Nicht nur sicher fühlen, sondern sicher leben!

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Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat die aktuelle Kriminalstatistik veröffentlicht.

Landkreis - Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2010 veröffentlicht. Die Verantwortlichen zeigten sich mit den Ergebnissen insgesamt sehr zufrieden.

Der Rückblick auf das Jahr 2010 stellt sich aus polizeilicher Sicht insgesamt sehr erfreulich dar. Bei der Kriminalitätsentwicklung sind die Fallzahlen in nahezu allen wesentlichen Bereichen erneut zurückgegangen. Angesichts der stabilen Sicherheitslage und der durchgehend positiven Entwicklung im Langzeitvergleich können sich die Bürgerinnen und Bürger in der Region nicht nur sicher fühlen, sondern auch objektiv sicher leben.

Aufklärungsquote:

Die Aufklärungsquote lag mit 65,2 % wiederum leicht über dem Vorjahr (64,2 %) und damit auch 0,8 % über dem Landesschnitt Bayern. Von insgesamt 54.137 Straftaten wurden 35.272 Fälle aufgeklärt.

Kriminalitätsbelastung:

Die Häufigkeitszahl bezeichnet die Anzahl der polizeilich erfassten Straftaten auf jeweils 100.000 Einwohner. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd lag die Häufigkeitszahl 2010 bei 4386 Straftaten pro 100.000 Einwohner, was einen Rückgang zum Vorjahr um 4,7 % bedeutet. Die Belastung liegt damit auch um 572 Straftaten unter dem Landesdurchschnitt Bayern von 4958. Wenn man berücksichtigt, dass nur die amtlich gemeldeten Einwohner zur Berechnung herangezogen werden können, also nicht z.B. Touristen, Durchreisende, Personen mit ausländischem Wohnsitz oder Ausländer, die sich illegal aufhalten, dann wird dieses gute Ergebnis verdeutlicht.

Tatverdächtigenstruktur:

Zu den 35.272 polizeilich geklärten Straftaten wurden 27.540 Tatverdächtige ermittelt. Darunter befanden sich 7.943 nichtdeutsche Personen. Der Anteil der Nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen war mit 28,8 % wieder niedriger als im Jahr zuvor (29,1 %). Im Siebenjahresvergleich sank dieser Anteil kontinuierlich von 35,7 % auf 28,8 %. Zieht man die spezifischen Verstöße gegen das Ausländer- und Asylverfahrensgesetz ab, die nur durch Nichtdeutsche begangen werden können, so blieb der Ausländeranteil an allen Tatverdächtigen seit 2004 mit etwa 20 % weitgehend konstant. Von allen ermittelten Tatverdächtigen waren 6880 jünger als 21 Jahre, jeder vierte Tatverdächtige (25 %) war ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender. Damit ging deren Anteil wie bereits im Vorjahr leicht zurück. Vergleicht man die Werte 2010 mit dem Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an der Wohnbevölkerung im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd (21,5 %), so ist eine Überrepräsentation dieser Altersgruppe bei den Tatverdächtigen zu erkennen. Insbesondere Jugendliche und Heranwachsende waren besonders häufig an Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Körperverletzungsdelikten beteiligt.

Kriminalitätsstruktur Oberbayern Süd gesamt:

Gegenüber dem Vorjahr haben sich nur minimale Veränderungen in den Deliktsgruppen ergeben. Lediglich bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten ist ein Anstieg um 2 % zu verzeichnen, was aus mehr angezeigten Fällen der sog. Internet-Kriminalität resultiert.

Ausgewählte Deliktsbereiche

Gewaltkriminalität:

Bei der Gewaltkriminalität (u.a. Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche und schwere Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme) war 2010 wie bereits im Jahr zuvor eine Abnahme zu registrieren. Es waren mit 1496 Fälle um 4 % weniger als 2009 zu bearbeiten. Auffällig ist der hohe Anteil von alkoholisierten Tatverdächtigen (42 %). Die gefährlichen und schweren Körperverletzungen sowie die Körperverletzungen mit Todesfolge nehmen im Deliktsbereich Gewaltkriminalität den Hauptanteil von 83,4 % ein, Raubdelikte 10 %, Vergewaltigungen 4,3 % und Mord und Totschlag 2,3 %. Im Jahr 2010 konnte bei den Gewaltstraftaten erneut eine sehr hohe Aufklärungsquote von 84,2 % erzielt und diese damit im Vergleich zum Vorjahr sogar noch leicht gesteigert werden.

Straßenkriminalität:

Dieser Deliktsbereich umfasst alle Straftaten, die einen speziellen Bezug zu öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen haben, wie z.B. Handtaschenraub, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Diebstähle in/aus Kiosken, Schaufenstern und Vitrinen; Fahrraddiebstähle; Automatenaufbrüche, Diebstähle rund um das Kfz usw. Diese Delikte gingen 2010 deutlich um 14,7 % oder 1751 Fälle auf 10.195 Straftaten zurück. Die Aufklärungsquoten bei diesen verschiedenen Deliktsfeldern sind dabei sehr unterschiedlich. Während diese Quote z.B. bei Fahrraddiebstählen aufgrund der oftmals geringen Ermittlungsansätze bei lediglich 14,3 % liegt, steigt sie mit zunehmender Qualität der Delikte. Bei Raubdelikten lag 2010 die Aufklärungsquote z.B. bei 71,8 %. Jugendliche und Heranwachsende sind als Täter hier deutlich überrepräsentiert.

Sexualdelikte:

Die Zahl der angezeigten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verringerte sich 2010 wiederum um 27 Fälle auf 519 Delikte. Dies bedeutet einen Rückgang um 4,9 %, womit sich der erfreuliche Trend der Vorjahre fortsetzte. 85,7 % der Fälle konnten geklärt werden. In den Deliktsbereich fallen z.B. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, exhibitionistische Handlungen und Verbreitung pornographischer Schriften.

Diebstahlskriminalität:

Die angezeigten Diebstahlsdelikte gingen im Jahr 2010 um 7,1 % zurück. Mit 15.965 Delikten wurden um 1216 weniger als im Vorjahr registriert. Damit wurde der niedrigste Wert seit sieben Jahren erreicht. Die Aufklärungsquote betrug 36,6 %. Obwohl die Zahl der angezeigten Diebstähle seit Jahren rückläufig ist, nimmt dieser Deliktsbereich noch immer den größten Anteil an den Gesamtstraftaten ein.

Vermögens- und Fälschungsdelikte:

Bei Vermögens- und Fälschungsdelikten stieg die Zahl um 662 Fälle oder 7,3 % auf 9.704. Die Aufklärungsquote lag bei 81,2 %, was einen geringfügigen Rückgang zu 2009 bedeutet. Unter die Vermögens- und Fälschungsdelikte fallen Straftaten, wie z.B. Betrugsdelikte aller Art, Unterschlagungen, Urkundenfälschungen, Geld- und Wertzeichenfälschungen, Fälschungen von Zahlungskarten und Schecks. Mitursächlich für die Steigerung ist der wachsende Anteil der Betrugsdelikte rund um die „Neuen Medien“, also Taten, die z.B. über das Internet angebahnt oder abgewickelt werden. So ist bereits mehr als jedes 10. Delikt im Betrugsbereich eine Straftat mit Bezug zum Internet.

Rauschgiftkriminalität:

Die zum Phänomenbereich Rauschgiftkriminalität zählenden Delikte waren 2010 wie bereits im Jahr zuvor rückläufig. Wurden im Jahr 2009 noch 3175 Rauschgiftdelikte registriert, waren es 2010 noch 2996. Dies bedeutet einen Rückgang um 5,6 %. Die Aufklärungsquote lag bei 96,8%. Analog dem Bayerntrend stieg auch im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd die Zahl der Suchtopfer. 2010 kamen hier 30 Menschen im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch ums Leben (2009: 21 Todesopfer).

Bedeutende Fallbeispiele 2010

Brand in Altenheim:

Am 4. Januar kam in Bad Reichenhall eine 68-jährige Bewohnerin bei einem Zimmerbrand ums Leben. Weitere sechs Personen wurden verletzt. Das Feuer war nach polizeilichen Ermittlungen durch eine Unachtsamkeit der Verstorbenen im Umgang mit Feuer entstanden.

Zwei Tote bei Felssturz:

In Stein an der Traun kam es am 25. Januar zu einem Felssturz auf ein Wohnhaus, das völlig zerstört wurde. Vater und Tochter der dort lebenden Familie kamen dabei ums Leben, Mutter und Sohn wurden schwerverletzt geborgen.

Ehestreit eskaliert:

Eine 68-jährige Frau aus Rottach-Egern wurde am 25. Februar von ihrem 65-jährigen Ehemann mit einer Machete schwer verletzt. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung wegen einer vermeintlichen Belanglosigkeit. Der stark alkoholisierte Mann konnte noch in der Wohnung festgenommen werden.

Explosion bei Drogenexperiment:

Am Abend des 5. Mai erschütterte eine starke Explosion ein Mehrfamilienhaus in Bad Reichenhall. Vier Personen wurden dabei teils schwer verletzt. Es stellte sich heraus, dass die jungen Leute mit Gaskartuschen und Marihuanapflanzen experimentiert hatten, um eine Drogensubstanz herzustellen. Dabei kam es zu der Explosion.

Doppelmord in Rosenheim:

Am 30. August wurde eine 37-jährige Rosenheimerin und ihr 3-jähriger Sohn ermordet im Keller ihres Wohnanwesens aufgefunden. Der Tatverdacht richtete sich gegen den untergetauchten 48-jährigen Ex-Ehemann und Vater des Kindes. Trotz intensiven Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen konnte der Mann nicht ausfindig gemacht werden, bis er am 21. September tot in einem Schuppen in Tatortnähe aufgefunden wurde. Der 48-Jährige hatte Suizid begangen.

Flugunfall mit tödlichem Ausgang:

Der Oltimer-Flugtag in Warngau am 18. September wurde von einem tragischen Unglücksfall überschattet. Zwei Hochleistungskunstflugzeuge berührten sich bei einer Flugvorführung, worauf eine Maschine in eine angrenzende Wiese abstürzte und in Brand geriet. Der 47-jährige Pilot kam hierbei ums Leben. Die zweite Maschine konnte notlanden, der 43-jährige Pilot erlitt einen Schock.

Mutmaßlicher Täter nach Mord an Ehefrau festgenommen:

Bei der Rosenheimer Polizei ging am 26. Oktober per Post ein Brief mit einem Hinweis auf eine tote Frau in einer Wohnung in Rosenheim ein, wo tatsächlich eine 51-jährige Bewohnerin tot aufgefunden wurde. Nach tagelanger intensiver Fahndung konnte am 4. November am Simssee der dringend tatverdächtige 55-jährige Ehemann festgenommen werden. Er räumte ein, seine Frau getötet zu haben. Am 28. März 2011 beging der Mann in seiner Haftzelle in Untersuchungshaft Suizid durch Erhängen.

Die Kriminalpolizeilichen Fachberater der Kriminaldienststellen führten 2010 insgesamt 2.017 Einzelberatungen zu technischen Sicherungsmöglichkeiten für Eigentum durch. Außerdem standen sie bei 86 Veranstaltungen verschiedenster Art mit ihrem Fachwissen Rede und Antwort. Die Jugend- und Präventionsbeamten der Dienststellen waren mit den Themenschwerpunkten Sucht, Gewalt, Eigentum und Gefahren der „Neuen Medien“ mit über 500 Vorträgen und bei etwa 370 Veranstaltungen vertreten. Zudem engagierten sich die Beamtinnen und Beamten mit den speziellen Präventionsprojekten „Aufgschaut, Zammgrauft, Sauba bleim und PIT (Prävention im Team)“ in etwa 500 Schulklassen unterschiedlicher Altersstufen. Beamte der Kriminalpolizei hielten 78 Vorträge zum Thema illegale Drogen. Durch die Beauftragten für Frauen und Kinder (BPFK) wurden im vergangenen Jahr weit über 200 persönliche Beratungsgespräche mit Opfern, Angehörigen und Bezugspersonen geführt. Dazu wurden eine ganze Reihe von Vorträgen gehalten und an 12 Arbeitskreisen mitgewirkt. Im Rahmen der AMOK-Prävention wurden in Gesprächen mit 130 Schulen polizeiliche Empfehlungen zu sicherungstechnischen, verhaltensorientierten und organisatorischen Maßnahmen sowie Checklisten bei Gewalt- oder Amoktaten an Schulen erörtert. Bei 159 öffentlichen Versammlungen wurden 1.479 Polizeibeamte eingesetzt. Bei weiteren 2.355 „sonstigen Veranstaltungen“, dazu zählen Staats- und sonstige Besuche, Konzerte, Tagungen, Empfänge, Ausstellungen, Märkte, Straßenfeste, Umzüge u.ä., waren 8.844 Beamte im Einsatz. Mit insgesamt 5.258 Beamten war bei 457 Sportveranstaltungen ein hoher Kräfteaufwand erforderlich, der sich insbesondere aus der polizeilichen Betreuung der Fußballspiele des Drittligaclubs SV Wacker Burghausen ergab.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd (Pressestelle)

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