt, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover von Streik-Aufrufen betroffen.   

+++ Im Großraum München werden am Die Auswirkungen des Warnstreiks zu spüren sein. Hier soll es unter anderem Warnstreiks in städtischen Kindergärten und Kitas geben. Betroffen sind aber auch die Stadtwerke inklusive der Bäder, aber ohne die Münchner Verkehrsgesellschaft, die Müllabfuhr, Straßenreinigung und Baureferat. Für den Vormittag sind in der Münchner Innenstadt und anderswo Demonstrationen und Kundgebungen geplant.

+++ Auch in Augsburg, Regensburg, Würzburg, Ingolstadt und in anderen Städten und Gemeinden soll es am Dienstag Warnstreiks geben. In Würzburg soll beispielsweise auch die Straßenbahn betroffen sein.

Verdi fordert für die zwei Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes des Bundes und der Kommunen unter anderem sechs Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber haben inzwischen drei Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwei Jahre geboten, was die Gewerkschaften aber ablehnten. Die dritte Verhandlungsrunde findet am 28. und 29. April statt.

dpa

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