Bischof Oster nennt die Gründe

Pfarrer nahm sich aus Angst vor Sexskandal das Leben

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Passau - Pfarrer Josef S. war äußerst beliebt. Doch er setzte seinem Leben selbst ein Ende - aus Angst vor einem Sexskandal.

Am Ende sah er keinen anderen Ausweg mehr. Pfarrer Josef S. beging Selbstmord. Darüber berichten Medien normalerweise nicht – aus Respekt vor dem Toten und um keine Nachahmer zu animieren. Doch der 59-jährige Seelsorger hat als Vermächtnis die Bitte hinterlassen, dass die Gründe für seinen Freitod öffentlich gemacht werden sollen. Bischof Stefan Oster hat dies am Montag beim Trauergottesdienst in der Grattersdorfer Pfarrkirche St. Ägidius (Kreis Deggendorf) getan. Es muss eine sehr schwere Aufgabe für ihn gewesen sein.

Josef S. war äußerst beliebt. Das schreiben ehemalige Gemeindemitglieder und Menschen, die ihn gut gekannt haben, im Internet in virtuellen Kondolenzbüchern. „Er war Pfarrer aus Berufung“, steht da beispielsweise. „Humorvoll und gutmütig“ sei er gewesen, und seine Predigten lebensnah. „Solche Pfarrer sollte es mehr geben!“

Doch es gab offenbar bei dem Geistlichen auch eine dunkle Seite. An der ist er wohl letztlich zerbrochen. Wie die PNP schreibt, habe Josef S. in den Briefen an den Bischof und an seine Geschwister eingestanden, im Internet Bilder und Filme gesucht zu haben, die seinem priesterlichen Gelübde der Keuschheit deutlich widersprechen würden.

Schwerer Gang: Bischof Stefan Oster hielt den Trauergottesdienst.

Er hat sich offenbar mehr und mehr in die Angst hineingesteigert, dass ihm jemand auf die Schliche kommt und publik gemacht wird, dass er Pornoseiten aufgerufen hat. Zudem gestand er gegenüber dem Bischof und seiner Familie ein, dass er in vielen Briefen andere Menschen – teilweise auch anonym oder unter Pseudonym – kritisiert und diffamiert habe. Dies sei eine regelrechte Sucht geworden. Eine erste Untersuchung seiner Internetaktivitäten ergab jedoch, dass Josef S. sich strafrechtlich nichts zuschulden kommen ließ. Übergriffe, womöglich gar auf Schutzbefohlene, habe es überhaupt nicht gegeben. Dennoch war die Angst vor einem möglichen Skandal übermächtig.

Zuletzt war der gesundheitlich angeschlagene Geistliche als Pfarrvikar eingesetzt. Er tat dabei den gleichen Dienst wie ein Pfarrer, musste aber nicht dessen Verantwortung tragen. Aber auch dieser Schritt ins zweite Glied konnte ihm wohl nicht mehr helfen. Für seinen Trauergottesdienst hatte er sich Verse aus dem Markus-Evangelium zum Tod Jesu’ ausgesucht. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

 vp

Rubriklistenbild: © pa

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