Bündnis90 / Die Grünen sind skeptisch

Scheitert die Energiewende in Bayern?

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Piding - Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen ist in Sachen Energiewende in Bayern skeptisch. So der Tenor einer Kreisversammlung zum fünften Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima. Was ist zu tun?

Fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima trifft sich der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Berchtesgadener Land in Piding zu einer Kreisversammlung. In einem Impulsreferat kam der Grünen­Kreisvorsitzende Dr. Bernhard Zimmer unter anderem darauf zu sprechen, dass bei der Atomenergie neben der Unfallgefahr die Endlagerfrage das großes ungelöste Problem ist. 

Wohin mit dem Atommüll?

Allein das Problem, dass der Atommüll viele tausende von Jahren sicher zu lagern ist und deshalb sicher gestellt werden muss, dass künftige Generationen auf diese Gefahr aufmerksam gemacht werden, hat die Wissenschaft bis heute nicht zufriedenstellend gelöst. Konzepte, in Schriftform das Wissen über die Gefahren des strahlenden Mülls weiterzugeben, werden bislang von der Wissenschaft verworfen. Das bisher schlüssigste Konzept sieht vor, sogenannte „Atompriester“ vor die Atomanlagen zu „setzen“, damit diese ihr Wissen mündlich an nachfolgende Generationen übermitteln. Um eine solche Form des Wissenstransfers zu finanzieren, käme selbst bei einem Stundenlohn von einem Euro über einen Zeitraum von 1000 Jahren eine Summe von 17 Billionen Euro zusammen. Eine unvorstellbare Summe.

Der größte Denkfehler der Menschheit

Allein dieses Beispiel zeige, dass die Atomenergie die mit Abstand teuerste Art der Stromerzeugung sei. Zimmer wörtlich: „Der Kernkraftwahnsinn ist der größte Denkfehler in der Menschheitsgeschichte“. Dagegen seien Wind­ und Sonnenstrom bereits heute und ohne Berücksichtigung der Folgekosten für Unfälle und Endlager preiswerter als Atomstrom. Deshalb sei der Beschluss des Kreistages Berchtesgadener Land aus dem Jahr 2001, bis zum Jahr 2030 auf Erneuerbare Energien umsteigen zu wollen, auch richtig. 

Klimaschutzkomzept

Zur Umsetzung dieses Beschlusses habe der Kreistag dann 2013 ein integriertes Klimaschutzkonzept für den Landkreis beschlossen, das seither Schritt für Schritt umgesetzt werde. Zunächst sei es dabei vor allem darum gegangen, strukturbildende Projekte auf den Weg zu bringen. Das sei zum einen die Einrichtung der Stelle eines Klimaschutzmanagers gewesen. 

Zum anderen derAufbau einer Energieagentur, was in der letzten Kreistagssitzung beschlossen wurde. Des weiteren würden aktuell Energienutzungspläne für die Gemeinden erarbeitet. Diese strukturbildenden Projekte wären die Voraussetzung dafür, dass die Umsetzung der im Klimaschutzkonzept aufgeführten inhaltlichen Maßnahmen in Angriff genommen werden könnten. 

Probleme bei der Windkraft

Hemmnisse bei der Umsetzung der einzelnen inhaltlichen Projekte sieht Dr. Zimmer vor allem bei der Windkraft. Von den im Klimaschutzkonzept vorgesehenen 15 Windkraftanlagen mit einer Leistung von je 3 Megawatt und einer zu erzeugenden Energiemenge von rund 100 Gigawattstunden pro Jahr werde nach derzeitigem Stand keine einzige realisiert. 

Grund dafür ist zum einen die vom Bayerischen Landtag von der CSU-­Mehrheit verabschiedete neue Abstandregelung für Windkraftanlagen, und zum anderen der Beschluss des regionalen Planungsverbandes, südlich der A 8 keine großen Windkraftanlagen zu genehmigen. 

Grünen-­Mitglied Simon Köppl ergänzte hierzu, dass in Bayern vor in Krafttreten der neuen Regelung im Jahr 2014 noch 300 Anträge zur Errichtung großer Windkraftanlagen gestellt worden wären, nach in Krafttreten im Jahr 2015 nur mehr 24 Anträge. 

Scheitert die Energiewende?

Köppl und Dr. Zimmer waren sich einige, dass die Energiewende in Bayern scheitern könnte, wenn der Kurs der CSU in den nächsten Jahren beibehalten werde. Köppl sieht Bayern in fünf bis sechs Jahren vor einer Versorgungslücke in der Stromversorgung. 

Wenn einerseits der Ausbau der Stromerzeugung in Bayern mit der neuen Abstandregelung bei großen Windkraftanlagen praktisch zum Erliegen komme, gleichzeitig aber der Bau von Stromtrassen zum Import von Windstrom aus Norddeutschland verhindert oder verzögert werde, komme es beim Abschalten der letzten Atomkraftwerke in Bayern möglicherweise zu Stromengpässen

Er befürchte, dass dann von der CSU erneut ein „Ausstieg aus dem Ausstieg“ betrieben werden könne. Angesichts der Unfallgefahr und der ungelösten Atommüllfrage sollten die letzten Atomkraftwerke in Bayern aber eher noch früher als derzeit geplant vom Netz gehen.

Quelle: Bündnis90 / Die Grünen

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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