Ein Porträt

Gustl Mollath: Pazifist und Sturkopf

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Seit sieben Jahren sitzt Gustl Mollath gegen seinen Willen in der Psychiatrie.

Nürnberg - Gustl Mollath liebt Sportwagen. Seine Freunde kennen ihn als ausgemachten Sturkopf. Seit sieben Jahren sitzt er gegen seinen Willen in der Psychiatrie. Ein Porträt des 56-Jährigen:

Gustl Mollath ist der bekannteste Psychiatrie-Insasse Bayerns. Seit 2006 sitzt er gegen seinen Willen im Bezirkskrankenhaus Bayreuth - und kämpft seitdem beharrlich für seine Freilassung. „Gustl ist ein hochintelligenter Mensch mit einem sehr starken Rechtsbewusstsein“, sagt sein Freund Gerhard Dörner über ihn, der in den vergangenen Jahren sehr engen Kontakt mit Mollath hatte. „Er kann aber auch ein ausgesprochener Sturkopf sein.“ Diese Eigenschaft habe ihn die jetzige schwere Zeit durchstehen lassen, ist Dörner überzeugt.

Mollath wird 1956 in Nürnberg geboren und besucht dort eine Waldorfschule. 1976 absolviert er als zweitbester das Fachabitur und beginnt ein Maschinenbaustudium. Anschließend ist er bei MAN im Controlling tätig. Mollath liebt schnelle Autos. 1983 macht er sich selbstständig und beschäftigt sich mit dem Tuning von Sportwagen.

Der heute 56-Jährige ist Pazifist und Mitglied der Nürnberger Friedensbewegung. Im Jahr 2000 gibt er in einem Brief an Papst Johannes Paul II. seinen Kirchenaustritt bekannt. Als Grund nennt er die Haltung der Kirche zur deutschen Beteiligung am Kosovo-Krieg. Bei Friedensdemonstrationen lernt er Dörner kennen.

1991 heiratet Mollath. Seine Frau ist Mitarbeiterin der HypoVereinsbank. Mollath wirft ihr später vor, in Schwarzgeldgeschäfte verwickelt zu sein. „Für mich stand fest, diese Tätigkeit muss aufhören“, sagte Mollath vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags, der sich mit seinem Fall beschäftigt. Seine Frau wollte den Befehl ihres Mannes jedoch nicht befolgen. „Wenn Sie ihren Kopf nicht durchsetzen kann, dann hat sie ein gewisses Rumpelstilzchen-Verhalten“, sagt Mollath.

Der Ehestreit mündet in einem Rosenkrieg: Scheidung im Jahr 2004, Misshandlungsvorwürfe, gegenseitige Strafanzeigen. Mollath soll seine Frau mindestens 20-mal mit den Fäusten geschlagen haben. Außerdem habe er sie gebissen, getreten und sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Mehrere Gutachter attestieren Mollath gravierende psychische Störungen und paranoide Symptome. Nach einem Strafprozess wird er im Sommer 2006 in die Psychiatrie eingewiesen.

Gustl Mollath: Erster Freigang

Gustl Mollath: Erster Freigang

Bei allen öffentlichen Auftritten in den vergangenen Monaten versichert Mollath, dass bei ihm keine psychische Krankheit vorliege. Er geht besonders scharf mit der Psychiatrie ins Gericht, die schlimmer sei als jede ordentliche bayerische Haftanstalt. Jede Nacht werde er alle zwei Stunden geweckt, leide an Schlafentzug. Er wehrt sich gegen Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka. Wenn man die Wirkungen der Medikamente sehe - „da kriegt man mehr als Panik“. Das wünsche er seinem ärgsten Feind nicht.

Er sei kein rachsüchtiger Mensch, betont Mollath. „Ich habe die Hoffnung, dass die Dinge positiv enden.“ Für die Zeit nach einer Entlassung aus der Psychiatrie hat er konkrete Vorstellungen. „Da gibt es bereits von meiner Seite Aktivitäten und Vorbereitungen und es gibt sehr freundliche Menschen, die sich darüber auch große Gedanken machen.“ Leben möchte er künftig in seiner Geburtsstadt Nürnberg.

dpa

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